Bericht zur Kundgebung in Nürnberg

Rund 400 Menschen folgten dem Aufruf des Bayerischen Agrarbündnisses, zu dem auch Mission EineWelt gehört, am Donnerstagmittag in Nürnberg vor der Lorenzkirche gegen das geplante Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen EU und USA zu demonstrieren. Mit bunten Transparenten und verschiedenen Redebeiträgen machten Teilnehmende und OrganisatorInnen auf die zu befürchtenden Folgen wie Sonderklagerechte für Investoren, Verschlechterung von Umwelt- und Sozialstandards und eine weitere Abkopplung der Länder des globalen Südens vom Welthandel aufmerksam.

Das Bündnis fordert deshalb den Stopp der Verhandlungen. Welternährungsexpertin Angela Müller von Mission EineWelt ließ in einem Sketch mit Isabella Hirsch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft den TTIP-Traum für Konzerne platzen und forderte einen tatsächlich freien und fairen (Welt-)handel, in dem KonsumentInnen wirklich frei entscheiden sowie auch kleine Unternehmen und bäuerliche Betriebe eine Chance haben.

Die bunte Menge der TTIP-GegnerInnen zog dann zum bayerischen Heimatministerium, um Minister Markus Söder eine Resolution mit den Forderungen des Bayerischen Agrarbündnisses zu übergeben. Da dieser sich zu einer Sitzung im Landtag in München befand, wurde die Resolution stellvertretend von einem Mitarbeiter entgegengenommen.

Die nächste Kundgebung gegen das Freihandelsabkommen ist geplant für Donnerstag, den 8. Mai, um 11.00 Uhr in München vor der Vertretung der EU-Kommission in München (neben dem Europäischen Patentamt, Bob-van-Benthem-Platz 1 (ehemals: Erhardtstr. 27, 80469 München).

Agrarbündnis Bayern und regionale Verbände rufen zum Protest auf

Insgesamt 13 Organisationen und Werke rufen am Donnerstag, 3. April 2014, zur Teilnahme an einer Kundgebung gegen das Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Die Protestveranstaltung findet um 12.00 Uhr vor der Lorenzkirche in Nürnberg statt.

Nach Aussage der Veranstalter, die sich als Agrarbündnis Bayern formiert haben und zu denen unter anderem der Bund Naturschutz in Bayern, Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, FIAN und Mission EineWelt gehören, werde das Abkommen in der gerade stattfindenden 4. Verhandlungsrunde hinter verschlossenen Türen vorangetrieben. Kritisiert wird vor allem, dass europäische Schutzstandards bei Umwelt- und Verbraucherschutz abgebaut werden sollen und gentechnisch veränderte Lebensmittel, Pflanzen und Tiere künftig importiert werden dürfen. Zudem befürchten die Veranstalter, dass staatliche Handlungsmöglichkeiten durch Sonderklagerechte für Investoren beschränkt werden.

Das Bündnis fordert deshalb, dass die bisherigen Standards in den Bereichen Umwelt- und Verbraucherschutz sowie bei Arbeitsnehmerrechten nicht abgesenkt werden und kein Sonderklagerecht für Investoren geschaffen wird. Statt Wettbewerbsdruck sollen Solidarität, gemeinsame Verantwortung und partnerschaftliche Kooperation zu Entwicklungs- und Schwellenländern festgeschrieben werden.

Die Kundgebung in Nürnberg will Licht in das Dunkel der Geheimverhandlungen bringen, und die Forderungen des Agrarbündnisses sollen im Anschluss an die Veranstaltung an den Heimatminister übergeben werden. Bei der Kundgebung spricht neben anderen die Landwirtschaftsexpertin von Mission EineWelt, Angela Müller. Sie steht mit Richard Mergner, Landesbeauftragter Bund Naturschutz, Sven Hilbig von Brot für die Welt und anderen Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Organisationen für Interviews zur Verfügung.

