Kaum zu glauben, aber in der Schweiz des Jahres 1971 gab es tatsächlich noch kein flächendeckendes Wahlrecht für Frauen! – Immerhin wurde am 7. Februar im gleichen Jahr das Wahlrecht für Frauen auf Bundesebene angenommen. Die Mehrzahl der Kantone folgte dieser Entscheidung. Aber in manchen Teilen der Schweiz dauerte es noch Jahre, bis Frauen Wahlrecht bekamen. Das unrühmliche Schlusslicht war der Kanton Appenzell Innerrhoden, der erst 1990 nach einer bundesgerichtlichen Entscheidung sein Wahlrecht modernisierte.

„Die göttliche Ordnung“ von Regisseurin Petra Volpe erzählt die Geschichte der jungen Hausfrau und Mutter Nora, die 1971 mit Mann, zwei Söhnen und biestigem Schwiegervater in einem Dorf in Appenzell lebt. Nora setzt sich für das Frauenwahlrecht ein und stößt damit auf erbitterten Widerstand konservativer Kräfte. Dennoch schafft es die junge Frau, andere Frauen zu mobilisieren. Und bald wendet sich der Protest nicht mehr nur gegen den Ausschluss der Frauen von Wahlen, sondern auch gegen die antiquierte und prüde Sexualmoral. Aber wie eigentlich immer gibt es auch in diesem Fall nichts umsonst: Für Noras Familie und die Dorfgemeinschaft bedeutet der Protest eine Zerreißprobe.

Das Mittwochskino von Mission EineWelt zeigt „Die göttliche Ordnung“ am 28. November 2018 um 19.30 Uhr im Otto-Kuhr-Saal (Hauptstraße 2 in Neuendettelsau). Der Eintritt ist frei.

Mit einem Gottesdienst in der Neuendettelsauer Laurentiuskirche und einem anschließenden Empfang in der Tagungsstätte von Mission EineWelt wurde Gottfried Rösch am 9. November offiziell in sein Amt als Leiter des Referats Mission Interkulturell bei Mission EineWelt eingeführt, das er seit 1. November 2018 innehat. In seiner Predigt betonte der 53-Jährige, „Interkulturelle Kompetenz, interkulturelle Öffnung“ werde angesichts der zukünftigen, absehbar immer rasanteren globalen Entwicklung „ein Schlüssel sein“.

Auch Hanns Hoerschelmann, Direktor von Mission EineWelt, hob hervor, dass angesichts der weltweiten gesellschaftlichen Herausforderungen interkulturelle Theologie und insgesamt die Arbeit von Mission EineWelt „keine Spielweise“ seien, „die man sich leistet“, sondern eine „zentrale Aufgabe unseres Kirche-Seins“. Seine Forderung: „Wir müssen mittendrin, statt nur daneben sein.“

Dieses Mittendrin sei, so Gottfried Rösch, ein Leben zwischen den Stühlen: „Als Christinnen und Christen leben wir dann genau richtig, wenn wir dabei auch zwischen den Stühlen sitzen.“ Besonders die Kenntnis „verschiedener Stuhlkanten“ wirke dabei vermittelnd und verbindend. Austausch und Begegnung, machte der neue Referatsleiter deutlich, seien zentrale Motive des Christseins. Als Zielvorstellung für seine Arbeit im Referat Mission Interkulturell forderte Rösch „Aufklärung endlich für alle Menschen“, und zwar „nicht als Ideologie des Imperialismus, sondern als Lieder der Freiheit“. Das gelte auch im Blick auf Europa: „Es würde mich freuen, wenn unsere kirchlichen globalen Partnerschaften dazu helfen könnten, dass Europa zivilisiert wird.“

Gottfried Rösch hat das Leben in interkulturellen Kontexten quasi in die Wiege gelegt bekommen: Seine Eltern Inge und Hans Rösch waren als Missionarsehepaar in Tansania aktiv. Er selbst hat seine frühe Kindheit in dem ostafrikanischen Land erlebt. Später hat er unter anderem in Aberdeen und London Theologie studiert und zwei Jahre in Edinburgh verbracht. Während seiner Zeit als Gemeindepfarrer im mittelfränkischen Eismannsberg engagierte sich Gottfried Rösch in der Partnerschaftsarbeit des Dekanats Altdorf mit dem tansanischen Dekanat Karatu. Als Gemeindepfarrer in Deggendorf prägte er den interkulturellen Dialog mit dort lebenden AussiedlerInnen aus der ehemaligen Sowjetunion und die Arbeit mit Geflüchteten.

