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Vertiefter Blick hinter Klischees – Lagois Fotowettbewerb kürt Preisträger*innen 2025

Vertiefter Blick hinter Klischees – Lagois Fotowettbewerb kürt Preisträger*innen 2025
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Deep Looking: Mission EineWelt-Direktor Hanns Hoerschelmann gratuliert der Kölnr Fotografin Hannah Schlegel zum Gewinn des Lagois-Fotostipendiums (Foto: Thomas Nagel)
Deep Looking: Mission EineWelt-Direktor Hanns Hoerschelmann gratuliert der Kölner Fotografin Hannah Schlegel zum Gewinn des Lagois-Fotostipendiums (Foto: Thomas Nagel)

Wenn es darum geht, was bzw. wer reich oder arm ist, liegt die Antwort erstmal auf der Hand: Leute mit mehr oder weniger viel Geld und Besitz gelten als reich, diejenigen, die kaum etwas besitzen, jeden Cent umdrehen müssen oder nicht einmal das können, gelten gemeinhin als arm. Das stimmt natürlich, aber es ist eben nicht die ganze Geschichte. Unter der Überschrift „Was macht uns reich*arm?“ suchte der vom Evangelischen Presseverband für Bayern organisierte Lagois Fotowettbewerb 2025 Einblicke, die das Augenscheinliche zeigen, aber eben auch den Blick hinter die materialistische Fassade öffnen. Am 29.Oktober wurden die Preisträger*innen im Rahmen der Messe ConSozial offiziell geehrt.

Den Hauptpreis gewann der Hamburger Fotograf Björn Wiedenroth für seine Arbeit „Das Licht der Höfe“, die das Leben der Menschen in den Hinterhöfen der georgischen Hauptstadt Tiflis porträtiert. Ohne Voyeurismus, sondern im respektvollen Dialog nähere sich Wiedenroth den Orten und Menschen, sagte Laudator Oliver Kussinger, Professor für Digital Imaging an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Die Fotoarbeit zeige: „In den Höfen lebt Gemeinschaft, Resilienz, vielleicht auch Hoffnung. Reichtum entsteht dort, wo Menschen zusammenhalten.“

Will mit ihren Bildern Barrieren abbauen und Schubladen öffnen: die Kölner Fotografin Hannah Schlegel (Foto: Thomas Nagel)

Das mit 1000 Euro dotierte Fotostipendium ging an die Kölner Fotografin Hannah Schlegel für ihr Projekt „Deep Looking – Ein fotografischer Blick auf das Leben der Straße“. Die 21-jährige Design-Studentin bildet obdachlose oder marginalisierte Menschen ab, ohne sie zur Schau zu stellen. Vielmehr geht es ihr um einen Blick, der das Offensichtliche um das Wesentliche erweitert. Schlegel will Stigmata und Barrieren abbauen, indem sie Menschen, denen oftmals mit Ablehnung oder Verachtung begegnet wird, in ihrer Einzigartigkeit und Würde sichtbar macht. „Ich möchte mit meiner Arbeit Barrieren abbauen und Schubladen öffnen“, erklärte Schlegel bei der Preisverleihung. „Im öffentlichen Raum sind wir alle miteinander verbunden.“

Mission EineWelt-Direktor Hanns Hoerschelmann beim Betrachten der Lagois-Fotoausstellung 2025 (Foto: Thomas Nagel)

Mission EineWelt-Direktor und Lagois-Jurymitglied Hanns Hoerschelmann und hob in seiner Laudatio die „Verbindung von Reduktion und Vielstimmigkeit“ in Schlegels Bildern hervor. „Hannah Schlegel verzichtet konsequent auf Stigmatisierung oder reißerische Inszenierung. Ihre Porträts in Nahaufnahme lassen Raum für Blickkontakt und Anteilnahme. Sie lädt uns ein, diese Menschen als Individuen zu sehen — mit Blicken, Erzählungen, Mitgefühl. Indem sie Barrieren zwischen ‚uns‘ und ‚ihnen‘ abbaut, fordert sie uns heraus, unsere eigenen Vorurteile zu überdenken und neu zu sehen.“

Der Jugendpreis des Lagois Fotowettbewerbs ging an die Schülerinnen Nele Meyer und Kathrin Vogt für ihr Projekt „Facetten des Reichtums“. Beide konnten wegen einer anstehenden Mathe-Arbeit nicht zur Preisverleihung kommen und bedankten sich in einer kurzen Videobotschaft. Mit ihren Fotos wollen die beiden Jugendlichen sichtbar machen, dass materieller „Reichtum nicht nur Glanz, sondern auch Schatten“ beinhalten kann. Für Laudator Benjamin Greim, Referent für Gesellschaft und Sozialethik bei der Evangelischen Jugend in Bayern, ist die „politische und ehrliche“ Fotoarbeit von Meyer und Vogt Ausdruck der Frage „Wo finden wir Wert in einer Welt, in der alles bewertet wird?“. Die Fotografien spiegeln aus seiner Sicht auch die Befindlichkeit der Fotografierenden im Spannungsfeld zwischen „Überforderung und Sehnsucht nach wirklichem Sinn“ wider.

Aus den Arbeiten der Preisträger*innen und weiteren Einsendungen ist auch in dieser Ausgabe des Wettbewerbs wieder eine Fotoausstellung mit umfangreichem Begleitmaterial entstanden, die unter https://www.ausstellung-leihen.de/ ausgeliehen werden kann. Zudem wird es einen Bildband zum Therma geben.

Der Lagois Fotowettbewerb wird seit 2008 vom Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. (EPV) vergeben. Namensgeber ist Pfarrer Martin Lagois (1912-1997). Schirmherr des Wettbewerbs ist Thomas Prieto-Peral, Regionalbischof für München und Oberbayern. Kooperationspartner sind die Evangelische Jugend in Bayern (ejb), Mission EineWelt, die Diakonie Bayern und die Fachmesse ConSozial.

von Thomas Nagel