Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

IN GOTTES GNADE STEHEN

„Du sollst nicht stehlen.“ 2. Mose 20,15

Ich hoffe, dass ich der einzige Mensch in der MEW-Gemeinde bin, der in seiner Jugend einen Freundeskreis mit schlechtem Einfluss hatte. In meinem gab es jedenfalls die Mutprobe, in einem Supermarkt etwas zu klauen.
Ich bin deswegen eine Zeit lang mit schlechtem Gewissen durch die Welt gelaufen. Später lernte ich, dass es so etwas wie strukturelle Sünde gibt. Das heißt, dass wir mit unserer konsumorientierten Lebensweise im reichen Westen immer auch daran schuld sind, dass es anderswo Menschen schlecht geht. Die Jeans, die ich trage, wurde vielleicht für nicht einmal einen Euro in einem Billiglohnland gefertigt. Und wenn wir gutwillig unsere gebrauchten Kleider über die Altkleidersammlung in Länder südlich der Sahara schicken, wird mit der Spende die dortige Textilindustrie kaputt gemacht. – So und auf andere Weise haben wir mit etwas Nachdenken viele Möglichkeiten, ein schlechtes Gewissen zu haben. So ein schlechtes Gewissen allein nützt eigentlich niemandem etwas.
Und ich will ihnen auch keines machen. In der Auslegung zum siebten Gebot schreibt Martin Luther: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.“ Luther legt auch dieses Gebot lebensförderlich aus. Eben nicht nur als Verbot, sondern als Gebot. Das halte ich für hilfreich, ermutigend und wegweisend. Überlegen wir also positiv: Was könnten wir heute tun, um den Besitz, die Lebensgrundlage anderer Menschen zu schützen und zu mehren? Wie können wir dazu beitragen, dass die Menschen unserer nächsten Umgebung besser und sinnvoller leben können? Welches praktische Zeichen für eine geschwisterliche Welt können wir heute setzen?

Wir beten mit Paul Gerhardt:
„Gib, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren!

Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen; hilf uns gehorsam wirken deine Werke; und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. Lobet den Herren!“

Andacht: Dr. Gerhard Knodt, Kirchliche Studienbegleitung KSB
Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit Mission EineWelt

 

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

EVERYWHERE IN GOD’S GRACE

“You shall not steal.” 2. Moses, 20/15

I hope that I’m the only person in the Mission EineWelt community who has had a group of friends with bad influence in their youth.

In my circle of friends there was a test of courage to steal something in a supermarket. That’s why I walked around the world with a bad conscience for a while. Later I learned that there is something like structural sin. That means, that with our consum-oriented way of life in the rich West, we are always to blame for the fact, that people are doing badly elsewhere. The jeans I wear may have been made in a low-wage country for not even one euro. And if we willingly send our used clothes through the collection of used clothes to countries south of the sahara, the donation will destroy the textile industry there. This way and in another way, with a little bit of thought, we have many opportunities to have a bad conscience. Such a bad conscience alone is of no use to anyone. And I don’t want to give you an bad conscience. Martin Luther writes in the interpretation for the seventh commandment: “We are to fear and love God that we will not take our next money or good or to get it with wrong trade or wrong goods but help him to protect his good and food better.” Luther also interprets this requirement to be life-supporting. Not just as a ban, but as an imperative. I think that’s helpful, encouraging and groundbreaking. Let’s think positively: What can we do today to protect and increase the possession and livelihood of other people? How can we help that people next to us live better and more meaningful? Which practical mark for a fraternal wold can we make?

We pray with Paul Gerhardt:

“Grant that today, Lord, we will walk unhindered on our way through your escort and be in your grace everywhere. Praise the Lord!
Do our will to fulfil your word; help us to obey your works; and where we are chess, you give us strength. Praise the Lord!

Prayer: Dr. Gerhard Knodt, Kirchliche Studienbegleitung KSB
Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit Mission EineWelt