Das noch bis Mai 2019 laufende Jahresthema von Mission EineWelt, „Der Mensch – not for sale“, bildete den inhaltlichen Mittelpunkt der Tagung der Dekanatsmissionsbeauftragten und DekanatsmissionspfarrerInnen von 9. bis 11. November 2018 bei Mission EineWelt. Nach einer allgemeinen Einführung am Freitagabend standen am Samstag „Beispiele aus der weltweiten Kirche“ auf dem Programm.

Valinirina Nomenjanahary, ökumenische Mitarbeiterin bei Mission EineWelt, informierte über die Situation der Hausmädchen in Madagaskar. Junge Frauen im Teenageralter werden dort aus möglichst weit entfernten Dörfern in die großen Städte geholt, wo sie sechs Tage pro Woche von früh morgens bis spät abends mit Haushaltsführung, Kinderbetreuung und Versorgung der Tiere beschäftigt sind. Die Mädchen haben meist keinen Vertrag und sind der Willkür ihrer Arbeitgeber weitestgehend schutzlos ausgeliefert. Sexueller Missbrauch ist nicht selten. Und ob der vereinbarte Lohn tatsächlich bezahlt wird, ist ungewiss.

Die Situation der Beschäftigten in den Textilfabriken und Call Centers in Nicaragua schilderte Sergio Rios Carrillo, ökumenischer Mitarbeiter und Menschenrechtsbeauftragter bei Mission EineWelt. Während die Bezahlung in den Textilfabriken nicht zum Leben reicht, werden die Call Center-Mitarbeitenden vergleichsweise gut bezahlt. Die Arbeitsbedingungen sind jedoch in beiden Situationen unmenschlich und von Rechtlosigkeit der Angestellten geprägt. Dazu kommt noch ein gravierendes Grundproblem: „Die Unterentwicklungssituation wird von international agierenden Unternehmen ausgenutzt, um maximalen Profit zu erzielen. Für die Entwicklung der Binnenwirtschaft Nicaraguas bringen solche Investitionen nichts“, bilanzierte Sergio Rios Carillo.

Demgegenüber wirkt die Situation von Menschen, die in Deutschland im Niedriglohnsektor beschäftigt sind oder von Hartz IV leben müssen, nur auf den ersten Blick komfortabel. Christoph von Seggern; Leiter der Regionalstelle Nord von Mission EineWelt schilderte, dass in einem Land, in dem gesellschaftliche Teilhabe derart an finanziellen Wohlstand gekoppelt ist wie in Deutschland, solche Lebensbedingungen unzumutbar sind.

Eine mögliche Lösung für diese und ähnliche Probleme könnte ein UN-Menschenrechtsabkommen sein, dass derzeit von über 100 Staaten verhandelt wird. Vorgesehen ist die Schaffung eines rechtsverbindlichen, in allen Ländern gesetzlich verankerten Katalogs von Menschen- und Arbeitsrechten, die Vorrang vor Investitionsschutz haben. Leider blockiert Deutschland die Verhandlungen und verhindert damit auch eine Positionierung der EU. Die Treaty Alliance, ein weltweites Bündnis von zivilgesellschaftlichen Gruppen, setzt sich dafür ein, dass das Abkommen zustande kommt und dass die Verhandlungen von den nördlichen Industriestaaten aktiv und konstruktiv unterstützt werden. Mission EineWelt ist Mitglied der Treaty Alliance Deutschland: https://www.cora-netz.de/treaty/

Friedensweg - ENTRÜSTET EUCH!

1. Station (ca. 16 Uhr): bei den Kreuzwegplatten auf der Nordseite der Lorenzkirche in Nürnberg
Thema: Krieg und Ökonomie

2. Station: Moritzkapelle auf dem Sebalder Platz,
Thema: Krieg und Zerstörung

3. Station: Haus zum geharnischten Mann am Tiergärtnertorplatz,
Thema: Krieg und Sicherheits(bedürfnis)

4. Station und Abschluss (ca. 17:30 Uhr): St. Egidien, Wolfgangskapelle
Thema: St. Martin, der ent-rüstete Mensch

Bitte Laternen oder Lichter mitbringen!

Von 20. November bis 19. Dezember wird in den Ausstellungsräumen von Mission EineWelt die Ausstellung „Make Chocolate fair!“ gezeigt, die Einblick in die Produktion von Schokolade gibt. Die Ausstellung ist Teil einer gleichnamigen europäischen Kampagne, die auf die Missstände in der Kakaoproduktion hinweist und für eine angemessene Bezahlung der Kakaobäuerinnen und –bauern eintritt. Für Schulklassen bietet Mission EineWelt spezielle Führungen mit Begleitprogramm an.