Zweiter Bericht von Lateinamerikareferent Hans Zeller vom Pastoralkolleg in Brasilien

Zu dem brasilianischen Kyrielied “Erleuchte unsere Straßen, dein Wort ist das Licht” kamen die Teilnehmenden des Pastoralkollegs zu ihrem ersten Treffen in São Paulo zusammen. Es stand unter dem Thema: „Mission in der Stadt“. Die 28 Personen mussten sich aber erst einmal kennenlernen. Dazu führte der Leiter des Pastoralkollegs, Dr. Christian Eyselein, in die Methodik des Kurses ein. In Kleingruppen konnten sich die Kollegen aus den evangelischen Kirchen in Bayern und Brasilien einander vorstellen und die Ziele für ihre Arbeit in den jeweiligen Arbeitsgebieten austauschen.

Wichtige Stationen ihrer Arbeit in der Stadt konnten sie aufzeigen und dann aber auch austauschen, wie die Arbeit in der Stadt sie verändert. Ein Großteil der Pfarrer ist auf dem Land aufgewachsen und erst später über die Arbeit als Pfarrer in die Stadt gekommen. Für die meisten war das städtische Umfeld deshalb zunächst etwas Neues, dass es zu bewältigen galt. Aber selbst in den Millionenstädten wie São Paulo und Rio de Janeiro sind sie inzwischen zu Hause

Der Ablauf des Pastoralkollegs bekommt durch das Früh-, Mittag- und Abendgebet eine klare Struktur. Das Bibelstudium über Apostelgeschichte 18,1-10 fand nach der Methodik des Bibelteilens statt und schnell kamen die brasilianischen und bayerischen Pfarrerskollegen trotz der Sprachbarrieren miteinander über die Bibelstelle ins Gespräch.

Spannend wurde es, als die Teilnehmer ihre jeweilige Kirche vorstellten. Es zeigt sich schnell, dass die bayerische Landeskirche sich anders organisiert als die  brasilianische. Die Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien entstand Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Immigranten aus dem deutschsprachigen Raum. An den verschiedenen Orten kamen die Einwanderer in Brasilien zusammen und lasen gemeinsam die Bibel und sangen ihre kirchlichen Lieder. Erst später kamen Pfarrer aus Deutschland. Dies hatte zur Folge, dass die Gemeinden von Ehrenamtlichen geleitet wurden und diese starke Autonomie haben sie bis heute behalten. Die Pfarrer werden direkt von der Kirchengemeinde bezahlt und rechtlich ist der Gemeindepräsident und nicht der Pfarrer für die Gemeinde verantwortlich.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass lutherische Kirche sich je nach dem jeweiligen Kontext, in dem sie arbeitet, ganz unterschiedlich organisieren kann. Daraus entsteht dann ein spannender Austausch.

Lateinamerikareferent Hans Zeller berichtet von einem Pastoralkolleg in Brasilien

Müde und erschlagen stiegen 14 Pfarrerinnen und Pfarrer mitten in der Nacht in Brasilien aus dem Flugzeug. Sie kamen im Westen der paraguayischen Grenze an. Am Himmel glitzerten die Sterne. Der erste Augenblick ließ die Gruppe etwas ratlos sein. Doch dies änderte sich schnell. Denn Rolf Leitzke, Präsident der Evangelischen Synode in Westparana, hieß die Gruppe herzlich willkommen. Die Müdigkeit war damit zwar nicht verflogen, aber die Gruppe fühlte sich gleich gut aufgehoben. Nach einer 26-stündigen Reise wollten sich die Reisenden nur mal wieder richtig ausstrecken können.

