Hans Zeller (r.), Lateinamerikareferent von Mission EineWelt, präsentiert den Entwurf des Kreuzes von Lund. Christian Chavarria Ayala (l.) hat das zwei Meter große Holzkreuz im Oktober 2016 anlässlich des ökumenischen Reformationsjubiläums in den schwedischen Orten Lund und Malmö gestaltet. ©Daniela Obermeyer

18. Zentralamerikatag von Mission EineWelt stellt Strategien in El Salvador und Nicaragua vor

Über die Kunst gelang es Christian Chavarria Ayala, sich aus der Armutsspirale in seiner Heimat El Salvador zu befreien: Sogar Papst Franziskus besitzt eines seiner bemalten Holzkreuze. Chavarrias Weg zeigt exemplarisch, wie die Menschen Zentralamerikas für mehr Selbstbestimmung kämpfen. Der von Mission EineWelt veranstaltete Zentralamerikatag widmete sich am vergangenen Samstag im Gemeindehaus der Melanchthon-Kirche in Nürnberg-Ziegelstein dem Thema Armut und Gewalt.

Als Kind floh Christian Chavarrias Familie vor dem Bürgerkrieg ins Nachbarland Honduras. Zwei Geschwister hatte er während der Kämpfe verloren. Als 16-jähriger bekam er Asyl in Schweden, jedoch ohne seine Familie. Dort begann er Holzkreuze zu bemalen. In bunten Farben zeigen sie unter anderem den lebendigen Christus – niemals den leidenden am Kreuz – bäuerliche Alltagsszenen, Tier- und Naturmotive. „Die lebensfrohen Bilder sind meine Trauma-Therapie“, erklärt er in seinem Vortrag.

Nachdem Christian Chavarria wieder nach El Salvador zurückgeschickt wurde, arbeitete er ehrenamtlich in der lutherischen Kirche. Er lernte einen finnischen Pfarrer kennen, dem die Kreuze so gut gefielen, dass er 1.000 Stück bestellte. Weitere Bestellungen folgten, der Durchbruch als Künstler war geschafft. Christian Chavarria schätzt, dass er bislang um die 145.000 Kreuze, aber auch Holzkästchen, Schlüsselanhänger und vieles mehr hergestellt hat. Mittlerweile hat er fünf Angestellte, zeichnet jedoch jeden Entwurf selbst vor.

Ursachen für Armut und Gewalt sowie Gegenstrategien stellten Samuel Weber vom Ökumenischen Büro München sowie Karin Gleixner vom Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg vor. Der Experte vom Ökumenischen Büro machte die Freihandelsabkommen in Zentralamerika mit verantwortlich für ein wirtschaftliches Ungleichgewicht. Abkommen wie CAFTA mit den USA würden zwar für neue Arbeitsplätze in den zentralamerikanischen Ländern sorgen, aber vor allem in schlecht bezahlten Bereichen wie der Textilproduktion. Karin Gleixner konzentrierte sich auf Bildungsprojekte in San Carlos in Nicaragua, Nürnbergs Partnerstadt seit 1985. Ihrer Meinung nach verstärkt Bildung das Gefühl der Menschen für Selbstbestimmung und damit das Bedürfnis, für die eigenen Rechte einzutreten.

In Workshops konnten sich die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Nachmittag vertieft
mit den Themen beschäftigen. Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Gruppe Tohil aus El
Salvador. Mit Marimba, Gitarre, Cajon und Gesang verarbeiten sie musikalisch das Leben der
Menschen in ihrer Heimat.

Daniela Obermeyer