Emmanuel Kileo nun Doktor der Theologie

Tansanischer Pfarrer promovierte in deutscher Sprache

Der tansanische Pfarrer Emmanuel Kileo, der noch bis Ende August dieses Jahres als Gemeindepfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren arbeitet, ist nun Doktor der Theologie. Für seine Arbeit zum Thema „Weißsein als ideologisches Konstrukt in kirchlichen Süd-Nord-Partnerschaften: Studien zu Mission, Ökumene und aktuellen Partnerschaften der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)“ wurde dem 39-jährigen Theologen am vergangenen Freitag an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau die Doktorwürde verliehen. Weiterlesen

Nachruf auf den ehemaligen Bischof der Lutherischen Kirche in Malaysia und Singapur

Gideon Chang wurde 1937 in China geboren. Als er 10 Jahre alt war, floh er mit seiner Mutter und den Geschwistern nach Singapur in das seinerzeit noch von England verwaltete Gebiet. Weil die chinesischen Flüchtlinge verdächtigt wurden, die kommunistischen Rebellen im Norden Malaysias zu unterstützen, wurden sie in umzäunten Lagern, den so genannten „New Villages“, untergebracht. Weiterlesen

Themenschwerpunkt 2014 bei Mission EineWelt

Migration ist ein weltweites Phänomen, das 232 Millionen Menschen oder 3,2 Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Nach Daten der UNO-Bevölkerungsabteilung von 2013 haben die Migrantenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2000 waren es weltweit 175 Millionen, zehn Jahre zuvor noch 154 Millionen. Dazu kommen viele Millionen Flüchtlinge, die in vielen Ländern Zuflucht suchen.

Migranten und Asylbewerber sind Teile unserer Gesellschaft. Viele kommen nach Deutschland, um bessere Lebensbedienungen zu finden. Krieg, Armut und Leid sind einige der Ursachen, weshalb sie ihre Heimatländer verlassen. Diese Fluchtgründe sind teilweise Folgen der europäischen Außen-, Handels- und Agrarpolitik, die  zu entwicklungsschädlichen Folgen in den Herkunftsländern beitragen.

Migranten und Flüchtlinge dürfen nicht einseitig negativ gesehen werden. Viele sind sehr kompetent, das aber macht es nicht einfacher, sich in Europa einzuleben. In ihren Heimatländern gehören sie zum Kreis der Akademiker, hier arbeiten sie teilweise als ungelernte Kräfte, um einen sozialen  Einstieg zu haben oder ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Der bayerische Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm sagte dazu in einem Vortrag  beim Empfang für die Bayerischen Bundestagsabgeordneten in Berlin am 15. Januar 2014: „Möglicherweise ist das größte Problem beim Umgang mit Migration nicht die Migration selbst, sondern die Tatsache, dass wir sie einseitig nur als Problem sehen. […] Migration ist nicht zuallererst Bedrohung, z.B. unserer sozialen Stabilität, sondern Chance und Bereicherung – nicht nur für aktuelle Probleme des Arbeitsmarktes, sondern auch für die dynamische Weiterentwicklung unserer Kultur[…]“

Schwieriger ist die Situation für Asylbewerber, während  sie ein strenges und langes Asylverfahren durchlaufen und mit wenig Geld auskommen müssen. Arbeiten, Deutsch lernen und studieren ist während dieser Zeit nicht erlaubt. Die Unterkunftssituation in den Asylbewerberheimen ist häufig mangelhaft. In manchen Bundesländern gilt für Asylsuchende die Residenzpflicht, was bedeutet, dass sie ihren Wohnsitz nur nach vorheriger Genehmigung verlassen dürfen.

Im Alltag werden die Einwanderer häufig mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Aus diesem Grund fordert Mission EineWelt eine Asyl- und Migrationspolitik, die sich an  den Menschenrechten ausrichtet. Weiterhin ruft das Partnerschaftszentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Gemeinden und verschiedene Initiativen auf, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und Solidarität mit Asylsuchenden in ihrer Nähe zu zeigen.