„Mission in der Stadt“ lautet das Thema dieses weitgereisten Pastoralkollegkurses. Auf die Frage, warum sich die Gruppe zunächst einmal eine ländliche Region ansehen sollte, antwortet der brasilianische Synodalpfarrer Lauri Becker. „Die Menschen, die heute in der Stadt wohnen, sind häufig erst in den letzten Jahren vom Land gekommen.“

Westparana zeigt das sehr deutlich: Die Stadt Foz do Iguaçu, erste Station der bayerischen Pfarrergruppe, ist geradezu explodiert. Vor 20 Jahren wurde am Paranafluss ein großes Wasserkraftwerk gebaut, das Großstädte wie Sao Paulo und Curitiba mit Energie versorgt. Der Staudamm und der Tourismus haben die Menschen in die Stadt gezogen.

Gleich neben dem Wasserkraftwerk befindet sich ein riesiger Nationalpark. Er lässt ahnen, wie es vor 70 Jahren in der Gegend ausgesehen hat. Ein dichter Urwald prägte die leicht wellige Landschaft. Die intensiven grünen Farben der kraftvollen Natur sind bis heute bestimmend.  Ein fruchtbarer Lösboden und Regen über das ganze Jahr sind in dieser Region die Grundlage für zwei Ernten im Jahr. Im Augenblick ist es der Mais, der die Region prägt. Im Winter wächst die Sojapflanze. Auf die Frage nach den Pflanzenarten antwortet Vilmar Saar, Katechet und Soziologe: „Hier gibt es nur noch den Anbau von genverändertem Saatgut“.  Darüber wird in Westparana nicht mehr diskutiert.

Kleine Oasen versuchen es aber anders. Dafür steht die Familie Kaiser. Seit zehn Jahren bauen sie auf rund sechs Hektar Gemüse nach biologischen Richtlinien an. Nachdem der Bauer Valdemar Kaiser sich zweimal durch chemische Spritzmittel vergiftet hatte, wollte er damit nicht mehr weitermachen. Die Alternative, in die Stadt zu ziehen, widerstrebte ihm. So stellte er mit seiner Frau den Hof um, und sie sind heute trotz der vielen Arbeit glücklich.

Die Evangelische Kirche in Brasilien begleitet diese Menschen durch ein Team, das die Menschen berät und sie begleitet. „Ohne diese Beratung könnten wir dies nicht machen“, ist Valdemar überzeugt.

Mit dem Drama „Schande“ setzt Mission EineWelt sein Mittwochskino im März fort. Der Film erzählt die Geschichte des alternden Professors David Lurie (gespielt von John Malkovich), der nur noch wenig Erfüllung im Leben findet. Als seine Affäre zu einer Studentin auffliegt, verlässt er die Universität und hofft auf der Farm seiner Tochter Lucy auf einen Neuanfang. Statt Ruhe und einer Zuflucht findet er dort aber etwas ganz anderes: Mitten in der Abgeschiedenheit der Ostkap-Provinz ist das gesellschaftliche Leben so kurz nach der Apartheid immer mehr aus den Fugen geraten.

Die Apartheid gilt offiziell in Südafrika als abgeschafft. Die friedliche und gleichberechtigte Koexistenz der weißen und schwarzen Bevölkerung ist aber immer noch Utopie. Weiße Männer in Positionen mit gesellschaftlicher Macht nutzen ihre Privilegien immer noch aus; anderswo leben die Weißen in höchster Gefahr. Der Literaturprofessor David Lurie erlebt beide Seiten und wird mit Realitäten konfrontiert, die so gar nicht in sein Weltbild passen. „Schande“ stellt das Überlegenheitsgefühl der ehemaligen Herren auf den Prüfstein und zeigt die Grenzen der Wandlung Südafrikas. Die schwarze Bevölkerung wird aber keinesfalls verklärt. Täter finden sich auf beiden Seiten. Ein toller Film mit langer Nachwirkung.

Mission EineWelt zeigt den Film „Schande“ am 26. März um 19.30 Uhr im Otto-Kuhr-Saal (Hauptstraße 2 in Neuendettelsau). Der Eintritt ist frei.

