Fotos auf hohem Niveau – GewinnerInnen des MEW-Fotowettbewerbs stehen fest

Platz 3: Alina Waitzmann/Kinder des Arranta Stammes beim Reiten – ein typisches Bild für Hermannsburg, eine Aboriginal Community in Zentral Australien: Sandwege, Plastikmüll, kaputte Autos, Pferde und eine Gruppe von Kindern, die aus dem Vorhandenen etwas Großartiges machen.

Platz 2: Eva Frank/Eine Schülerin der dritten Klasse feiert ihren Geburtstag und Weihnachten am selben Tag. Das Mädchen Yalixsa hat am 24. Dezember Geburtstag und feiert ihn so gleichzeitig mit Weihnachten. Wie an den meisten besonderen Festen, werden auch hier Wunderkerzen und Feuerwerkskörper angezündet.

Die Auswahl fiel in diesem Jahr besonders schwer, so hoch war das Niveau beim diesjährigen Fotowettbewerb für Freiwillige von Mission EineWelt. Die TeilnehmerInnen aus dem IEF (Internationale Evangelische Freiwilligendienste)-Programm hatten 37 Bilder eingereicht. Die sechsköpfige Jury kürte vier Siegerfotos.

Der mit 300 Euro dotierte 1. Preis des Wettbewerbs geht an Larissa Kellner. Sie fotografierte im Januar 2017 einen Jungen, der am Busterminal im bolivianischen Tarija täglich Getränke verkauft, mit seinem Handwagen. Die Jury war beeindruckt von der „Komposition des Bildes, die einen deutlichen Eindruck der Tristesse vermittelt, in der insbesondere Kinder gefangen sind, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen müssen“.

Platz 1: Larissa Kellner/An jeder Ecke auf Boliviens Straßen verkaufen Einheimische Snacks, Getränke, Essen etc. Die Verkäufer sind meist Frauen, doch es sind auch sehr viele Kinder dabei. Dieses Bild zeigt einen Jungen, der Getränke an die Menschen am Busterminal verkauft, und das täglich.

Platz 2, honoriert mit 200 Euro, belegt ein Foto von Eva Frank, das ebenfalls in Bolivien gemacht wurde. Nach Ansicht der Jury hat sie am 24. Dezember 2016 in Barrio Paraíso „genau im richtigen Augenblick auf den Auslöser gedrückt und in einer schönen und gelungenen Momentaufnahme pralles Leben eingefangen“. Zu sehen ist ein Mädchen, das an Heiligabend Geburtstag feiert und sich über eine Funken sprühende Wunderkerze freut.

Platz 3: Vanessa Krauß/Füße – Vanessas schlammverkrustetes Fußpaar in Sandalen auf trockenem Boden umgeben von grünen Grashalmen

Über Platz 3 und jeweils 100 Euro dürfen sich in diesem Jahr zwei Teilnehmerinnen freuen: Alina Waitzmann, die in Australien Kinder des Arranta Stammes beim Reiten fotografierte, und Vanessa Krauß für ihre zum Stillleben arrangierten schlammverkrusteten Füße in Nicaragua.

Zur Jury des Fotowettbewerbs gehörten in diesem Jahr Claus Laabs von der Evangelischen Medienzentrale sowie für Mission EineWelt: Hanns Hoerschelmann (Direktor), Jürgen Bergmann (Leiter des Fachreferats Entwicklung und Politik), Sergio Rios Carrillo (Ökumenischer Mitarbeiter im Referat Entwicklung und Politik), Lea Kraus (ehemalige Freiwillige im IEF-Programm) und Thomas Nagel (Leiter Presse/Medien).

Lebendige Partnerschaft: die Dekanate Karimui und Heidenheim

Die Partnerschaft des Dekanats Heidenheim mit dem Dekanat Karimui in Papua-Neuguinea gibt es schon lange. Seit über 30 Jahren regelmäßig Besuchsreisen statt. Das Schöne dabei: Die Reisenden sind nicht die Selben wie vor 30 Jahren. Immer wieder beleben jüngere Menschen die Partnerschaft.