Zu diesem Thema und zu den Forderungen an die Politik stehen Mitarbeitende von Mission EineWelt zu Vorträgen zur Verfügung. Außerdem bietet das Zentrum Infomaterial im Rahmen seiner Landkampagne an.

Für 2014 sind zu diesem Schwerpunktthema folgende Veranstaltungen geplant:

1. Andacht und Ausstellung zum Internationalen Tag der Flüchtlinge, 20. Juni 2014

2. Nachmittagsgottesdienst mit Migrantengemeinden, 21. Juni 2014

3. Fest der weltweiten Kirche, 20. Juli 2014 (Neuendettelsau)

4. Podiumsdiskussion in Nürnberg (Termin wird noch bekannt gegeben)

5. STUBE-Tagung zum Thema Migration 2014 (Termin wird noch bekannt gegeben)

6. Vorbereitungsseminare für Freiwillige, 30.06. und 05.07.2014

7. Straßenaktion zum Internationalen Tag der Menschenrechte, 10.Dezember 2014

Erfahrungsbericht zu den Münchner Missionstagen

Schon seit einigen Jahren treffen sich am letzten Januarwochenende die in der Partnerschaft mit Tansania Engagierten aus dem Dekanatsbezirk München, um gemeinsam über ihr Engagement nachzudenken. Rund 70 Teilnehmer trafen sich dazu im Januar 2014 wieder zu Füßen des Petersbergs nahe Dachau mit seiner romanischen Basilika. Entweder stehen entwicklungspolitische oder kulturelle Themen, die von außen auf die Partnerschaftsarbeit einwirken, im Vordergrund dieser Treffen, oder es geht um die eigenen Motive, Ziele und Erwartungen – so auch in diesem Jahr.

Das Tagungsmotto „Selig seid ihr, wenn ihr wisst, was ihr tut“, ein Ausspruch Jesu aus einem Zusatz nach Lukas 6,5 (der sich in unseren Bibeln allenfalls als Fußnote findet), zielt ja auf die Motivation unseres Tuns, gerade auch angesichts mancher nicht erreichten Ziele und enttäuschten Erwartungen. Und so sollte an zwei Beispielen in gemeinsamer Arbeit zusammen mit den erfahrenen Moderatoren Dr. Claudia Jahnel und Rainer Häberlein den Motiven, Zielen und Erwartungen auf den Grund gegangen werden.

Zum einen dienten dazu zwei Runden nach Art einer Supervision mit jeweils zehn Teilnehmern in der Runde und gut zwanzig Zuschauern rundherum, so dass die aktiven Gesprächsteilnehmer begrenzt waren.  Dabei waren konkrete Erfahrungen der Ausgangspunkt, die auf die Partnerschaftsarbeit leicht entmutigend wirken können wie die unabgesprochen andere Verwendung von Geldern oder das Einschlafen der Kommunikation. Wohlfeile Lösungsversuche seitens der Gesprächsteilnehmer wurden von den Moderatoren abgewehrt. Es sollte vielmehr Raum sein, das ganze Umfeld der beiden diskutierten Fälle auszuloten. Unerwartetes kam so ans Tageslicht, unter anderem die manchmal unglückliche Stellung der Partnerschaftsbeauftragten in ihrer Kirchengemeinde, die sich manchmal in einer Situation wiederfinden, in der sie auftretende Schwierigkeiten erklären oder rechtfertigen sollen.

Zum anderen wurden die Themen in Zweiergesprächen anhand von Fragen vertieft: Mit welchen Fragen und Anliegen gehen wir an die Arbeit? Welches ist der strukturelle Hintergrund? An welche Schlüsselsituationen erinnern wir uns? Was entdecken wir dabei in uns?