Austauschprogramm „Teaching-Preaching“ lädt Menschen aus Partnerkirchen ein

Noch bis zum 13. April ist Sara Luvanda aus Tansania auf Einladung von Mission EineWelt in Bayern unterwegs. Die 28-Jährige arbeitet als Volontärin bei der Süd-Zentral-Diözese der ELCT (Evangelical Lutheran Church in Tanzania) und besucht im Rahmen des so genannten Teaching-Preaching-Programms Schulen, Kirchengemeinden und Partnerschaftsgruppen in Deutschland, um von ihrem Land und ihrer Arbeit zu berichten.

Sara Luvada, geboren 1985 in Iringa, studierte bis 2013 „International Relations“ an der Universität von Dodoma. Bereits während ihres Studiums war sie aktives Mitglied der Christlichen Studentenverbindung. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als freiwillige Volontärin im Projekt „Pamoja Tuwalee“ in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania mit. Das Projekt setzt sich für (Waisen-)Kinder ein und bietet ihnen schulische und außerschulische Bildungsmöglichkeiten, Nahrung, medizinische Versorgung und Unterstützung bei familiären Schwierigkeiten. „Ich möchte den gefährdeten Kindern helfen“, betont Luvada, die aktuell mehrere Kinder zwischen 0 und 13/14 Jahren betreut, und sich auch für ihre berufliche Zukunft eine Arbeit als Sozialarbeiterin vorstellt.

In Deutschland selbst möchte die 28-Jährige über die Situation und das Leben in Tansania aufklären. „Ich möchte mit den Deutschen darüber reden, wie die Kinder in Tansania leben. Ich möchte über Elend, aber auch über Chancen/Möglichkeiten sprechen”, so Luvada. Und da es sich um ihre erste Reise nach Deutschland handelt, wünscht sie sich auch neue kulturelle Erfahrungen sowie den Kontakt zu Jugendlichen und Erwachsenen, mit denen sie über Gott und ihren Glauben sprechen kann.

Das Teaching-Preaching-Programm (Lehren und Verkündigen) von Mission EineWelt fördert die Verständigung zwischen den Kulturen und möchte die Partnerschaftsbeziehungen stärken. Die Gäste, überwiegend hauptamtliche Mitarbeitende aus den Partnerkirchen der bayerischen Landeskirche, sind im theologischen, sozialdiakonischen, entwicklungspolitischen oder im Bildungsbereich tätig. Bei ihren mehrwöchigen Einsätzen besuchen sie Gemeindeveranstaltungen, Schulen, Konfirmandengruppen oder Seminare.

Hinweis: Für Interviews steht Sara Luvanda gern zur Verfügung.

Anfragen richten Sie bitte an:
Marlene Gilcher
Tel. 09874 9-1401
marlene.gilcher(at)mission-einewelt.de

Informationsabend endet mit Aufruf zur Demonstration

Über hundert Interessierte folgten am 13. März 2014 der Einladung von Mission EineWelt und verschiedenen landwirtschaftlichen Verbänden zum Informationsabend „Bauer sucht Land – vom Bauernland in Investorenhand“ nach Herrieden.

Kerninhalt der Veranstaltung war weniger das Handeln einzelner Landwirte als vielmehr die Folgen der europäischen Agrarpolitik. Durch die Exportorientierung wird zunehmend für eine möglichst billige Tierhaltung gesorgt, deren Auswirkungen – die Abhängigkeit von Sojaimporten aus Südamerika, der hohe Antibiotikaeinsatz und die Umweltverschmutzung in Intensivmastgebieten – während des Informationsabends thematisiert wurden.

„Wir müssen wegkommen von der Weltmarktausrichtung, denn Weltmarktpreise sind Niedrigstpreise zu Lasten der Landwirtschaft. Dem Milliardenmarkt von Futtermittelimporten und Chemieindustrie stehen einzelne Bauernhöfe gegenüber, die leise für sich sterben – ohne Aufschrei wegen Arbeitsplatzabbau.“ – so Gastreferent und Vorsitzender des Bundes Naturschutz, Prof. Dr. Hubert Weiger.

