Eine Familie kämpft gemeinsam für das Leben – Kilimanjaro Christian Medical Centre (KCMC)

Krebs. Das war für die meisten Menschen in Tansania bisher ein sicheres Todesurteil. Inzwischen gibt es ein wenig Hoffnung.

Familie Henke am KCMC in Tansania © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

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Antje Henke unterwegs mit ihrem alten, rostigen Geländewagen © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener
Informationsveranstaltung im Dorf Sanya Juu © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Anstrengend kann sie sein, und fordernd. Geschätzte 1 Meter 60 klein, schlank und voller Energie. Schon ganz früh morgens sitzt sie in ihrem alten, rostigen Geländewagen und fährt zum evangelischen Kilimanjaro Christian Medical Centre, kurz „KCMC“, in Moshi, einer durchaus wohlhabenden Stadt in Sichtweite zum Kilimandscharo. Dort warten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einen langen Tag und werden holterdiepolter aus ihrer Morgenruhe gerissen.

„Let’s go“, sagt Antje Henke, 40, voller Tatendrang, und setzt sich an die Spitze des Konvois.

Gut eine Stunde und viele Schlaglöcher später geht Henkes Veranstaltung los, heute im Dörfchen Sanya Juu. Fast 240 Frauen werden in den nächsten Stunden zusammensitzen, erzählen, zuhören, verschiedene Gesundheitstests absolvieren und – das ist der eigentliche Sinn des heutigen Treffens – an einer Vorsorgeuntersuchung teilnehmen. Finden wollen Henke und ihre Helferinnen Anzeichen auf Gebärmutterhalskrebs. Der kommt in Afrika noch sehr viel häufiger vor als bei uns.

„Und er ist viel aggressiver“, sagt Dr. Oliver Henke, nicht nur Antjes Ehemann und Vater ihrer drei kleinen Kinder, sondern auch Facharzt für Onkologie, ein Experte also für Krebs­erkrankungen. Nach mehreren Jahren in der Berliner Charité und im Bundeswehrkrankenhaus der Hauptstadt hatten er und seine Frau beschlossen, noch einmal woanders hinzugehen, „bevor wir uns ein Haus in Deutschland bauen“.

Mit Kind und Kegel ist die fünfköpfige Familie, ausgesendet von Mission EineWelt, vor zwei Jahren nach Tansania gezogen, nur schweren Herzens unterstützt von ihren Eltern – „die waren ziemlich geschockt“ – und auch von viel Unverständnis mancher Freunde begleitet. „Wir wollten noch einmal die Welt entdecken“, bekräftigt Antje Henke ihren Entschluss, obwohl sie hier, in Tansania, „noch einmal von null anfangen“ mussten. „Neues Haus. Neue Möbel. Neue Sprache. Neues Essen. Neuer Geruch.“

Spannender Arbeitsplatz: Oliver Henke vor dem KCMC-Krankenhaus in Moshi © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Spannender Arbeitsplatz: Oliver Henke vor dem KCMC-Krankenhaus in Moshi © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Prävention im Camp: Antje Henke erklärt, wie man Knoten in der Brust erkennt. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Prävention im Camp: Antje Henke erklärt, wie man Knoten in der Brust erkennt. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Krebsstation und Prävention

Und eine neue Aufgabe. Zumindest für Antje Henke. Während ihr Mann als einer von nur zwei Fachärzten eine nagelneue Krebsstation im KCMC-Krankenhaus von Moshi aus dem Boden stampfte und aus dem Stand einen Zulauf hatte, der sämtliche Kapazitäten sprengt, musste sie, die quirlig-kreative Kommunikationsexpertin, sich ihr eigenes berufliches Umfeld schaffen. Schon bald war der studierten Gesundheitswissenschaftlerin mit viel beruflicher Praxis in Berliner PR-Agenturen klar: Je mehr die Menschen in Tansania von der Krankheit wissen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich rechtzeitig untersuchen lassen. „PrevACamp“ war geboren, eine Vorsorgeinitiative gegen den grassierenden Krebs.

„Leider“, bestätigt ihr Ehemann, „kommen viele Patienten erst in einem sehr späten Stadium ihrer Krankheit zu uns ins Krankenhaus. Und dann“, sagt er nachdenklich, „können wir nicht mehr viel tun.“ Während sich 80 Prozent seiner Patienten bereits im tödlichen Stadium IV befinden, ließen sich bei rechtzeitig entdecktem Krebs drei Viertel aller Erkrankten heilen.

Also lädt seine Frau, unterstützt von tansanischen Fachkräften des Krankenhauses, mehrmals im Jahr zu sogenannten „Screenings“ ein, einem für die Bürger kostenlosen Präventionsangebot.