Bei all diesen Fragen fielen die gewaltigen kulturellen Unterschiede zwischen Ostafrika und Mitteleuropa stark ins Gewicht, die die Partnerschaftsengagierten, die Tansania meist nur aus Besuchen von zwei oder drei Wochen Dauer kennen, nur ahnen können. Da waren die am ersten Abend verlesenen Auszüge aus den Rundbriefen von Pfarrerin Gabriele Mayer aus ihrer Arbeit in der Konde-Diözese aufbauend und ermutigend, weil sie darin über ihren Kulturschock ebenso berichtet wie über ihre Wege eines kreativen Umgangs damit.

In seiner Predigt beim Feierabendmahl ließ Pfarrer Emanuel Kileo das Tagungsmotto erneut anklingen, diesmal aber in der umgekehrten Form, wie sie in der Geschichte der Fußwaschung steht: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.“ (Joh. 13,16–17)  Zusammen können diese beiden Worte Motiv für unsere Arbeit sein.

Genitalverstümmelung in Ostafrika

Auch im Jahr 2014 ist das Thema Genitalverstümmelung ein Thema in den evangelisch-lutherischen Kirchen in Ostafrika. In der lutherischen Kirche in Tansania wird dieses Thema bei Frauenorganisationen und Frauengruppen diskutiert. Dabei ist es wichtig zu sehen, welche gesundheitlichen Folgen die Genitalverstümmelung für Mädchen und Frauen hat.

Tansania hat die Konvention zur Beseitigung jeder Form der Frauendiskriminierung ratifiziert. Ebenso das Protokoll der Menschenrechts-Kommission über die Rechte der Frauen in Afrika. Tansania hat Gesetze, die die Genitalverstümmelung verbieten. Das Land Tansania beging im letzten Jahr den Tag der „Null-Toleranz gegenüber genitaler Verstümmelung“. Dieser Tag wurde in ganz Afrika eingeführt.

Das tansanische Netzwerk für Geschlechtergerechtigkeit führt ein Aufklärungsprogramm durch. Neben allgemeiner Aufklärung ist es wichtig, den Beschneiderinnen alternative Jobs und Verdienstmöglichkeiten zu erschließen. In der Tanga-Region ist es gelungen, Frauen zur Aufgabe ihrer Praktiken zu bewegen.

Ein Bericht der UNICEF stellt fest, dass in Tansania 7, 9 Millionen Frauen und Mädchen „beschnitten“ sind. D.h. 14, 6 % der weiblichen Bevölkerung. Ein Rückgang wurde in fünf Regionen beobachtet, eine Zunahme wurde in 4 Regionen beobachtet. Besonders in der Region Singida wurde eine Zunahme beobachtet, 51 % der Frauen und Mädchen sind heute in dieser Region betroffen. Die Abgeordnete E. Matiko beklagte mangelndes Engagement von Seiten der Regierung und der Behörden in der Frage um die Genitalverstümmelung.

Folgen der Genitalverstümmelung sind chronische Infektionen und anhaltende Schmerzen.

Für Frauen, die beschnitten sind, treten bei Geburten wesentlich häufiger Probleme auf, als bei Frauen, die nicht beschnitten sind. Die Riten der Beschneidung variieren in den Ländern Ostafrikas stark. In manchen Gegenden kennen die Frauen die Beschneidung nicht, in anderen Gegenden ist sie noch stark verbreitet.

Wichtig ist es, dass die Frauen unabhängig von der Stammeszugehörigkeit erkennen, welche negativen Folgen die Genitalverstümmelung hat und dass das Wohl und die Gesundheit der Mädchen und Frauen mehr in den Blick kommen.

Mission EineWelt unterstützt Programme der Prävention und der Aufklärung  über die Hintergründe und Folgen der Mädchen- und Frauenbeschneidung in der Morogoro–Diözese.

Programme des Radios „Stimme des Evangeliums“ der evangelisch–lutherischen Kirche in Tansania senden Beiträge über das Thema Genitalverstümmelung. Auch diese Programme werden von Mission EineWelt finanziell unterstützt.