Im Jahr 2016 war eine Jugenddelegation aus Papua-Neuguinea vier Wochen im Dekanat Heidenheim. Den Besuch organisierte ein Team um den damaligen Dekanatsmissionspfarrer Roland Kelber. Von 7. August bis 3. September 2017 fand der Gegenbesuch statt. Sechs Jugendliche aus dem Dekanat Heidenheim machten sich auf die Reise ins Hochland von Papua-Neuguinea, um dem Partnerdekanat einen Besuch abzustatten.

Die vierwöchige Reise unter der Leitung von Katharina Vogl war sehr gut vorbereitet. Für die teilnehmenden Jugendlichen wurde sie zu einem höchst beeindruckenden Erlebnis.

Die Auswertung des Erlebten einen Monat nach der Rückkehr aus Papua-Neuguinea zusammen mit Gerhard Stahl, bei Mission EineWelt zuständig für Partnerschaften mit dem Raum Papua-Neuguinea/Pazifik/Ostasien, förderte manch interessante Erkenntnis zu Tage.

Antworten auf die Frage, was die Teilnehmenden gelernt hätten, waren: „Wir wollen mehr im Hier und Jetzt leben, nicht so verplant werden.“ oder „Alles locker sehen und  mit mehr Gelassenheit“. Auch, dass der christliche Glaube im Alltag präsenter ist als in Deutschland, hat die Jugendlichen beeindruckt.

Die jungen Leute in Papua-Neuguinea fanden auch so einiges erstaunlich: zum Beispiel, dass die Jugendlichen aus Deutschland sich nicht zu schade waren, sich im Fluss zu waschen und kein extra Toilettenhäuschen brauchten. Neben diesen ganz praktischen Fragen ging es auch um die Rollen von Mann und Frau. Die Gleichberechtigung in der Gruppe der deutschen Teilnehmenden wurde ebenso bestaunt wie das selbstbewusste Auftreten der Frauen.

Ungewöhnlich fanden es die Menschen in Karimui auch, dass Katharina Vogl, obwohl frisch verheiratet, ihren Mann nicht mitbrachte und so viel Zeit für die Kirche opferte.

Wenn es in Karimui Probleme gibt, machen die Menschen Theater. In kleinen Szenen spielen sie sich den „Frust von der Seele“. Sehr realistisch wurden handgreifliche Auseinandersetzungen umgesetzt, wenn etwa der Mann bei einer weit entfernten Firma arbeitet und dort eine andere Frau hat.

Sehr beschäftigt hat die Heidenheimer, dass es auch in so entlegenen Gegenden wie Karimui Straßenkinder gibt, die keine Familie mehr haben und um die sich kaum jemand kümmert. Ein Sozialsystem wie in Deutschland gibt es dort nicht. Dessen Funktion übernimmt in der Regel die Großfamilie. Fällt dieses soziale Netz weg, gibt es kein weiteres.

Für die sechs Reisenden beginnt nun die Zeit des Erzählens. In den kommenden Wochen und Monaten werden sie überall im Dekanat von ihren Erlebnissen im Partnerdekanat berichten. Aber damit nicht genug: Alle wollen von nun an auch im Partnerschaftskreis des Dekanats Heidenheim mitarbeiten. Um das Weiterbestehen und die Lebendigkeit der Partnerschaft zwischen den Dekanaten Heidenheim und Karimui muss man sich keine Sorgen machen.

Dazu, dass diese Reise so stattfinden konnte, haben viele Menschen beigetragen: Alamole Palai, eine Freiwillige aus Papua-Neuguinea, die ein Jahr lang im Dekanat Heidenheim war, half den Jugendlichen bei der Vorbereitung. Pfarrer Horst Gerber, als Seniorexperte immer wieder in Papua-Neuguinea, war als wichtiger Vermittler tätig. Mission EineWelt unterstützte die Teilnehmenden unter anderem durch Pidgin-Sprachkurse.