Dort läuft es – für europäische Augen – ziemlich bunt und auch ein wenig chaotisch ab. „Tansanier lieben Feste“, erklärt Henke das farbige Tohu­wabohu, „auch wenn es um die eigene Gesundheit geht.“ Und das gilt nicht nur für die Frauen: Während die sich in vier improvisierten und mit grünen Stoffwänden vor Blicken geschützten Räumen untersuchen lassen, fordern die etwa 40 Männer ebenfalls ein eigenes Programm. Spontan bieten anwesende Urologen eine Prostata-Untersuchung an – wenn man schon einmal zusammen ist.

„Das spricht sich rum“

Ein paar Tage später, in der Krebsstation des KCMC. Das Wartezimmer ist gut gefüllt, zusätzlich werden etwa 20 Frauen und Männer von der PrevACamp-Veranstaltung erwartet, bei denen auffälliges Gewebe festgestellt wurde. In einem etwas weiter hinten gelegenen Raum sitzen bis zu 16 Patienten und erhalten ihre Chemotherapie, gleichzeitig. „Vorgesehen sind eigentlich nur sechs“, sagt Oliver Henke, „dann müssen wir eben zusammenrücken.“

Und so sitzen hier Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts über mehrere Stunden zusammen, froh, dass es medizinische Hilfe gibt. Viele hatten es zuvor bei örtlichen Heilern versucht – doch die positiven Ergebnisse der modernen Medizin überzeugen. „Die Patienten nehmen das gut an“, bestätigt Henke, „weil sie die Erfolge sehen. Und das spricht sich auch rum.“

Labormedizin und Chemotherapie: Die Krebsstation betreut wesentlich mehr Patienten als ursprünglich vorgesehen. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Labormedizin und Chemotherapie: Die Krebsstation betreut wesentlich mehr Patienten als ursprünglich vorgesehen. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Labormedizin und Chemotherapie: Die Krebsstation betreut wesentlich mehr Patienten als ursprünglich vorgesehen. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener
Labormedizin und Chemotherapie: Die Krebsstation betreut wesentlich mehr Patienten als ursprünglich vorgesehen. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

© ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Einladung auf Afrikanisch: Lautsprecherwerbung auf dem Land © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Einladung auf Afrikanisch: Lautsprecherwerbung auf dem Land © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Video: Entwicklungshilfe in Tansania – eine Familie kämpft gemeinsam für das Leben. © ELKB/Niemz Communications

Damit die Idee der Vorsorgecamps auch an anderen Stellen bekannt wird, setzt Antje Henke auf moderne Kommunikationstechnik. Gemeinsam mit einer lokalen Agentur produziert sie Werbespots fürs Radio. Und für unterwegs. So fährt sie auf der Ladefläche eines Mini-LKWs über holprige Feldwege und durch abgelegene Dörfer in die Regionen, wo ihre nächsten Veranstaltungen stattfinden. Neben der zierlichen blonden Frau wummern riesige Lautsprecherboxen und laden zu den Screenings ein. Gewöhnungsbedürftig für europäische Augen und Ohren, surreal auch auf dieser staubigen Dorfstraße mit ihren klapprigen Obstständen und vergitterten Geschäften, offensichtlich aber effektiv.

„Die Leute kommen“, sagt Henke selbstbewusst, und genau das sei schließlich auch das Ziel.

Nach und nach allerdings will sie sich etwas zurücknehmen und Platz machen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Gegend rund um den Kilimandscharo. Gemeinsam mit ihrer tansanischen Kollegin Dora Mrema hält sie regelmäßig Kurse und bereitet die Interessierten auf kommende Einsätze vor. Aus drei Teilen bestehe ihre Ausbildung, sagt Dora, die engagierte und resolute Krankenschwester mit den dunklen Rastalocken: „Prävention, Behandlung und Training“.

rema hält sie regelmäßig Kurse und bereitet die Interessierten auf kommende Einsätze vor. Aus drei Teilen bestehe ihre Ausbildung, sagt Dora, die engagierte und resolute Krankenschwester mit den dunklen Rastalocken: „Prävention, Behandlung und Training“.

Passend „PrevATrain“ genannt, soll sich so die Idee der Henkes nach und nach im ganzen Land verbreiten. In und um Moshi sehe man ja, dass es funktioniere: 2.600 Menschen hätten bislang an den Präventionsveranstaltungen teilgenommen. Und darauf sei man schon ein wenig stolz.

Im Team gegen den Krebs: Dr. Oliver Henke (links) und sein Kollege Dr. Furaha Serventi © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Im Team gegen den Krebs: Dr. Oliver Henke (links) und sein Kollege Dr. Furaha Serventi © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

„Leider zieht sich die tansanische Regierung aus der Finanzierung zurück.“

Sarah Urasa, Neurologin

Bis 2030 wird sich die Zahl der Erkrankungen verdoppeln

Noch vor wenigen Jahren musste man zur medizinischen Krebsbehandlung in die Hauptstadt Daressalam fahren – 600 mühselige Kilometer vom Kilimandscharo entfernt. Die neue Krebsstation ist deshalb sehr wichtig. Und auch, weil sich die Zahl der Krebserkrankungen bis 2030 verdoppeln wird, wie die Prognosen sagen.