Durchschnittlich 100 Tafeln Schokolade isst jeder Mensch in Deutschland pro Jahr. Für die wenigen Konzerne, die einen Großteil der auf dem Markt befindlichen Schokolade anbieten, ist das ein lukratives Geschäft. Die etwa fünfeinhalb Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die in mühevoller Handarbeit Kakao anbauen, werden mit Summen abgespeist, die kaum das Überleben sichern.

Die Ausstellung zur Kampagne „Make Chocolate fair!“ informiert über die Produktionsbedingungen von Schokolade und zeigt Wege auf, wie auch VerbraucherInnen dazu beitragen können, dass die Dominanz der Konzerne auf dem Schokoladenmarkt durchbrochen wird und die meist in Westafrika beheimateten KakaoproduzentInnen fair bezahlt werden.

 

Weitere Informationen:

Dauerausstellung einBlick

09874 9-1530

ausstellung@mission-einewelt.de

https://mission-einewelt.de/besondere-einrichtungen/dauerausstellung-einblick/

 

Foto: INKOTA

Am 4. November 2018 wurde Pfarrer Yusuph Mbago, ökumenischer Mitarbeiter von Mission EineWelt, mit einem festlichen und richtig fröhlichen Gottesdienst in seiner künftigen Gemeinde in Oberhaching eingeführt. Gleich zwei Chöre sorgten für eine schöne Stimmung und trugen dazu bei, dass der Gottesdienst trotz einer guten tansanischen Länge von über zwei Stunden wie im Flug verging. Es war zu spüren, dass sich die Gemeindeglieder und die vielen VertreterInnen der Tansania-Partnerschaften auf Yusuph Mbago und seine Familie, Ehefrau Tupulike Mahenge und die beiden Töchter Agape und Rebeka, freuen. Von jeder Partnerschaftsgruppe wurden ihnen Willkommensgeschenke und Grüße überbracht, oft sogar auf Kiswahili – ein Zeichen dafür, wie fest verankert die Partnerschaften im Dekanat München sind. Das Oberhachinger Pfarrersehepaar Irene Geiger-Schaller und Karsten Schaller begrüßten die neuen Gemeindeglieder im Namen der Gemeinde und hoben hervor, wie deren Anwesenheit die langjährige Partnerschaft mit der Gemeinde Ikwete in Tansania gestärkt und bestätigt wird. „Seit über 30 Jahren besteht diese Partnerschaft und jetzt bekommen wir einen Pfarrer, der genau aus dieser Gegend kommt – das ist fast wie ein Wunder“, betonte Karsten Schaller.

Da Yusuph Mbago in den kommenden vier Jahren zu je einer Hälfte in der Gemeinde Oberhaching und überregional für Mission EineWelt, dem Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission, in ganz Bayern tätig sein wird, wurde er entsprechend auch vom Dekan des Prodekanats München-Südost, Mathis Steinbauer, und dem Direktor von Mission EineWelt, Hanns Hoerschelmann, eingeführt.

In seiner Antrittspredigt über Römer 13, 1-7 sprach Yusuph Mbago ganz im Sinne Martin Luthers darüber, dass der Staat dafür eingesetzt sei, die öffentliche Ordnung zu garantieren. Nehme der Staat seine Aufgabe jedoch nicht so wahr, dass er seinen BürgerInnen ordentlich diene, dann hätten die ChristInnen das Recht, die VertreterInnen des Staates zu ermahnen und sie an ihre Pflichten zu erinnern, und daran, ihre Arbeit als DienerInnen Gottes zu tun.

Genau das haben kirchliche Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania in diesem Jahr gemacht und die tansanische Regierung im sogenannten „Osterbrief“ an ihre Pflicht zu gutem Regieren erinnert.

Manfred Kurth

Seit 25 Jahren gibt es sie: die Straße der Menschenrechte in Nürnberg. Zur Feier dieses Jubiläums hängen bis 1. November im Stadtgebiet der Frankenmetropole 25 Großplakate, die sich mit dem Jubiläum und/oder dem Thema „Menschenrechte“ beschäftigen.

Mission EineWelt gratuliert mit einem Plakat im Design ihres aktuellen Jahresthemas: „Der Mensch – Not for Sale“. Für die weltweite Arbeit des Partnerschaftszentrums der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sind die Menschenrechte eine zentrale Grundlage, deren Einhaltung leider immer wieder vehement eingefordert werden muss. Mission EineWelt gratuliert  der Stadt Nürnberg, dass sie den Menschenrechten in Veranstaltungen verschiedenster Formate Raum gibt und dies seit 25 Jahren mit der Straße der Menschenrechte auch dauerhaft tut.