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Spenden Sie für die Programme in der Morogoro–Diözese.
Spendenstichwort: Die Würde der Frauen schützen

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Symposium beleuchtet Beziehung zwischen lutherischen Kirchen in Bayern und Brasilien

„A Caminho. Gemeinsam auf dem Weg“ war das Motto der Konferenz am vergangenen Wochenende in Neuendettelsau, zu der Mission EineWelt und der Martin-Luther-Verein in Bayern e.V. eingeladen hatten. Rund 120 Brasilien-Interessierte setzten sich mit der Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) auseinander.

Eigens vom Zuckerhut angereist war der Kirchenpräsident der IECLB, Pfarrer Nestor Friedrich. Er schilderte, welche Themen seine Kirche aktuell beschäftigen. Die IECLB hat ungefähr 700.000 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von über 200 Millionen. Es sei deshalb besonders wichtig, dass man den weit verstreuten Gemeinden das Gefühl gibt, Teil einer großen, nationalen Kirche zu sein. Ein Werkzeug dafür ist das Ausrufen eines Jahresthemas, an dem Gemeinden und die Kirchenführung zusammen arbeiten und so ihre gemeinsame Identität stärken. „Bei den vielfältigen Herausforderungen hilft uns oft der Blick von Außenstehenden, von den Partnerkirchen“, so Nestor Friedrich. Als Beispiele nannte er die langfristige Planung des Gemeindeaufbaus oder das Engagement im Amazonasgebiet. „Partnerschaft bezweckt einen Lernprozess“, fasste er zusammen.

Dass dieses Lernen auf Gegenseitigkeit beruht, betonte Oberkirchenrat Michael Martin, Leiter der Abteilung „Ökumene und kirchliches Leben“ der ELKB. Seit 1980 unterhält die bayerische Landeskirche offizielle Beziehungen zur IECLB. Globale Herausforderungen beträfen die Kirche in Bayern genauso wie in Brasilien, erklärte der Oberkirchenrat, etwa der Klimawandel oder die Kluft zwischen Arm und Reich. Der Austausch von Pfarrern ist für Michael Martin das ideale Instrument, um voneinander zu lernen. Deswegen müsse mehr Geld für den Ausbau bereitgestellt werden. Außerdem sei es wichtig, Partnerschaften, die auf rein persönlichen Kontakten beruhen, auf ein dauerhaftes Fundament zu stellen. „Ich rufe ausdrücklich zu festen Vereinbarungen und verbindlichen Erklärungen auf“, so der Oberkirchenrat.

Anlass für das Symposium war der 150. Geburtstag von Otto Kuhr (1864-1938). Der Pfarrer wurde 1897 vom „Lutherischen Gotteskasten in Bayern“ – dem Vorläufer des heutigen Martin-Luther-Vereins – von Rothenburg ob der Tauber aus nach Brasilien entsandt. Ihm folgten bis heute 140 weitere Pfarrer. „Der Gotteskasten hat maßgeblich zur Entstehung der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien beigetragen“, erklärte der Vorsitzende des Vereins, Pfarrer Wolfgang Hagemann.

Der abschließende festliche Empfang am Samstagabend – ausgerichtet von der ELKB – stand ganz im Zeichen der deutsch-brasilianischen Freundschaft. Zahlreiche Gäste aus den Partnerschaftsgruppen und offizielle Vertreter der Landeskirche, der Evangelischen Kirche Deutschlands, aus Politik und dem Hochschulbereich amüsierten sich bei Musik und Gesang und genossen eine bayerische Adaption des brasilianischen Nationalgerichts Churrasco.

