„Mit keiner Gruppe bin ich bisher so viel unterwegs gewesen.“ Jandir Sossmeier hatte für 14 Tage die Banda Brasileira auf ihrer Tour durch Bayern begleitet. In zwei Wochen hat die brasilianische Samba-Formation 25 Konzerte gegeben. Das waren an manchen Tagen tatsächlich drei Auftritte. „Der >Gottes-Faktor< hat mitgespielt“ bekennt die Banda „mit seiner Unterstützung haben wir das geschafft.“ Wertvoll war v. a. der Austausch mit Chören und MusikerInnen aus Deutschland. Die Banda hat deutsche Stücke gelernt und brasilianische Lieder weitergegeben. In Schweinfurt haben SchülerInnen und Lehrkräfte regelrecht Feuer gefangen, so dass beide Seiten hoffen, dass es zu weiteren Begegnungen kommen wird. Auch politisch bildete sich die 14-köpfige Gruppe aus Curitiba/Südbrasilien weiter. Im Doku-Zentrum in Nürnberg informierten sie sich über die Geschichte des Nazi-Unrechtsstaats. Was Deutschland aus der Vergangenheit gelernt hat, fassen sie so zusammen: „Heute wollen die Deutschen in die Gegenrichtung gehen. Sie überlegen, wie sie Menschen in anderen Ländern helfen können oder wie sie diese willkommen heißen, wenn sie nach Deutschland gelangen.“ Die Mitglieder der Banda Brasileira sind Nachfahren von deutschen Auswanderern. Jene waren im 19./20. Jahrhundert nach Brasilien emigriert in der Hoffnung auf ein Stück Land und ein besseres Leben - Wirtschaftsflüchtlinge quasi. Die deutschen Traditionen wurden mehr oder weniger „eingefroren“. Mit Überraschung nahmen die Mitglieder der Banda Brasileira daher wahr, dass viele Vorstellungen von Deutschland nur Klischees sind - von wegen alle Deutschen seien steif und verschlossen. Ihre Erfahrung ist: Das Publikum lässt sich begeistern und in Bewegung bringen, auch über das Applaudieren hinaus. Die Folge war, dass am Ende jedes Konzertes Zugaben gefordert wurden, berichtet die Banda stolz. Beim Coburger Samba-Festival gab es dank Banda Brasileira zum ersten Mal einen offiziellen Samba-Gottesdienst auf der Bühne am Markt. Die Brasilianer stellten fest: Auch in Deutschland gibt es den Wunsch nach mehr Lebendigkeit und offenen Formen im Gottesdienst. Ein Tipp aus Brasilien an Bayern: Wenn die Sehnsucht nach Samba und Capoeira mal wieder unerträglich werden sollte – in Weimar gibt es eine Escola Popular unter brasilianischer Leitung, die lässt sich auch gerne nach Franken und Bayern einladen! Adeus Almanha - und eine kulinarische Anregung werden sie aus Deutschland in ihre Heimat mitnehmen: Döner schmeckt allen!