Wer James Bhagwan fragt, wie Weltretten geht, bekommt eine klare Antwort: zusammen. Der Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz war am 24. November 2025 im Haus eckstein in Nürnberg beim Podiumsgespräch „Von Nürnberg zum Pazifik“, das von Evangelischer Stadtakademie Nürnberg, Bluepingu und Mission EineWelt veranstaltet wurde, zu Gast, um über die weltweite Herausforderung des menschengemachten Klimawandels zu sprechen. Als Bewohner des süd-pazifischen Inselstaats Fidschi weiß er, wovon er spricht. Viele der über 300 Inseln sind vom klimawandelbedingten Anstieg des Meeresspiegels existenziell bedroht. Auch die ebenfalls mit dem Klimawandel zusammenhängenden immer extremer werdenden Unwetter sind dort um ein Vielfaches gewaltiger und zerstörerischer als in Europa.
„Zusammen“ beinhaltet für ihn mehrere Aspekte: das Zusammendenken von Wirtschaft, Ökologie und menschlichem Miteinander im Sinne von echter Lebensqualität sowie das gemeinsame, solidarische Handeln aller Menschen im Sinne eines globalen Gemeinwohls. „Ein Bild, das wir im Süd-Pazifik benutzen, ist das einer gewebten Matte“, erklärte er in Nürnberg. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass „spirituelle, ökologische und politische“ Argumente „gleichzeitig“ bedacht und ins menschliche Handeln integriert werden müssen. Aus dieser Matte, so Bhagwan, müssten die „toxischen Fasern“ herausgezogen werden: „Ausbeutung, Korruption, Militarisierung und Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Kinder“. Gleichzeitig sei es notwendig, „Gerechtigkeit, Gegenseitigkeit in allen Bezügen und Fürsorge“ wieder „neu einzuweben“.
Später am Abend wird er deutlicher: „So lange Menschen Profit auf Kosten anderer Menschen und der Natur machen wollen, haben wir ein Problem. Das ökonomische System muss verändert werden.“ Und das geht, davon ist James Bhagwan überzeugt, nur zusammen. „Von Nürnberg bis zum Pazifik brauchen wir wirklich einen lokal verwurzelten, global vernetzten Kurswechsel in allen Bereichen“, appellierte der Theologe an die Zuhörenden im Haus eckstein.
Britta Walthelm, Umweltreferentin der Stadt Nürnberg, nahm den Ball auf und betonte die Notwendigkeit, dass die Industrieländer und ihre Einwohner*innen als Hauptverursacher*innen des Klimawandels mehr tun müssten. „Wenn nicht wir, wer dann?“ Gerade über den Handel hätte Deutschland „auch weltweit viel Einfluss“. Angesichts diverser Rückschläge wie der destruktiven Politik der Trump-Administration in den USA oder der gegenwärtigen Zögerlichkeit der EU in Sachen Klimaschutz sei es wichtig, sich „nicht demotivieren zu lassen“. Es gehe „um jede Entscheidung, auch um jede persönliche“.
Konkrete Vorschläge, wie Nürnberg und der Süd-Pazifik-Raum gemeinsam für eine bessere Welt agieren könnten, hatte James Bhagwan ebenfalls dabei: Partnerschaften auf Stadt- oder Landesebene. Um die „Entfernung zu reduzieren, Beziehungen aufzubauen und Verständnis zu generieren“ könnten aus seiner Sicht „ein Weg sein“, denn: „Du wirst beschützen, was Du kennst.“ Unter dem Eindruck eines Gangs durch die Nürnberger Straße der Menschenrechte schlug er zudem vor, diese um eine neue Säule zu ergänzen: Klima- und Umweltschutz als Menschenrecht.
Letzteres erachtete Walthelm als „gute Idee“. Die nähme sie „gerne mit“. In Sachen Partnerschaft äußerte sie sich vorsichtiger. Diese bräuchten eine zivilgesellschaftliche Basis, „die die Partnerschaft pflegt“. Die Umweltreferentin riet dazu, erstmal „klein anzufangen“, beispielsweise mit einem Schulprojekt. Wie immer entsprechende Bemühungen fruchten werden.
Wenn wir die Welt, auf der wir leben, erhalten und als für alle lebenswerte gestalten wollen, ist ein grundlegender Bewusstseinswandel unerlässlich. Davon ist James Bhagwan überzeugt. „Wir müssen eine spirituelle Entwicklung durchlaufen, um die notwendigen Veränderungen auf den Weg zu bringen“, forderte er. Es gehe um eine tiefe Verbundenheit der Menschen miteinander und mit der Welt. Diese sei besonders „in den Industrieländern kaputtgegangen“, erläuterte der Theologe und spitzte die aus seiner Sicht notwendige spirituelle Suche auf eine Frage zu: „Wie kriegen wir es hin, dass wir uns nicht nur besser fühlen, wenn wir Dinge kaufen?“