In der Nähe der Bergbaustadt Mariana, Minas Gerais, brachen vor zwei Wochen zwei Staudämme von Rückhaltebecken voller Abraum und Abwässer aus der Eisenmine. Ungefähr 62 Millionen Kubikmeter eines toxischen Gemisches aus Arsen, Aluminium, Blei, Kupfer und Quecksilber ergossen sich in die Landschaft. Die Fluten lösten eine Schlammlawine aus, die inzwischen bis an den Atlantik reicht.

Die Evangelische Kirche hat sich nun mit einem offenen Brief an die Regierung gewandt und klagt die Verantwortlichen für dieses Umweltvergehen an. Durch den Dammbruch wurden Schlammmassen, die 25.000 olympische Bäder füllen würden in das Flußbett geschwemmt. Der Eisenerzabbau wird von der Firma SAMARCO (Transnationale Firma ) betrieben. Durch den Abraum wurde das Dorf Bento Rodriguez, Minas Gerais, total zerstört und es starben Menschen und ein ganzes Ökosystem wird dadurch massiv beeinträchtigt. In ihrem Brief weist die Evang. Kirche luth. Bekenntnisses in Brasilien darauf hin, dass das Ökosystem über 100 Jahre benötigen wird um sich wieder von dieser Katastrophe zu erholen. Die Verantwortung liegt bei der Transnationalen Firma SAMARCO, da sie keinen Rettungsplan für eine solche Katastrophe vorweisen kann.

Die Kirche weist darauf hin, dass sie den Schutz der Natur und der Umwelt als eine wichtige Aufgabe sieht und deshalb auch alle Menschen dazu aufgerufen sind, die Schöpfung Gottes zu bewahren. Folgende Punkte stellte die Kirche auf und gab sie in einer ökumenischen Aktion an die Regierung weiter:

  1. Eine sofortige und gründliche Untersuchung und Festlegung der Verantwortung für dieses Verbrechen gegen das Leben;
  2. Eine strenge Anwendung des Umweltrechts an alle für dieses Unglück Verantwortlichen;
  3. Einführung formeller Mechanismen, die die Zivilgesellschaft in die Kontrolle, Begleitung und Anwendung des Umweltrechts mit einbeziehen;
  4. Kompromiss der Regierungsbehörden, die nötigen Maβnahmen zu ergreifen, gegründet auf die Bedürfnisse derjenigen, die direkt oder indirekt betroffen wurden, deren Rechte und Menschenwürde gelten zu lassen;
  5. Dringlich einen Plan unter Aufsicht der Zivilgesellschaft zur Revitalisierung des Einzugsgebites des Rio Doce ausarbeiten, der das Recht von Kleinbauern und Bewohnern der Nebenflüsse des Rio Doce, sowie der Stadtbewohner, auf Nutzung des Wassers sichert. Der Unterhalt dieser Bauern muss gesichert werden, indem ihnen die nötigen Mittel garantiert werden damit sie auf ihrem Land weiter anbauen können;
  6. Ausarbeitung eines Plans für einen alternativen Lebensunterhalt aller Einwohner, die ihren Lebensunterhalt aus dem Fluss Rio Doce und seinen Nebenflüssen verdienen;
  7. Ausarbeitung eines Plans zur Erhaltung und Wiederherstellung der Quellen und strenge Üperprüfung der Nutzung des Grundwassers;
  8. Bildung eines unabhängigen Rates zur Verwaltung der Gelder, die zur Wiederherstellung des Einzugsgebietes des Flusses Rio Doce bestimmt sind, und der hauptsächlich von Vertretern der Zivilgesellschaft zusammengesetzt sein muss. Die Wiederherstellung des Einzugsgebietes des Flusses Rio Doce muss von den groβen Unternehmen finanziert werden, die das Wasser des Rio Doce benutzen, wie z. B. SAMARCO, Zellulose-Hersteller und andere;
  9. Öffentliche und private Investitionen in Projekten zur Speicherung von Trinkwasser für die Bevölkerung der Städte im Bundesstaat Espírito Santo und Umgebung vornehmen.

In ihrem Schreiben weist die Kirche mit den ökumenischen Partnern auch darauf hin, dass durch Trockenheit in den letzten Jahren das Leben der Menschen am Flußrand schon stark beeinflusst wurde. Die IECLB ruft zu einer Haltung der Solidarität in der Welt auf und der Kirchenpräsident beendet seine Forderungen an die Regierung mit dem Bittruf: Herr, erbarme dich.

Es unterzeichnen die aufgeführten Institutionen:

Pastor Dr. Nestor Paulo Friedrich                Dom Joaquim Vladimir Lopes Dias

Kirchenpräsident der IECLB                              Bischof der Diözese Colatina – ES

Synodalpastor Joaninho Borchardt                 Synodalpastor Geraldo Graf

Synode Espírito Santo a Belém – IECLB             Synode Sudeste – IECLB

Pastor Ariel Irrazábal Montero                         Raul Krause

Präsident des CONIC/ES                                  Bewegung der Kleinbauern/ES

José Izidoro Rodrigues

Direktor des FETAES

 

Hans Zeller, Lateinamerikareferent