Gerhard Stahl

,

Mein Handy: fair und nachhaltig? – Ein Gottesdienst

Im Sonntagabendgottesdienst am 8. Oktober 2017 in Schwabach-Unterreichenbach war das Handy Thema, genauer: die Rohstoffe, aus denen es gemacht wird, und die HandyAktion Bayern. Zur Einstimmung führte Gemeindepfarrer Werner Konnerth den GottesdienstbesucherInnen vor Augen, wie intensiv wir uns alltäglich mit diesem Gerät beschäftigen: Im Schnitt rund 76 Mal am Tag werde ein Handy täglich entsperrt, bemühte er die Statistik. Das Umweltteam der Gemeinde machte dann in einem szenischen Anspiel auf die sozialen und ökologischen Folgen unseres Handykonsums aufmerksam.

In ihrer Predigt zu 1.Kor 12 fragte Pfarrerin Gisela Voltz von Mission EineWelt: „Was ist es mir wert, dass andere Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können?“ Sie erinnerte an die gegenseitigen Abhängigkeiten in der globalisierten Welt und an die Folgen der praktizierten globalen Ungerechtigkeit: Klimawandel, übermäßige Ressourcenausbeutung, Kriege (um den Zugang zu Ressourcen), Flucht und Vertreibung und die immer weiter sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich. Nur durch gemeinsame Anstrengungen ließen sich diese Probleme lösen. Dazu, so Voltz, könne JedeR Einzelne durch verantwortliches Konsumverhalten, die Unternehmen durch das Einhalten sozialer und ökologischer Standards entlang der Produktionsketten sowie die Politik durch die Einführung verbindlicher und fairer Regeln zum Beispiel für den Umweltschutz oder den Welthandel beitragen.

Des Weiteren stellte Voltz die HandyAktion Bayern www.handyaktion-bayern.de vor.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst vom Gospelchor Sanjola aus Nürnberg.

Freude über Friedensnobelpreis

Mission EineWelt gratuliert der International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN) zum diesjährigen Friedensnobelpreis.

Zum Aktionsbündnis ICAN gehören 450 Nichtregierungsorganisationen in 100 Staaten. Sie engagieren sich für die weltweite Ächtung von Atomwaffen und setzen sich für Abrüstung ein. ICAN Gemeinschaft tritt weltweit für Frieden ein und bemüht sich vor allem um die Völkerverständigung in den Krisenregionen. Damit steht das Aktionsbündnis in einer friedenspolitischen Tradition, der sich auch Mission EineWelt verpflichtet fühlt.

Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sind Kernziele der Arbeit des kirchlichen Zentrums mit seinen überseeischen lutherischen Partnerkirchen.

Seit über einem Jahrzehnt beteiligt sich Mission EineWelt deshalb jährlich mit einer Mahn- und Gedenkveranstaltung am Hiroshima-Tag. An jedem 6. August wird hier weltweit der rund 200.000 Toten des ersten amerikanischen Atombombenabwurfs 1945 auf die japanische Stadt Hiroshima gedacht.

Mission EineWelt unterstützt aber auch ganz konkret mit jährlichen finanziellen Zuwendungen die Atomtestveteranen in Französisch-Polynesien. In der Organisation „Moruroa e tatou“ (Moruroa und Wir) haben sich rund 3.500 ehemalige Angestellte des französischen Atomtestgeländes auf dem Atoll Moruroa sowie ihre Angehörigen zusammengeschlossen. Mit Unterstützung der protestantischen Kirche von Tahiti kämpfen diese gesundheitlich stark beeinträchtigten Arbeiter um die Anerkennung ihrer Leiden als direkte Folge der radioaktiven Verstrahlung durch die 193 französischen Atomtests zwischen 1966 und 1996.

