Collapsed buildings in earthquake hit Chautara, Nepal © DFID-UK Department for International Development, Flickr, CC-BY-2.0

Situationsbericht von Dr. Traugott Farnbacher, Referent für Papua-Neuguinea/Pazifik/Ostasien bei Mission EineWelt

Erneut hat am vergangenen Dienstag, 12. Mai 2015, ein Erdbeben der Stärke 7,3 die Region östlich von Nepals Hauptstadt Kathmandu erschüttert. Nur zwei Wochen nach dem verheerenden Beben, das große Teile der Region zerstörte, hat das neue Beben nun zu weiteren Verwüstungen geführt.

Dr. Traugott Farnbacher, Referent für Papua-Neuguinea/Pazifik/Ostasien bei Mission EineWelt, ist derzeit gemeinsam mit Prof. Andreas Nehring von der Universität Erlangen und Bischof Dr. Aaron Yap von der Lutherischen Kirche von Malaysia (LCM) in Nepal unterwegs und besucht die dortige Evangelisch-Lutherische Kirche (NELC).

Er berichtet:

Die Erdbeben-Katastrophe hat vor allem arme Bevölkerungsgruppen, besonders in ländlich abgeschnittenen Gebieten hart betroffen, gleichzeitig aber auch viele älteren Häuser im Großraum von Kathmandu. Wir sehen Dutzende von Hilfsorganisationen aus aller Welt, unser Hotel ist Kommandostelle von Militärs im Zivileinsatz aus verschiedenen Ländern, von christlichen und anderen Hilfswerken, die Kathmandu als Operationszentrale nutzen. Unvorstellbar ist das Ausmaß der Verwüstung, von der das einzigartige Altstadt-Zentrum der Hauptstadt, als UNESCO Weltkultur-Erbe anerkannt, betroffen ist.

Im religionsgeschichtlich wichtigen Ort Bhaktapur unweit von Kathmandu bot sich uns ein erschütterndes Bild. 70 Prozent der Häuser sind völlig verwüstet. Familien versuchen aus den Stein- und Schutthaufen irgendetwas zu retten, viele Menschen wohnen im Freien, während gerade der Monsunregen einsetzt, der mit schweren Gewittern einigen Menschen hier das Leben gekostet hat. Es wird viele Monate dauern und enorme Mittel brauchen, die Schäden zu beheben. Zu unserem großen Erstaunen ist hier keine der eingereisten Hilfsorganisationen am Werk. Es gibt einfach zu viel zu tun.

Bis auf weiteres müssen die Menschen hier, wie auch in anderen Regionen Nepals, ihre Zukunft selber meistern, eine kaum vorstellbare Aufgabe für diese armen Menschen, deren Einkommen überwiegend von Familienangehörigen kommt, die als Gastarbeiter in anderen Ländern Asiens arbeiten. Nur die mit der NELC verbundene Nichtregierungsorganisation „Transformation Nepal“ hat hier ein Versorgungs- und Wiederaufbau-Programm in enger Kooperation mit lokalen Führungskräften begonnen. Pfarrer Mukunda Sharma, der 2014 an der Summer School von Mission EineWelt teilgenommen hatte, koordiniert diese Arbeit. Ebenso wie NELC-Präsident Pfarrer Joseph Soren berichtet er uns, dass etwa 3.000 der bislang etwa 10.000 Erdbeben-Opfer Christen waren. In Nepal wird am Samstag Gottesdienst gefeiert. Deshalb traf das große Beben auch viele Gottesdienst feiernde Menschen. Ein einziger Kirchenraum am Rand von Kathmandu begrub etwa 200 Menschen unter sich.

Am 12. Mai mittags wurden wir von einem erneuten Erdbeben mit der Stärke 7.3 heimgesucht, während wir in der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Missionszentrale in Kathmandu über deren Engagement und Möglichkeiten der Kooperation sprachen. Panikartig flohen zehntausende Menschen aus der Stadt, das Geschäftsleben erlahmte völlig. Dutzende starben und etwa 12.000 Menschen wurden verletzt. Tag und Nacht hören wir die Hilfsflüge starten/landen. Der Ort Bhaktapur, den wir kurz zuvor besucht hatten, ist nun zu etwa 90 Prozent zerstört. Damit ist die Zahl der teilweise oder gänzlich zerstörten Häuser in Nepal auf fast 600.000 angestiegen. Überall sehen wir Zeltlager für die Menschen, die die Nacht im Freien verbringen wollen.

Mission EineWelt unterhält zwar keine Partnerbeziehungen nach Nepal, dennoch haben wir leitende Pfarrer der nepalesischen Kirche während der letzten Jahre zu Studienprogrammen in unser Partnerschaftszentrum eingeladen, sowie in Kooperation mit der dortigen lutherischen Partnerkirche theologische Weiterbildung in Australien vermittelt.

Dr. Traugott Farnbacher / Helge Neuschwander-Lutz

Info: Der Anteil der Christen im überwiegend hinduistischen Nepal liegt bei gut einer Million, das sind etwa 3 Prozent der Bevölkerung. Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Nepal (NELC) ist Mitglied im Lutherischen Weltbund.

Über die Katastrophen-Hilfe, an der sich die Diakonie und Act Alliance beteiligen, werden Sofortmaßnahmen für die Erdbebenregion finanziert und organisiert.