Foto:Tobias Mathies, LWB Genf

Foto:Tobias Mathies, LWB Genf

Am vergangenen Wochenende hat die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) erstmals eine Frau an ihre Spitze gewählt: Pfarrerin Sílvia Beatrice Genz übernimmt ab Januar die Kirchenleitung in der IECLB. Seit 2010 war sie bereits für zwei Dienstperioden als stellvertretende Kirchenpräsidentin tätig.

Genz setzt auf integrative Teamarbeit. In ihrer Predigt im Abschlussgottesdienst des Konzils betonte sie die Rolle der Gemeinden in der Kirche: Es sei „sehr wichtig“, darüber nachzudenken, „wo und wie die Gemeinden die Mitwirkung einer möglichst großen Zahl von Personen in der Planung bestehender Aktivitäten wie auch der neuen missionarischen Herausforderungen anregen können.“

Neben der Kirchenpräsidentin wurden auch der erste stellvertretende Präsident, Pastor Odair Braun, und der zweite stellvertretende Präsident, P. Dr. Mauro Souza, in ihr Amt für die nächsten vier Jahre eingesetzt.

Vor ihrer Wahl in die Kirchenleitung arbeitete Sílvia Beatrice Genz 28 Jahre als Pfarrerin in verschiedenen Gemeinden. Vorher hatte die heute 61-Jährige von 1976 bis 1983 am Instituto Pré-Teológico, São Leopoldo sowie an deren Nachfolgeinstitut, der Theologischen Fakultät EST, São Leopoldo Theoplogie studiert.

Als Gemeindepfarrerin legte Genz großen Wert auf die Förderung und Stärkung des Gemeindelebens durch Fortbildung von Mitarbeitenden und Leitungspersonen.

Das 31. Kirchenkonzil der IECLB tagte von 17. bis 21. Oktober in der Christerlöserkirche in Curitiba/PR. Das Konzil ist das höchste Organ der IECLB. Es wird alle zwei Jahre in einer der Kirchengemeinden abgehalten. An den Sitzungen nehmen jeweils etwa 200 Personen teil: Delegierte aus Partnerkirchen und Einrichtungen weltweit sowie der Ökumene, Delegierte aus den 18 Synoden und weitere Mitarbeitende der IECLB.

Mission EineWelt gratuliert der neu gewählten Kirchenleitung und wünscht ihr segensreiches Wirken im Dienst der Menschen.

Renate Hauerstein

Noch bis 19. Oktober läuft in Genf die vierte Verhandlungsrunde über das so genannte UN Binding Treaty, ein internationales Abkommen, das Unternehmen rechtsverbindlich verpflichten soll, einen Katalog von Menschen- und Arbeitsrechtsnormen einzuhalten. Über 100 Staaten beteiligen sich inzwischen an den Verhandlungen, doch die Bundesregierung sieht tatenlos zu. Im Vorfeld hat sie – unter anderem gegen Frankreich – durchgesetzt, dass auch die EU sich nicht aktiv an den Gesprächen in Genf beteiligt. „Wenn sie allen Menschen statt einem immer exklusiver werdenden kleinen Kreis dienen soll, braucht die globale Ökonomie nichts so dringend wie eine Resozialisierung“, sagt Hanns Hoerschelmann, Direktor von Mission EineWelt. „Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, sich endlich aktiv und vor allem konstruktiv in die Verhandlungen einzubringen.“ Mission EineWelt ist Mitglied der Treaty Alliance Deutschland, die sich für die Realisierung des Abkommens einsetzt.

Es ist eine vielleicht einmalige Chance. Seit Juni 2014 verhandelt auf Beschluss des UNO-Menschenrechtsrats eine immer größere Gruppe von Staaten unter der Leitung Ecuadors und Südafrikas ein internationales Abkommen, das Menschen- und Arbeitsrechtsstandards festschreibt und Unternehmen verpflichtet, diese einzuhalten. Die erste Sammlung von Bausteinen sah unter anderem explizit den Vorrang von Menschen- und Arbeitsrechten vor Handels- und Investitionsabkommen sowie die Einführung eines Unternehmensstrafrechts vor. Dadurch bekämen Menschen die Möglichkeit, gegen Unternehmen zu klagen, die sich nicht an die im Abkommen vereinbarten Standards halten. Zusätzlich war ursprünglich die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs vorgesehen, der auch Menschen aus Ländern, die nicht dem Abkommen beitreten, eine Klagemöglichkeit eröffnen würde.

