„Mission heißt, dass man zeigt, was einen begeistert.“ – Mit diesem Zitat des Theologen Fulbert Steffensky verbindet Gabriele Hoerschelmann die Zusammenarbeit mit den Partnerkirchen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Im Interview spricht die Direktorin von Mission EineWelt über ihre Reise nach Kenia und Tansania zusammen mit dem bayerischen Landesbischof Christian Kopp. Und darüber, was sie und ihn im Austausch mit den Menschen in den dortigen Partnerkirchen besonders begeistert hat.
Was hat Sie auf der Reise am meisten beeindruckt? – Welche Erlebnisse bleiben hängen?
Es ist wie immer gar nicht so einfach, einzelne Erlebnisse herauszugreifen, weil man auf so einer Dienstreise mit Haut und Haar in das andere Land eintaucht. Mich begeistern jedes Mal aufs Neue die großartigen Gottesdienste in Tansania und Kenia. Ich liebe die afrikanische Kirchenmusik und die Chöre mit ihrer großartigen Musikalität und Spiritualität. Außerdem begeistert mich, wie die Kirchen in Kenia und Tansania ihren sozialen Auftrag anpacken. Das Pangani Lutheran Children Centre in Kenia gibt Mädchen, die auf den Straßen der Slums von Nairobi aufgewachsen sind, durch eine angemessene Schulbildung neue Perspektiven für ihr Leben. Wenn ein Mädchen dank Schulabschluss später einen Beruf ausüben kann, bekommt nicht nur sie persönlich eine neue Chance, sondern auch ihre Familie und die ganze Gemeinschaft. Ebenso erlebe ich das Usa River Rehabilitation and Training Center in Tansania. Hier bekommen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen. Das Hai Vocational Training Centre ermöglicht jungen Menschen eine Ausbildung in vielen Berufen, von Elektrotechnik über Schreinerei und Schneiderei bis hin zum Hotel- und Restaurantmanagement. Junge Menschen bekommen so eine gute Möglichkeit, ihre Zukunft zu gestalten und tragen zur Stabilität ihrer Familien und der Gesellschaft bei. Ich bin immer wieder stolz, dass wir als ELKB durch Mission EineWelt hier an der Seite der Kirchen in Tansania und Kenia stehen dürfen.
Haben die Konsultationen mit den Partnerkirchen neue Impulse für die Partnerschaften ergeben?
Alle Beteiligten haben immer wieder bekräftigt, dass es in diesen international turbulenten Zeiten von größter Wichtigkeit ist, dass wir als Kirchen eng zusammenstehen. Besonders die Kirchengemeinden als Orte gelebter Gemeinschaft bieten Raum für Gespräche und Diskussionen. In Krisensituation sind sie häufig die ersten vor Ort und können helfen, sei es durch Seelsorge oder mit ganz praktischen Hilfsangeboten. Da stehen wir als ELKB eng an der Seite unserer Partner. Wichtig sind dafür schnelle Kommunikationswege und enge Absprachen. Ein besonderes Thema war die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Dazu gehört zum Beispiel ein wechselseitiger Personalaustausch, in dessen Rahmen Kolleginnen und Kollegen eine zeitlang in Partnerkirchen mitarbeiten und dort viel über kirchliches Leben, aber auch über Dinge wie Problemlösungsstrategien lernen können. So entsteht ein Austausch von lebendigem Praxiswissen unter den Partnerkirchen, von dem alle Beteiligten in hohem Maß profitieren. Für den Umgang mit finanziellen Ressourcen wurde bekräftigt, dass klare Verfahren für eine zuverlässige Compliance unerlässlich sind und dass Kirchen ihre Projekte in gemeinsamen Engagement durchführen.
Das Wichtigste bei allem bleibt, dass man sich persönlich kennt. Wir haben sehr viele Gespräche geführt und hatten so die Chance, uns persönlich gut kennenzulernen. Das macht ja auch den Austausch von Partnerschaftsgruppen unserer Gemeinden und die Jugendbegegnungsreisen so wertvoll. Nichts kann eine persönliche Begegnung ersetzen.
Christian Kopp wollte ja auf der Reise auch Anregungen aus den Partnerkirchen für die weitere Entwicklung der ELKB sammeln. Welche Anregungen konnte er aus Ihrer Sicht mitnehmen?
Es war toll, mit Christian Kopp zusammen unterwegs zu sein und ihm zeigen zu können, wo sich die ELKB mit ihrer Einrichtung Mission EineWelt in Tansania und Kenia engagiert. Dazu gehört auch ein enges Netzwerk mit den auswärtigen Vertretungen der Bundesrepublik in den jeweiligen Ländern. Und eine enge Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Playern vor Ort, wie zum Beispiel dem Lutheran World Service, der sich in der konkreten Hilfe für Geflüchtete engagiert. Auch der All African Council of Churches ist einer unserer Partner, der die Anliegen und Herausforderungen der Kirchen Afrikas im Blick hat. Die ELKB agiert in einem sehr professionalen internationalen Netzwerk und kann sich jederzeit auf ihre Partner verlassen. Neben vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit Menschen in Tansania und Kenia ist ihm das, glaube ich, am wichtigsten geworden: Dass er die ELKB in einem soliden internationalen Netzwerk weiß, auf das er sich verlassen kann und in dem er stets kompetente Menschen an seiner Seite hat.