Mit seinem Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt folgt Mission EineWelt einem Beschluss der bayerischen Landessynode vom Herbst 2010. Damals hatte das Kirchenparlament seine ablehnende Haltung zur Kernenergie und zur Nutzung von Atomwaffen mit einem Eilantrag deutlich gemacht. Kernenergie, auch mit der ungeklärten Frage der Endlagerung, ist aus Sicht der ELKB mit dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, nicht zu vereinbaren.

Julia Ratzmann

Mein Handy – Leid im Kongo?

Im Rahmen der HandyAktion Bayern und der Fairen Woche referierte der im Kongo geborene Dr. Jean-Gottfried Mutombo, ökumenischer Mitarbeiter beim Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWE), bei den Hofgesprächen am 29. September 2017 in Nürnberg zum Thema Rohstoffabbau für IT-Geräte. Seine These: Ein Handy sei zwar aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken, aber ebenso sei zu bedenken, dass es bei der globalen Wertschöpfungskette der Handyherstellung GewinnerInnen und VerliererInnen gebe, ProfiteurInnen und Ausgebeutete.

Die Geschichte der Ausbeutung des Kongos geht weit in die Kolonialgeschichte zurück und reicht von Sklavenhandel über Kautschukabbau bis hin zum Rohstoffabbau von wertvollen Metallen wie Kobalt, Coltan und Kupfer. „Der Kongo ist ein sehr rohstoffreiches Land, doch der bittere Kontrast dazu ist, dass 77 Prozent der kongolesischen Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag leben, die durchschnittliche Lebenserwartung 52, 46 Jahre beträgt und frisches Wasser und Strom nur für knapp 7 Prozent der Bevölkerung zugänglich ist“, erklärte Mutombo. Er berichtete von seinen Besuchen in Tansania, bei denen er LKWs beobachtete, die, beladen mit Rohstoffen aus dem Kongo, in Richtung Uganda zum internationalen Flughafen fuhren: „Ich war so wütend, als ich sehen musste, wie der Reichtum einfach aus dem Land getragen wurde“, erzählte er. Rohstoffschmuggel ist im Kongo ein weit verbreitetes Phänomen und läuft Hand in Hand mit den Nachbarländern Uganda und Ruanda. Der Gewinn aus Förderung und Verkauf der Rohstoffe steht dadurch nur einem kleinen Teil der kongolesischen Bevölkerung zur Verfügung.

Ein Handy enthält um die 30 Metalle. Einige davon, wie Kobalt und Tantal, werden zum großen Teil im Kongo abgebaut. Der Rohstoffabbau erfolgt oft durch Kinderarbeit, er bringt Menschenrechtsverletzungen sowie Umweltzerstörung mit sich. Bis dato gibt es keine gesetzliche Grundlage, die diese Missstände tatsächlich verhindert. Im Gegenteil: Korruption und Straßenbau-Deals mit China, in deren Rahmen die Infrastruktur im Kongo zu Gunsten des Rohstoffhandels aufgebaut wird, sorgen dafür, dass die Ausbeutung weitergeht.

Handyverträge, die die regelmäßige Ausstattung der KundInnen mit den neuesten Handymodellen beinhalten, erhalten diese Ausbeutungskette ebenfalls aufrecht. Immer mehr, immer schneller, immer neuer – ein Handy alle zwei Jahre zu wechseln, ist heutzutage die Regel, nicht die Ausnahme. Dabei stellen sich viele Menschen nicht die Frage, wer die wahren Kosten für die digitale Mobilität trägt. Was steht hinter dem Preis der Geräte: hohe Qualität und Modernität? Vielleicht. Gleichermaßen aber, wie Dr. Mutombo es beim Namen nannte: „Blut, Menschenrechtsverletzungen und großes Leid“.

Die HANDYAKTION Bayern möchte auf diese Missstände aufmerksam machen und zum Handeln auffordern. Weniger Rohstoffverbrauch durch Recycling baut politischen Druck auf Unternehmen auf und kann langsam zu einem gesellschaftlichen Umdenken führen. Denn weniger ist in manchem Kontext mehr, viel mehr.