Dass das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) eine „weitere Industrialisierung der Landwirtschaft außerhalb jeder demokratischen Kontrolle“ mit sich bringen wird, stand für ihn fest. Weiger rief daher dazu auf, noch intensiver zusammenzuarbeiten. Er betonte, dass es nicht das Ziel sei, die „Welt zu ernähren“, sondern verantwortlich zu handeln und eine zukunftsfähige Agrarpolitik, mit Erhaltung der Böden für kommende Generationen, sicherzustellen.

Besonders erfreut wurde daher auch vermerkt, dass die „alten Gräben“ zwischen Bauern-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen bereits heute immer weiter abgebaut werden. Und so riefen zum Ende der Veranstaltung auch alle Veranstalter gemeinsam zur Demonstration gegen das TTIP auf:

am 3. April um 12 Uhr an der Lorenzkirche in Nürnberg!

Gäste aus Myanmar/Burma übergeben Geschenk an das Centrum Mission EineWelt

Mit den Fragen und Herausforderungen öffentlicher Theologie in einer multireligiösen und globalen Welt haben sich in den vergangenen zwei Wochen die Teilnehmenden des internationalen Blockseminars bei Mission EineWelt beschäftigt. In dem Seminar, das vom 3. bis 14. März als Kooperationsveranstaltung mit der Universität Erlangen-Nürnberg stattfand, wurde die Rolle der Religionen sowie der Beitrag von Theologie und Kirche am Aufbau einer gerechten und solidarischen Gesellschaft thematisiert. Weiterlesen

Gäste aus Myanmar/Burma übergeben Geschenk an das Centrum Mission EineWelt

Mit den Fragen und Herausforderungen öffentlicher Theologie in einer multireligiösen und globalen Welt haben sich in den vergangenen zwei Wochen die Teilnehmenden des internationalen Blockseminars bei Mission EineWelt beschäftigt. In dem Seminar, das vom 3. bis 14. März als Kooperationsveranstaltung mit der Universität Erlangen-Nürnberg stattfand, wurde die Rolle der Religionen sowie der Beitrag von Theologie und Kirche am Aufbau einer gerechten und solidarischen Gesellschaft thematisiert.

Ein Höhepunkt war dabei der Vortrag über „Feministische Theologie im Islam“ von Prof. Dr. Rabeya Müller. Die Islamwissenschaftlerin, Theologin und Religionspädagogin, arbeitet seit Jahren als  Vertreterin eines geschlechtergerechten Islams im Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung und entwickelt dort Kurse für geschlechterspezifische Pädagogik.

Für das internationale Bewusstsein sorgten überdies die Gäste des Myanmar Institute of Theology. Unter der Leitung ihres Professors, Hlaing Bwa, besuchte eine Gruppe Studierender das Blockseminar und thematisierte die Kommunikation des Evangeliums in einem Land, in dem das Christentum eine Minderheitenreligion ist und die Kirchen gerade erst beginnen, sich zu gesellschaftlich und politisch relevanten Fragen zu äußern.

Passend dazu überreichten die Gäste am heutigen Freitag auch ein Gastgeschenk an Dr. Claudia Jahnel, Leiterin des Referats Mission Interkulturell von Mission EineWelt, und Prof. Dr. Andreas Nehring von der Universität Erlangen-Nürnberg, das den Aspekt der Multireligiosität erneut aufgreift: Ein liebevoll verziertes Bild, das die Bevölkerung Myanmars in ihrer Vielfalt zeigt.

Krise in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea

Mit Sorge blickt Mission EineWelt auf die derzeitige Situation in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG). Nach Aussage des Referenten für Pazifik und Ostasien bei Mission EineWelt, Dr. Traugott Farnbacher, leidet die älteste Partnerkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern seit einigen Jahren an einer massiven „Leitungs-, Struktur- und Finanzkrise, die sich in den letzten Monaten zugespitzt hat“. Ursache hierfür seien vor allem erhebliche Unstimmigkeiten zwischen kirchenleitenden Personen und Gremien der ELC-PNG sowie Planungsdefizite.