Christian Pohl verabschiedet sich von der Regionalstelle Nord von Mission EineWelt in Bayreuth

Von Weiden bis Aschaffenburg, von Altdorf bis Ludwigsstadt – Tausende von Quadratkilometern umfasste das Einsatzgebiet von Pfarrer Christian Pohl (51). Als Mitarbeiter von Mission EineWelt, dem Partnerschaftszentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, hat er von Bayreuth aus die Dekanate in Nordbayern in Sachen weltweite kirchliche Partnerschaft betreut. Nun scheidet er nach rund 15 Jahren aus der Regionalstelle Nord aus. Mit einem Festgottesdienst in der Bayreuther Lutherkirche und anschließendem Empfang wurde er für sein Engagement geehrt. „Die nordbayerischen Gemeinden haben steigendes Interesse am Austausch und an Partnerschaften mit christlichen Kirchen in Übersee“, lautete ein Fazit seiner Tätigkeit.

Die Regionalstelle Nord gehört als Außenposten zum Referat „Partnerschaft und Gemeinde“ bei Mission EineWelt. Diese Abteilung koordiniert die Beziehungen zwischen über 70 bayerischen Dekanaten nach Afrika, Asien, Lateinamerika und in den Pazifikraum. 29 Dekanate hat Christian Pohl betreut. Als „unser Sprachrohr nach Ober-, Unter-, Mittelfranken und der Oberpfalz“ bezeichnete ihn der Direktor von Mission EineWelt, Peter Weigand. „Seine Arbeit hat uns immer wieder geerdet und gezeigt, wie Partnerschaftsarbeit außerhalb des Neuendettelsauer Zentrums läuft“, betonte er die Relevanz der Regionalstelle. Christian Pohl unterstützte die Partnerschaftskreise in seiner Region auf vielfältige Weise: Er betreute Gäste aus dem Ausland – immer auch mit der Unterstützung seiner Familie -, koordinierte Reisen in die Partnerkirche vor Ort und war Ansprechpartner für alle Fragen rund um „Partnerschaft, Entwicklung und Mission“.

Im Herbst 1999 hat Christian Pohl die Regionalstelle Nord übernommen. Davor hatte der gebürtige Katzwanger die Partnerschaftsarbeit von der anderen Seite her kennengelernt: Nach dem Theologiestudium in Erlangen und Heidelberg und dem Vikariat in Weißenbrunn bei Kronach reiste er 1994 nach Tansania. Dort war er bis 1998 in Tanga im Auftrag von Mission EineWelt als Schülerpfarrer tätig. Nun legt der 51-jährige ein Sabbatjahr ein und widmet sich seiner Dissertation. Was danach kommt, steht noch nicht fest, auch wenn ihm eines klar ist: „Ich möchte weiter in und mit der weltweiten Kirche arbeiten, ob in Deutschland oder Übersee!“ Denn für ihn war und ist der Austausch mit den Partnerkirchen eine große Bereicherung, von der letztendlich die gesamte Landeskirche profitiert. „Wir erkennen, was uns als Christen weltweit verbindet und dass wir eine gemeinsame Verantwortung haben“, so der Pfarrer.

Beate Troeger am vergangenen Sonntag ertrunken

Bei einem tragischen Unfall ist am vergangenen Sonntag Beate Troeger, Ehefrau von Diakon Matthias Troeger, in Papua-Neuguinea ums Leben gekommen. Mission EineWelt, in dessen Auftrag das Ehepaar in Papua-Neuguinea war, nahm die Nachricht mit Erschütterung zur Kenntnis. Nach ersten Informationen des Partnerschaftszentrums der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern stürzte die 55-Jährige bei einem Jugendcamp in Kerowagi, im Hochland des Inselstaates, in den Fluss und ertrank.

Die in Falkenstein geborene Beate Troeger, bis zu ihrer Aussendung als Zahnärztin tätig, war seit Oktober 2010 mit ihrem Mann Matthias im Südpazifik, wo er als Jugendleiter im Bereich der städtischen Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea tätig war. Tobias Troeger, einziger Sohn des Ehepaars, schrieb in einer Mitteilung aus Leipzig an Mission EineWelt, er habe seine Eltern selten so glücklich gesehen, wie in den letzten Jahren in Papua-Neuguinea.

