• Klimagerechtigkeit

KLIMAWANDEL IN DEN PARTNERKIRCHEN

Angst als Antrieb für kollektives Handeln

Im Interview erklärt die Psychologischen Psychotherapeutin Elaine Suwito, die seit 2020 Mitglied bei Psychologist/Psychotherapists For Future e.V. ist, wie Klimaangst entsteht, und wie wir sie als Antrieb nutzen können, unser Verhalten positiv zu verändern.

Elaine Suwito

Elaine Suwito

Der Klimawandel und dessen Folgen machen vielen Menschen Angst, man spricht auch von Klimaangst, was bedeutet das eigentlich konkret?

Aus psychologischer Sicht kann man Klimaangst als eine angemessene emotionale Reaktion auf die aktuelle und drohende Gefahr verstehen, die durch die Klimakatastrophe und ihre Folgen entsteht. Es ist also keine pathologische „gestörte“ Reaktion, sondern durchaus gesund, da wir durch die Angst die Energie bekommen, die uns ins Handeln kommen lässt, sofern wir uns nicht von der Angst lähmen lassen. Kollektives Handeln ist das, was wir angesichts der Krise ja unbedingt brauchen.

Was kann helfen, um solche Gefühle der Klimaangst zu überwinden bzw. positiv zu nutzen?

Emotionen sind wichtig, da sie uns anzeigen, ob unsere Bedürfnisse erfüllt werden oder nicht, und uns dann entsprechend handeln lassen. Es geht also nicht darum, keine Klimaangst oder andere Klimagefühle zu haben, da wir ja sonst gar nicht begreifen würden, wie ernst die Lage für unser menschliches Überleben auf dem Planeten tatsächlich ist. Andererseits ist es wichtig, dass wir uns nicht von unseren Gefühlen überwältigen oder lähmen lassen. Erfahrungsgemäß ist es da sehr hilfreich, andere Menschen zu finden, mit denen es möglich ist, diese Gefühle zu teilen. Die Erfahrung, nicht allein damit zu sein, kann sehr entlasten. Und wir können überlegen, was wir persönlich tun können, um einen Beitrag zu leisten für Klima- und Umweltschutz. Das kann je nach persönlichen Ressourcen und Interessen ganz unterschiedlich sein: von Geld spenden, Müll sammeln bis selbst politisch aktiv werden. Durch das eigene Handeln kann ein Gefühl der Selbstwirksamkeit entstehen, das uns weniger hilflos und ängstlich macht und motiviert, weiter aktiv zu bleiben. Oft ist es auch hier gut, sich gleichgesinnte Menschen oder Gruppen zu suchen. Gemeinsam sind wir effektiver und haben meistens auch mehr Spaß!

Was verstehen Sie unter Klimagerechtigkeit?

Der menschengemachte Klimawandel wird verursacht durch die Treibhausgasemissionen, für die zu einem überwältigend großen Anteil die Gesellschaften im Globalen Norden verantwortlich sind, während die bereits heute schon spürbaren Folgen des Klimawandels vor allem die Menschen im Globalen Süden treffen, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Klimagerechtigkeit bedeutet, diese Tatsache anzuerkennen und entsprechend zu handeln. Das heißt konkret, dass die wohlhabenden Industrienationen die ihnen zufallende Verantwortung übernehmen und nicht nur jetzt so schnell wie möglich ihre Emissionen reduzieren, sondern gleichzeitig für die schon entstehenden Schäden in benachteiligten Regionen aufkommen sowie diese dabei unterstützen, sich an die zukünftigen klimatischen Veränderungen bestmöglich anzupassen.

Was ist Ihnen sonst noch zum Thema wichtig?

Die Klimakatastrophe macht uns deutlich, dass wir nur einen Planeten für alle Menschen haben und wir alle miteinander verbunden sind, deshalb kann nur ein gutes Leben für alle das Ziel sein. Dafür ist es aus meiner Sicht notwendig, dass wir Menschen uns als Teil der Natur verstehen und uns füreinander und für das Leben in all seinen Formen einsetzen. Dies führt darüber hinaus nachweislich zu einem erfüllteren, zufriedeneren Leben für uns selbst.

Warum engagieren Sie sich bei Psychologists/Psychotherapists For Future, was genau machen Sie da?

Bei Psy4F kann ich meine Kompetenzen als Psychologin und Psychotherapeutin einbringen, um zur Bewältigung der Klimakrise beizutragen. Denn die Klimakrise ist letztlich auch ein psychologisches Problem: Wir handeln als Menschheit nicht so, wie es eigentlich notwendig wäre, obwohl wir wissen, was zu tun wäre. Psychologisches Wissen kann helfen, dies zu verändern, beispielsweise durch die Art der Kommunikation. Dazu bieten Psy4F Vorträge, Workshops und ähnliches. Außerdem geht es um psychologische Unterstützung für Menschen, die durch die Klimakatastrophe verunsichert sind oder sich überfordert fühlen oder durch ihren Aktivismus in Konflikte geraten oder an Grenzen stoßen. Hier bin ich Teil einer Gruppe, die kostenfreie Beratung anbietet. Aktuell initiiere ich mit unserer Regionalgruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen ein regelmäßiges Klimacafé, das heißt, wir bieten einen geschützten Raum, in dem wir in entspannter Atmosphäre dazu einladen, uns über unsere Gedanken und Gefühle zur Klimakatastrophe auszutauschen. Dadurch können wir Verbundenheit und Entlastung erleben.

Interview: Gisela Voltz

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