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„Wie die Welt ernähren?“ – Grüne-Couch-Gespräch beim Kirchentag auf dem Hesselberg

„Wie die Welt ernähren?“ – Grüne-Couch-Gespräch beim Kirchentag auf dem Hesselberg
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Diskutierten auf dem Hesselberg über Welternährung: Peter Schlee vom Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg, Artur Auernhammer, Jürgen Bergmann, Erwin Ballis und Wolfgang Kerwagen (v.l.n.r.) (Foto: Susanne Feicht)
Diskutierten auf dem Hesselberg über Welternährung: Peter Schlee vom Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg, Artur Auernhammer, Jürgen Bergmann, Erwin Ballis und Wolfgang Kerwagen (v.l.n.r.) (Foto: Susanne Feicht)

Unter den vielfältigen Workshop- und Diskussionsangeboten beim diesjährigen Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg mit dem Titel „Gemeinsam für die Welt“ war auch die Grüne Couch vertreten. Unter der Überschrift „Wie die Welt ernähren?“ war das Diskussionsformat des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach (AELF) diesmal der Frage gewidmet, welche Rolle westliche Länder dabei spielen, dass Hunger weltweit trotz hoher Produktivität und Überfluss noch immer ein Problem ist. Auf dem Podium saßen der agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Artur Auernhammer, Erwin Ballis, Geschäftsführer der Maschinenring Foundation, und Jürgen Bergmann, Leiter des Referats Bildung Global bei Mission EineWelt und landeskirchlicher Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst.

„Was geht der Hunger in der Welt uns an?“, ging Moderator Wolfgang Kerwagen, ehemaliger Leiter des AELF Ansbach, gleich zu Anfang des Gesprächs in die Vollen. „Die Ernährungssicherung der Welt liegt auch in unserer Verantwortung. Wir müssen unser Wissen und unsere Technologien – auch mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels und die Klimaanpassung – teilen und vor Ort die Menschen dazu in die Lage versetzen, sich selbst helfen zu können. So entstehen Perspektiven und Fluchtgründe werden minimiert,“ formulierte Auernhammer einen lange bekannten Anspruch der deutschen Politik, dessen konsequente Umsetzung jedoch in vielen Punkten bislang ausbleibt. Genau darauf wies Jürgen Bergmann hin. Für ihn ist es ein „Skandal, dass noch immer rund 800 Millionen Menschen weltweit hungern“. Denn schließlich, so der Agrarökonom weiter, wäre genug für alle da. Und er vergaß auch nicht, was gerne als „westliche Werte“ propagiert, aber in der ökonomischen und politischen Praxis gerne marginalisiert wird: „Für uns Christenmenschen gilt in unserer globalisierten Welt: Auch der ferne Nächste ist mein Nächster.“ Auch Erwin Ballis, der mitgeholfen hat, Maschinenringe unter anderem in Senegal, Kenia, Ruanda und Uganda zu etablieren, unterstrich: „Über 800 Millionen Menschen hungern, das wollen wir nicht akzeptieren.“

Auch als Artur Auernhammer sich für die Erhaltung der Ernährungssouveränität in die Bresche warf, die er auf keinen Fall gefährdet sehen will, griff Bergmann das Thema in globaler Perspektive auf. Er wies darauf hin, dass Internationaler Währungsfonds und Weltbank in den 1990er Jahren den Ländern des Globalen Südens das Gegenteil geraten hatten. Das Argument: Mit Exporterlösen aus Cash-Crops wie Baumwolle, Kaffee oder Kakao könne man billig Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt einkaufen und so Schulden abbauen. Die fatalen Folgen dieser Politik hätten sich unlängst wieder gezeigt, als im Zug des russischen Krieges gegen die Ukraine die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel dramatisch stiegen, erklärte der Entwicklungsexperte. Grundsätzlich herrschte immerhin Einigkeit auf dem Podium: Ernährungssouveränität müsse sein, in Bayern und in allen Ländern.

Im weiteren Verlauf ging es um die Praxis der Projektarbeit, die anhand von Filmen vorgestellt wurde.

Senegal beispielsweise könne sich aktuell nur zu 50 Prozent selbst versorgen, zeigte ein Film des Maschinenrings, den Erwin Ballis vorstellte. Fruchtbare Flächen würden nicht rechtzeitig bestellt, der Klimawandel reduziere die Feld-Vorbereitungszeiten weiter. Mechanisierung könne hier helfen, ob durch Ackergeräte oder bei der Verarbeitung der Ernte. Durch Anschubfinanzierung auf den Weg gebrachte Maschinenringe würden sich in kurzer Zeit selbst tragen. Die Ziele sind ambitioniert: „Unser Ziel ist es, in fünf Jahren Ernährungssouveränität zu erreichen. In zehn Jahren soll kein Mensch mehr an Hunger sterben“, fasste Ballis zusammen. Bergmann zeigte einen Kurzfilm über das Wasserprojekt im kenianischen Dorf Manooni, wo nun eine Schule sowie eine ganze Region mit sauberem Wasser versorgt wird. Über die Lutherische Kirche vor Ort konnte das Projekt mit Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern unterstützt werden. Bergmann betonte, dass die Projektidee und das weitere Konzept von den Bewohner*innen Manoonis kamen: „Mission EineWelt hat keine Projekte.“ Es stünden immer die Bedürfnisse der Menschen vor Ort als Partner im Fokus.

von Thomas Nagel