Finanzhaushalt und Wirtschaft der ELC-PNG sind nach Ansicht Farnbachers mittlerweile so hoch verschuldet, dass nicht einmal mehr die Gehälter an Mitarbeitende ausgezahlt werden konnten. Landesweit waren einen Monat lang rund 500 Mitarbeitende der Partnerkirche ohne Einkommen. Pfarrer Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt, sieht für die desolate Situation in der südpazifischen Partnerkirche die Kirchenleitung in der Verantwortung. Diese muss alles tun, um die offensichtliche Krise in den leitenden Verwaltungsorganen der ELC-PNG zu überwinden.

Farnbacher, der in diesen Wochen in der Partnerkirche war, teilte mit, dass der Wirtschaftsarm der Partnerkirche, der seine Einnahmen überwiegend aus der Lutherischen Schifffahrtsgesellschaft sowie aus seinen Liegenschaften zur Weiterleitung an die Zentrale der Kirche erwirtschaftet, seit Monaten hoch verschuldet ist. Seit kurzem sei die Kirchengesamtverwaltung aufgrund enormer Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern, Institutionen und Einzelförderern insolvent. Nur wenige der betroffenen kirchlichen Angestellten, die derzeit kein Gehalt erhalten, seien im Ausstand. Was jedoch in absehbarer Zeit passiere, wenn keine Einigung mit den Banken erzielt werden sollte, sei nicht absehbar.

„Umstrukturierungen zur Erschließung neuer Finanzquellen sind in jedem Fall unumgänglich und auch möglich“, so Farnbacher. In den vergangenen Monaten hätten die internationalen Partnerorganisationen und -kirchen in Beratungsprozessen mit der Kirchenleitung Optionen aufgezeigt. Das Zögern, entschlossen und ergebnisorientiert zu handeln, habe letztlich zu der gegenwärtigen Situation geführt. „Mittlerweile erhöht sich der Druck der Basis gegenüber der Kirchenzentrale“, berichtet Farnbacher.

Ein durch Brot für die Welt und den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) beauftragtes, internationales Expertenteam hat in Kooperation mit dem in der ELC-PNG tätigen Finanzberater des Partnerschaftszentrums Mission EineWelt einen „Rettungsplan“ erarbeitet. Darin vorgesehene Reformpläne könnten bei unvermeidbaren Einschränkungen und Kürzungen im Haushalt und im kirchlichen Dienstleistungssektor eine solide Finanz- und Wirtschaftstätigkeit wiederherstellen. Die Lage ist nach Einschätzung von Traugott Farnbacher keineswegs hoffnungslos. Sollten in absehbarer Zeit jedoch Reformen nicht greifen, werde die Notlage der Kirche noch anwachsen.

Mission EineWelt und seine Vorgänger-Organisationen sind seit Beginn der lutherischen Missionsarbeit vor fast 130 Jahren in dem Südsee-Land präsent. Derzeit arbeiten 22 Voll- und Teilzeitmitarbeitende und Volontäre in den Bereichen Theologie/Ausbildung, ärztliche Gesundheitsdienste, Logistik, Spiritualität und Finanzmanagement sowie Jugend/Gemeinde in der ELC-PNG. Insgesamt werden jährlich etwa 60 Programme und Projekte gefördert.

„Wir wollen unsere Partnerkirche ehrlich, aufgeschlossen und verlässlich mit unseren Möglichkeiten begleiten“, so Farnbacher. „Unsere Bereitschaft zu einer konstruktiv-kritischen Partnerschaft darf auch unter dem Druck der aktuell instabilen Lage nicht grundsätzlich in Frage gestellt oder drastisch reduziert werden.“ Dies würde die Lage unserer Partner nur verschlechtern.