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„Höllenbilder“, „Abscheu“ und „Verantwortung“ – Hiroshima-Gedenken am 6. August in Nürnberg mahnt zur Abrüstung

„Höllenbilder“, „Abscheu“ und „Verantwortung“ – Hiroshima-Gedenken am 6. August in Nürnberg mahnt zur Abrüstung
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Mahnte zur Abrüstung: Wolfgang Nick vom Nürnberger Friedensmuseum beim Hiroshima-Gedenken 2026 (Foto: Thomas Nagel)
Mahnte zur Abrüstung: Wolfgang Nick vom Nürnberger Friedensmuseum beim Hiroshima-Gedenken 2026 (Foto: Thomas Nagel)

„Höllenbilder in angstvoller Stille“ – so beschreibt ein Überlebender des Atombombenabwurfs der USA auf die japanische Stadt Hiroshima am 6. August 1945 die ersten Momente nach der Explosion. Beim Nürnberger Gedenken an dieses Inferno, das sich wenige Tage später, am 9. August 1945, in Nagasaki wiederholte, wurden diese Aufzeichnungen vorgelesen, um den auf der Museumsbrücke Zusehenden und Zuhörenden einen ansatzweisen Eindruck zu vermitteln, wie grauenvoll und komplett sinnlos die Grausamkeit dieser US-amerikanischen Kriegshandlung war. Die detaillierte Beschreibungen der Verletzungen und Verheerungen, die von „der Bombe“ angerichtet worden waren, sind auch für die vorlesende Elke Winter, Mitglied im Vorstand des Nürnberger Friedensmuseums, kaum zu ertragen.

Dennoch ging nach diesen Atombombenabwürfen das atomare Wettrüsten erst richtig los, und nicht nur während der Kuba-Krise 1962 immer wieder haarscharf an der totalen atomaren Katastrophe vorbei, wie der Physiker Wolfgang Nick vom Friedensmuseum Nürnberg, referierte. Nach einer Phase der Abrüstung in den späten 1980er und 1990er Jahren ist aktuell das berüchtigte „Gleichgewicht des Schreckens“ wieder salonfähig im politischen und öffentlichen Diskurs. „Das atomare Wettrüsten ist wieder voll entbrannt“, analysierte Nick. Mit dem Schlagwort „kriegstüchtig werden“ spielten auch die in Deutschland politisch Verantwortlichen „die Gefahr atomarer Eskalation in unverantwortlicher Weise herunter“, mahnte der Aktivist.

Die Forderungen der Veranstaltenden des Nürnberger Hiroshima-Gedenkens an die Bundesregierung sind klar und deutlich: Deutschland muss dem internationalen Atomwaffenverbotsvertrag beitreten, der bis dato von 95 Staaten unterzeichnet und von 75 Staaten ratifiziert worden ist. In der Folge muss Deutschland die so genannte „atomare Teilhabe“ im Rahmen der Nato beenden, von einer alternativen oder zusätzlichen Teilhaberegelung, beispielsweise mit Frankreich, absehen, ebenso wie von Kauf oder Entwicklung eigener Atomwaffen.

„Die Zukunft hängt nicht nur von unserer Erinnerung ab. Sie hängt von unserer kollektiven Verantwortung ab“, schreibt ein Enkel der so genannten „Atomtest-Veteranen“ auf Mururoa in einem Gedicht, das er für die Nürnberger Gedenkveranstaltung geschrieben hat, und das von Julia Ratzmann, Leiterin der Pazifik-Infostelle bei Mission EineWelt, verlesen wurde.

Und so stand und steht weiterhin die Frage im Raum, wann – und ob überhaupt! – dieser eine Moment kommt, an dem Moral wichtiger als Macht wird, und die Regierung irgendeiner prominenten Nation verkündet, dass sie die Waffen streckt. Aus Demut und Einsicht, aus Verantwortung.

Das Hiroshima-Gedenken in Nürnberg wird veranstaltet von: NEFF (Nürnberger Evangelisches Forum für den Frieden), Friedensmuseum Nürnberg, Mission EineWelt, Pazifik-Informationsstelle und IPPNW.

von Thomas Nagel