Beate Troeger soll nun möglichst schnell nach Deutschland überführt werden, wo sie ihre letzte Ruhe finden soll.

Die Beerdigung findet am Samstag, 8.2.2014, um 14 Uhr, in Oberschöna statt.

Zum Thema Sozial- und Umweltstandards in der Spielzeugindustrie kamen Bundestagspolitiker zu einer Diskussionsrunde im Caritas-Pirckheimer-Haus zusammen. Im Vorfeld der internationalen Spielwarenmesse begrüßte Dr. Jürgen Bergmann (Mission EineWelt) im Namen des Nürnberger Bündnisses Fair Toys die Politikerrunde.

„Ich schäme mich für diese Messe vor den Spielwarenproduzenten in Schwellen- und Entwicklungsländern!“ Mit dieser provokanten Aussage holte Moderator Prof. Dr. Harald Bolsinger (Hochschule für angewandte Wissenschaften, Würzburg-Schweinfurt) die Gäste in die Diskussion. Er spielte darauf an, dass bei der Vergabe des Toy-Awards 2014 durch die Spielwarenmesse soziale und ökologische Kriterien bei der Herstellung des Spielzeugs keine Rolle spielen.

Gegen eine derartige Verurteilung der Messe sprach sich MdB Michael Frieser (CSU) aus. Er verwies darauf, dass der mündige Konsument beim Kauf zwischen fairem und unfairem Spielzeug selbst entscheiden könne. Für eine klare Regulierung durch internationale Rechtsnormen mit der Möglichkeit zur Klageführung Betroffener sprach sich dagegen MdB Harald Weinberg (Linke) aus. Nur so käme es zu relevanten Verbesserungen bei den Menschen in den Produktionsstätten.

In der Diskussion wurden Vergleiche gezogen mit Menschenrechtsverletzungen in anderen Branchen wie Fisch- oder Textilindustrie. Ganz dezidiert sprach sich MdB Uwe Kekeritz (Grüne) gegen die Idee aus dem Publikum aus, ein Nürnberger Fair Toys-Siegel zu schaffen. Die große Zahl der Siegel in Deutschland stifte bereits jetzt Verwirrung, so Kekeritz. Außerdem war ihm wichtig, in Analogie zur Textilindustrie herauszustellen, dass der Endverbraucher mit seiner Kaufentscheidung das schwächste Glied in der Kette sei, Dinge zu verändern. An erster Stelle stehe die Politik in den Produktionsländern, dann der Einkäufer, an dritter Stelle die deutsche Politik und dann erst der Endverbraucher.

Ebenfalls skeptisch gegenüber einem Nürnberger Fair Toys-Siegel war MdB Gabriela Heinrich (SPD): Zwar sei es gegenwärtig nicht möglich, die Produktionsbedingungen von Spielzeug beim Einkaufen zu erfahren, einen Zertifizierungsprozess könne allerdings auch die Stadt Nürnberg nicht stemmen.

Das Publikum setzte weitere Impulse. Nürnberg solle als Stadt der Spielwarenmesse mit seiner chinesischen Partnerstadt und wichtigem Produktionsstandort Shenzhen konstruktive Gespräche zu Fragen verbindlicher Sozial- und Umweltstandards führen und so gute Beispiele öffentlich machen. Alle Diskutanten waren sich einig, dass ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft erforderlich ist, um Sozial- und Umweltverantwortung entlang der Lieferkette in der Spielzeugproduktion zu verwirklichen. Entscheidend sei es, Transparenz herzustellen. Hier wurde auch auf den Koalitionsvertrag verwiesen, in dem es heißt: „Unser Ziel ist ein verbraucherfreundlicher, transparenter Markt, auf dem sichere und gute Produkte unter fairen und nachhaltigen Bedingungen hergestellt und angeboten werden.“ Über die verbindliche Durchsetzung dieser Forderung wurde allerdings kontrovers diskutiert.