Käme ein solches Abkommen zustande, hätten vor allem internationale Konzerne wesentlich weniger Möglichkeiten, Menschen- und Arbeitsrechtsstandards ebenso wie Verpflichtungen zum Schutz der Umwelt nach Belieben zu umgehen. „Der Standortwettbewerb nach dem Motto ‚maximaler Profit durch maximale Ausbeutung‘ hätte ein Ende, wenn international verbindliche Standards für Menschen- und Arbeitsrechte etabliert wären. Gerade in den Ländern des globalen Südens würde das die Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bevölkerung deutlich erhöhen“, ist Hoerschelmann überzeugt.

Leider hat die Einflussnahme nördlicher Industriestaaten inzwischen dazu geführt, dass im vorliegenden Zero Draft einige Eckpunkte schon wieder aufgeweicht wurden. So ist jetzt plötzlich die Rede von alternativen Sanktionsmöglichkeiten statt von der Einführung eines Unternehmensstrafrechts. Vom ursprünglich vorgesehenen internationalen Gerichtshof für Menschen- und Arbeitsrechte ist im augenblicklichen Vertragsentwurf nichts mehr zu finden. Und auch der ehemals explizit festgeschriebene Vorrang von Menschenrechten vor Handels- und Investitionsrechten findet sich nicht mehr im aktuellen Text.

Die Treaty Alliance Deutschland, ein Zusammenschluss verschiedener Nichtregierungsorganisationen, unter ihnen Brot für die Welt, Misereor, Christliche Initiative Romero und Mission EineWelt, fordert deshalb die Bundesregierung auf, ihre Blockadepolitik aufzugeben und sich dafür einzusetzen, dass wichtige Eckpunkte wie der Vorrang von Menschen- und Arbeitsrechten vor Handelsrechten sowie die Einführung eines Unternehmensstrafrechts und eines internationalen Gerichtshofs für Menschenrechte wieder in den Vertragstext aufgenommen werden.

Mission EineWelt versteht ihr Engagement für das Binding Treaty im Kontext der Initiative „Waking the Giant“ des Lutherischen Weltbundes mit dem Ziel, dass Kirchen weltweit verstärkt an der Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mitwirken. „Waking The Giant“ wird in globalen und lokalen ökumenischen Strukturen umgesetzt.

Weitere Informationen: https://www.cora-netz.de/die-treaty-alliance-deutschland/

„Arbeitsrechte in der Spielzeug-Lieferkette“ waren das Thema einer vom Nürnberger Bündnis Fair Toys veranstalteten Tagung am 16. Oktober 2018 im Nürnberger Rathaus. GewerkschafterInnen und verschiedene Nichtregierungsorganisationen diskutierten mit VertreterInnen der Spielzeugindustrie über die immer noch weit verbreiteten Verletzungen von Arbeitsrechten in Produktionsbetrieben der Branche. Ziel der Tagung war, Möglichkeiten abzustecken, wie diese Missstände konsequent und nachhaltig beseitigt werden können.

Jürgen Bergmann von Mission EineWelt, Mitbegründer des Nürnberger Fair Toys-Bündnisses, fasste die Anliegen der Zivilgesellschaft so zusammen: „Aus VerbraucherInnensicht wäre ein vertrauenswürdiges Siegel hilfreich, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Spielzeugproduktion garantiert – egal ob in Asien, Europa oder sonstwo hergestellt wird. Die bisherigen Zertifizierungen wie  ICTI-Care oder BSCI weisen erhebliche Mängel auf. Was wir brauchen, ist ein Multistakeholderansatz, bei dem Industrie und Handel, Gewerkschaften und NGOs paritätisch vertreten sind. Vorbild könnte die Fair Wear Foundation aus dem Bekleidungsbereich sein. Dort sind inzwischen über 80 Bekleidungsunternehmen Mitglied und arbeiten gemeinsam an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben.“

Ähnlich könnte es nun auch in der Spielzeugindustrie laufen. Erstes Ergebnis der Tagung in Nürnberg ist eine Vereinbarung mit einigen Vorreiter-Betrieben, einen Multistakeholderprozess ähnlich dem in der Textilindustrie anzustoßen. Alle TeilnehmerInnen waren sich zudem einig, dass verbindliche Sozialstandards entlang der Lieferketten auch für Unternehmen hilfreich wären. Die UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte sehen die Entwicklung solcher Sozialstandards vor. In Deutschland erfolgt die Umsetzung im Rahmen des so genannten Nationalen Aktionsplans (NAP), dessen Umsetzung nicht gesetzlich verpflichtend ist, sondern auf freiwilliger Basis erfolgen soll. Hier forderten die TeilnehmerInnen von der Bundesregierung mehr Verbindlichkeit, damit ernsthaft bemühte Unternehmen keinen Wettbewerbsnachteil haben.