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Wissenslücken gefüllt – Gewerkschaftsaktivist aus PNG erklärt Bild des Malers Mathias Kauage

Wissenslücken gefüllt – Gewerkschaftsaktivist aus PNG erklärt Bild des Malers Mathias Kauage
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Füllte einige Wissenslücken bei Mission EineWelt: Gewerkschaftsaktivist Stanley Kaka (Foto: Nadine Reinert)
Füllte einige Wissenslücken bei Mission EineWelt: Gewerkschaftsaktivist Stanley Kaka (Foto: Nadine Reinert)

Stanley Kaka kam über das deutsche „Institut für Auslandsbeziehungen“ (ifa) nach Deutschland. Zum ifa gehört auch die Elisabeth-Selbert-Initiative. Sie bietet Menschen vorübergehend Schutz, die wegen ihres friedlichen Einsatzes für Menschenrechte in ihrer Heimat von Gewalt bedroht sind. Die vom Auswärtigen Amt geförderte Initiative gewährte Stanley Kaka 2025 einen sechsmonatigen Schutzaufenthalt und bot ihm in Berlin einen sicheren Aufenthaltsort.

Stanley Kaka stammt aus einem Dorf unweit des Gebiets Porgera in der Hochlandprovinz Enga. Jahrelang arbeitete er als chemisch-technischer Laborassistent für den Bergbaukonzern Porgera Mining in der gleichnamigen Gold- und Kupfermine. Dort gründete er die Gewerkschaft „Porgera Mine Allied Workers Union“. Diese leistete unter anderem erfolgreich Widerstand gegen die Einleitung von giftigen Chemikalien in die Flüsse rund um die Mine ging. Durch die Chemikalien verfärbten sich die Flüsse rot. Wolfgang Wendt, damals Mitarbeiter bei Mission EineWelt, fotografierte die Umweltverschmutzung Mitte der 1990er Jahre aus der Luft.

Der vergiftete Fluss im Porgera-Minengebiet (Foto: Wolfgang Wendt)

Die Minengesellschaft war alles andere als begeistert von Kakas Engagement für mehr Umweltschutz. Zudem mehrten sich gewerkschaftliche Beschwerden beim Minen-Management, weil häufig die Rechte von Mitarbeitenden und anderen auf dem Gelände Lebenden, insbesondere von Frauen, missachtet wurden. Auch das gefiel Kakas Vorgesetzten nicht. Als es in einem Stollen des Bergwerks zu Zusammenstößen kam, beschuldigte die Minengesellschaft den Gewerkschaftsgründer, zu den Drahtziehern zu gehören und kündigte ihm fristlos. Doch Kaka äußerte seine Kritik weiter öffentlich und organisierte Protestaktionen in den umliegenden Dörfern, bei denen es um Land- und Menschenrechte sowie um Umweltthemen ging.

Seines Erachtens haben die Konflikte in Porgera zwei Ursachen: zum einen die erheblichen Umweltschäden. Zum anderen, berichtet er, sei seinerzeit beim Bau der Mine Ende der 1980er Jahre zugesagt worden, dass die Ortsansässigen aus dem Minengebiet vernünftig umgesiedelt werden würden. Das sei jedoch nie passiert. Einige Bewohner*innen seien in neu erbaute Hütten in den Hügeln oberhalb des inzwischen verwüsteten Tals umquartiert worden. Laut Kaka rutschen diese inzwischen nach und nach die Hänge herab, weil durch den Rohstoffabbau die Landschaft erodiert. Andere seien aus Trotz in ihren alten Hütten wohnen geblieben und lebten weiterhin auf ihrem angestammten Gebiet, das nun zugleich Operationsgebiet von Porgera Mining sei. Wegen des Zuzugs von Ortsfremden sei es räumlich eng im Porgera-Tal geworden. Das habe zu Streit zwischen den alteingesessenen und den neu zugezogenen Minenangestellten geführt, und letztlich dazu, dass die Betreiberfirma ihren privaten Wachdienst und die Polizei gegen die dort lebenden Menschen und gegen Umweltschutz-Aktivisten wie ihn, die mundtot gemacht werden sollten, eingesetzt habe.

Irgendjemand – möglicherweise die Minengesellschaft? – hatte dann letztes Jahr eine lokale Polizeieinheit beauftragt und bezahlt, die Stanley Kaka in seinem Haus überfallen, schwer verprügelt und ihm Kamera, Laptop und Unterlagen weggenommen hat, so dass seine Familie um Leib und Leben fürchten musste und in die Hauptstadt Port Moresby floh. Der Aktivist selbst fand Zuflucht im besagten deutschen Schutzprogramm.

Während seines Deutschlandaufenthalts war Stanley Kaka auch einige Tage bei Mission EineWelt in Neuendettelsau. Dort half er einerseits bei der Inventarisierung von Objekten aus der Region Enga, die Mission EineWelt zugefallen waren. Anderseits erklärte er ausführlich das Progera-Minenbild des neuguineischen Malers Mathias Kauage aus dem Jahr 1996, das Mission EineWelt im Jahr 2001 gekauft hat. Mehr als die Eckdaten zu diesem Bild war bei Mission EineWelt vorher nicht bekannt. Kaka konnte auch sonst diverse „Bildungslücken“ füllen, was einzelne Bildelemente bedeuteten. Er benannte die Muscheln, die Frauen aus den vergifteten Flüssen angelten, und die Feldfrüchte in der lokalen Enga-Sprache. In der Bildkomposition erkannte er sogar eine traditionelle Hochland-Mythe wieder. Er demonstrierte auch die Nutzung der abgebildeten Werkzeuge.

Stanley Kakas ausführliche Erklärungen zum Bild von Mathias Kauage wurden auch filmisch festgehalten. Ein entsprechendes Video findet sich auf dem Youtube-Kanal von Mission EineWelt: https://youtu.be/0T8aIiWZiDU?si=P7vGAIolVZkF_AyX

Julia Ratzmann

von Thomas Nagel