Was ist öffentliche Theologie? Und was bedeutet sie im Kontext Brasiliens? Diese Fragen standen im Zentrum des Vortrags von Prof. Dr. Rudolf von Sinner von der Escola Superior da Teología (EST) in Brasilien an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau. Der Vortrag am 21. Januar fand im Rahmen der langjährigen Partnerschaft zwischen der EST, der Augustana Hochschule (AHS) und Mission EineWelt statt.

Prof. von Sinner, Autor und Herausgeber mehrerer Aufsätze und Bücher zur öffentlichen Theologie, regte mit seinem Beitrag dazu an, über länder- und kontextübergreifende gemeinsame theologische Anliegen nachzudenken. Denn die öffentliche Theologie wird seit einigen Jahren auch innerhalb Deutschlands prominent vorangetrieben: Der Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, hat schon in der Zeit seiner Professur in Bamberg einen deutlichen Schwerpunkt in diesem Feld gesetzt und entscheidend zur Entstehung des Globalen Netzwerks für Öffentliche Theologie beigetragen. Darüber hinaus besteht – von brasilianischer wie von deutscher Seite – ein intensiver Austausch mit dem Beyers Naudé Zentrum für Öffentliche Theologie der Universität in Südafrika und weiteren südafrikanischen Einrichtungen.

Sowohl in Brasilien als auch in Südafrika hat in den 1980er und 1990er Jahren ein enormer politischer und gesellschaftlicher Umwälzungsprozess stattgefunden. 1985 ist das Jahr des Endes des Militärregimes und der Beginn der Demokratie in Brasilien; 1989 trat Frederik Willem de Klerk als Nachfolger von Pieter Willem Botha als südafrikanischer Staatspräsident in Verhandlungen mit dem noch immer inhaftierten ANC-Führer Mandela, 1990 wurde Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen. Mit diesen politischen Veränderungen einher ging und geht die Neubestimmung der Aufgabe und Rolle von Kirche und Theologie. Was in dieser Situation nötig war und ist, so von Sinner in Aufnahme von Hugo Assmann, dem zur Zeit des Militärregimes radikalsten Vertreters der Befreiungstheologie, ist eine „Theologie der Solidarität und der Bürgerschaftlichkeit (cidadania) als Fortsetzung der Theologie der Befreiung“.  Der Befreiungstheologie fehlte es an „konkreten Vorschlägen zur Neugestaltung des Landes“. Nötig, so von Sinner, sei die Weiterführung der Befreiungstheologie hin zu einer Theologie, die die Rechte und Pflichten der Bürger, ihre Fähigkeit zur Mitgestaltung des politischen und gesellschaftlichen Lebens stärkt – die BürgerInnen also befähigt, mündige BürgerInnen zu sein.

Zentraler Bezugspunkt der öffentlichen Theologie sind das biblische Zeugnis und die Tradition. Die Botschaft von der Rechtfertigung durch Gnade ist bleibend relevant in einer Situation, in der Menschen noch immer an den Rand gedrängt und ihrer Bürgerrechte und Würde beraubt werden. Kirche und Theologie sind gefordert, sich mit ihrer Botschaft in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen und an einer gerechten Gesellschaft mitzuarbeiten. „Von öffentlicher Theologie zu sprechen“, so von Sinner, „ermöglicht eine nüchterne, aber dennoch engagierte Reflexion über die Rolle der Religion, namentlich der Religionsgemeinschaften in der Gegenwart, in der Politik, der Gesellschaft, der Wissenschaft“. Es geht um eine Theologie des Lebens, eine Theologie, die das Leben fördert und lebensfördernde Bedingungen einfordert. Eine Weiterentwicklung also der Befreiungstheologie, politischen Theologie oder Kairostheologie – ein wichtiger Impuls, der dazu einlädt und auffordert, die kirchliche und theologische Komfortzone zu verlassen und sich einzumischen.