„Leider zieht sich die tansanische Regierung aber nach und nach aus der Finanzierung zurück“, beklagt sich die Managerin und gelernte Neurologin, deshalb sei man so froh über die Hilfe aus Europa.

Von besserwisserischem, gar neokolonialem Gehabe will Oliver Henke allerdings nichts wissen, auch wenn „wir natürlich etwas beizutragen haben“. So muss er damit leben, dass er zwar älter und sicher auch wesentlich erfahrener ist als sein tansanischer Kollege Dr. Furaha Serventi – doch der ist Chefarzt der Station geworden, für Henke kein Problem. „Fachlich sind die afrikanischen Ärzte sehr gut ausgebildet“, sagt er, was oftmals fehle, sei die Erfahrung bei der praktischen Umsetzung. Und die Effizienz. „Wir versuchen, ihnen das beizubringen. Damit es in Zukunft genauso gut läuft – ohne uns“, erklärt der Berliner Onkologe, der auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland weiterhin über Krebs in Afrika forschen will.

Familie Henke wird allerdings noch einige Zeit in Tansania bleiben. Antje will die Präventionsarbeit ausbauen, Oliver im Krankenhaus den Krebs besiegen und auch wissenschaftlich tätig sein:

„Wir wissen, dass sich Krebs in Europa und in Asien ganz unterschiedlich entwickelt – Therapie und Vorsorge sehen deshalb auch unterschiedlich aus. Für Afrika allerdings liegen uns dazu noch keine Untersuchungen vor.“ Noch nicht.

Examen bestanden: Ärzte und Pflegekräfte nach einer Ausbildung zur Krebsprävention © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Examen bestanden: Ärzte und Pflegekräfte nach einer Ausbildung zur Krebsprävention © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Vorsorge, Therapie, Forschung

Mehrmals im Monat verlässt Oliver Henke, begleitet von einigen örtlichen Kolleginnen oder Kollegen, die moderne Krebsstation des Hospitals – Hausbesuche stehen auf seinem Programm. In und um Moshi unterscheiden sie sich kaum von europäischen – wenn es aufs Land geht, schon. Mühsam quält sich dann sein nahezu unverwüstlicher Landcruiser über teils staubige, teils verschlammte Pisten, bis er in einer kleinen Siedlung zum Halten kommt. Vor einer winzigen, fensterlosen Hütte wartet ein älterer, sichtlich gebrechlicher Herr. Drinnen macht er seinen Oberkörper frei, eine dicke Geschwulst ist auf seiner Brust zu sehen. Er weiß, dass er daran sterben wird. Doch seit der Behandlung im Krankenhaus geht es ihm wieder etwas besser. Und er ist seine Schmerzen los – weil Oliver Henke ihn auch palliativ betreut.

Und so muss der Doktor nach der Untersuchung noch zum Essen bleiben – mit dem Patienten und dessen Familie. Es gibt Hähnchen, Gemüse, tansanischen Tee. Und zum Abschied einen langen, dankbaren Händedruck.

Hausbesuch: Mit dem Geländewagen fährt der Arzt zu einem Patienten aufs Land. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener
Hausbesuch: Mit dem Geländewagen fährt der Arzt zu einem Patienten aufs Land. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

 Hausbesuch: Mit dem Geländewagen fährt der Arzt zu einem Patienten aufs Land. © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Hausbesuch auf dem Land © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Info

ANTJE UND OLIVER HENKE leben mit ihren drei Söhnen Onno, Levi und Bent in der nordtansanischen Stadt Moshi als Entwicklungshelfer. Im Unterschied zu Missionaren steht bei ihnen vor allem die praktische Hilfe im Vordergrund. Beide arbeiten im neuen Krebsinstitut des evangelischen Krankenhauses KCMC (Kilimanjaro Christian Medical Centre). 2017 gab es 2.500 Patientenkontakte, gut 800 Krebspatienten wurden in der Station behandelt, 300 von ihnen erhielten eine passgenaue Chemotherapie.

Arbeitgeber ist Mission EineWelt (MEW) in Neuendettelsau, das Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die Familie bekommt kein Gehalt, sondern Unterhaltszahlungen und Sachleistungen wie die Kosten für Miete, Auto und Kindergarten bzw. Schule ihrer Söhne. […]

Antje und Oliver Henke mit ihren Kindern © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

Antje und Oliver Henke mit ihren Kindern © ELKB/Niemz Communications/Jens Wegener

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