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Für ein profiliertes Christentum – Simon Wiesgickl ist neuer Leiter des Referats Bildung Global

Für ein profiliertes Christentum – Simon Wiesgickl ist neuer Leiter des Referats Bildung Global
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Frisch angekommen bei Mission EineWelt: Simon Wiesgickl, Leiter des Referats Bildung Global (Foto: Sara Zapp)
Frisch angekommen bei Mission EineWelt: Simon Wiesgickl, Leiter des Referats Bildung Global (Foto: Sara Zapp)

Ein Rückzug der Kirche aus gesellschaftlichen Bezügen wäre aus seiner Sicht der falsche Weg. „Zu einem profiliertem Christentum und einer profilierten Kirche gehört das Eintreten für Gerechtigkeit. Das kann man theologisch gut rechtfertigen“, ist Simon Wiesgickl überzeugt. Zum 1. Oktober 2026 übernimmt der 40-jährige Theologe die Leitung des Referats Bildung Global bei Mission EineWelt. Er ist Nachfolger von Jürgen Bergmann, der sich im Sommer in den Ruhestand verabschiedet hat.

„Weltweites Christentum“ ist Wiesgickl schon seit seinem Studium wichtig. Das dokumentiert auch sein bisheriger Lebenslauf. Dort finden sich unter anderem ein Auslandsstudium am Tamiladu Theological Seminary im südindischen Madurai, ehrenamtliches Engagement in mehreren Vereinen für Entwicklungszusammenarbeit und Bildungsprojekte, seine Zeit als Pfarrer im Probedienst am Lutheran Theological Seminary in Hongkong, eine Forschungsreise nach Nordost-Indien mitsamt Gründung eines internationalen Forschungsnetzwerks oder die Leitung einer Exkursion nach Malaysia. Einiges davon hat der promovierte Theologe im Rahmen seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg auf die Beine gestellt. Dazu kommen diverse wissenschaftliche Veröffentlichungen zu verschiedenen Aspekten interkultureller Theologie. Zuletzt war Wiesgickl naturreligiösen und öko-theologischen Ansätzen auf der Spur und untersuchte unter anderem die Beziehung von Bäumen und Menschen.

Jetzt will Simon Wiesgickl raus aus dem Elfenbeinturm. „Ich möchte nicht mehr nur alleine wissenschaftlich vor mich hin arbeiten, sondern mehr im Team mit Menschen“, erklärt er. Als Leiter der Referats Bildung Global möchte er „Lernprozesse für Kirche und Gesellschaft anstoßen“. Wichtig sind ihm dabei die weltweite Sicht und insbesondere die Abkehr von eurozentrischen Positionen. „Die Zeiten, in denen Europa meinte, dem Rest der Welt etwas beibringen zu können, sind glücklicherweise vorbei. Jetzt geht es um die Frage: Was können wir lernen?“, betont der Theologe. Das weltweite Christentum sieht er als „Ressource, die uns gesellschaftlich gut tun kann“. Es gehe um eine Abkehr von Vereinzelung und einer Kultur des Ich-Zuerst hin zu einem „empathischen Blick auf die Welt“ und das „Einüben von Gemeinschaft“. Dazu, so Wiesgickl, könne man von den Partnerkirchen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) in Papua-Neuguinea, Asien, Afrika und Lateinamerika viel lernen. Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang auch ein ökologisches Lernen, das „koloniale westliche Denkmuster hinter sich lässt“.

Bündnisse, die solche Ansätze in einem weltweiten Miteinander voranbringen, seien bis dato auch die Stärke von Mission EineWelt, hebt Wiesgickl hervor. „Als weltweite Brüder und Schwestern können wir nicht untätig bleiben. Der Einsatz für Gerechtigkeit folgt aus der Partnerschaftsarbeit.“ Dazu gehöre auch Solidarität und das Eintreten für die Anliegen der Menschen aus den Partnerkirchen. „Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass wir als Kirche die Stimmen derer, die nicht gehört werden, hörbar machen und uns für die dahinter stehenden Anliegen einsetzen.“ Seinen künftigen Aufgaben bei Mission EineWelt sieht Wiesgickl mit Freude und Zuversicht entgegen, was da auch komme: „Ich weiß, dass wir bei Mission EineWelt Partei ergreifen und uns immer wieder einmischen wollen.“

von Thomas Nagel