Katja Görgen, Praktikantin im Referat Entwicklung und Politik

Weitere Infos zur Handyaktion unter www.handyaktion-bayern.de

Alle Jahre wieder: Erntegaben aus Barthelmesaurach

KonfirmandInnen aus der Kirchengemeinde Barthelmesaurach im Dekanat Schwabach brachten auch dieses Jahr wieder Erntegaben aus ihrer Gemeinde zu Mission EineWelt. Das ist inzwischen schon ein jahrelanger, schöner (!) Brauch.

Bei Mission EineWelt sind Kürbisse, Krautköpfe, Kartoffeln und dergleichen mehr bestens aufgehoben: Sie werden in der Küche der Tagungsstätte zu einem schmackhaften Mittagessen verwandelt.

Diakon Gerhard Stahl vom Referat Partnerschaft und Gemeinde nahm am 2. Oktober 2017 die Gaben in Empfang und bedankte sich bei den KonfirmandInnen mit einer kurzen Führung durch die neugestaltete Ausstellung von Mission EineWelt.

 

Weltweit miteinander unterwegs

Während des festlichen Erntedankgottesdienstes in der Erlöserkirche Dingolfing wurde Pfarrer Penga Nimbo am 1. Oktober 2017 in sein Amt eingeführt. Pfarrer Nimbo, seine Frau Paulina und ihre Kinder Tono und Pileru kommen von der Evangelisch-Lutherischen Kirche aus Papua-Neuguinea. Sie werden im Rahmen des Programms „Ökumenische Mitarbeitende aus unseren Partnerkirchen“  für die nächsten vier Jahre in Dingolfing, Dekanat Landshut, leben und arbeiten. Das Dekanat Landshut hat seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit den Dekanaten Jalibu und Imbongu in Papua-Neuguinea.

Pfarrer Penga Nimbo stellt seine AssistentInnen, Pfarrerin Sabine Wiegmann, Dingolfing, Hofagao Kaia-Hauth, Allersberg und Pfarrer i. R. Werner Strauß, Neuendettelsau vor.

„Miteinander unterwegs zu sein“, sei sowohl Gabe als auch Aufgabe für die Familie aus Papua-Neuguinea und für die Gemeindeglieder und KollegInnen in Dingolfing sowie im Dekanat insgesamt, betonte Pfarrerin Reinhild Schneider, Leiterin des Referats Partnerschaft und Gemeide bei Mission EineWelt, in ihrer Ansprache. Anregungen, wie dieses Miteinander gelingen kann, gaben von Kindern aus Dingolfing gespielte Szenen und die Vorstellung der Erntedank-Traditionen in Papua Neuguinea. Zahlreiche internationale Gäste sowie ein weltmusikalisches Musikprogramm mit Posaunenchor, Singkreis, Trommelgruppe und Gospelchor demonstrierten die Vielfalt der weltweiten Kirche und des Gemeindelebens. Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus wurde die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung intensiv genutzt.

Katharina Luther

Fernsehfilm von Julia von Heinz

Der Film schildert die Lebensgeschichte der Katharina von Bora, die, tief bewegt von Martin Luthers Schriften, ihr Leben als Nonne im Kloster aufgibt und es verlässt. Gegen den Willen ihrer Familie, ohne Einkommen und rechtliche Stellung flieht sie nach Wittenberg und kommt als Magd im Haushalt Cranach unter.

Im Jahr 1525 heiratet sie Martin Luther. Die eigenwillige, selbstbewusste Frau beeinflusst ihren Ehemann und wird eine gleichberechtigte Partnerin und Mutter von sechs Kindern. Der Streit um den Kauf des Anwesens ihrer Familie und der Tod der Tochter Magdalena entzweien die Eheleute jedoch voneinander.

Länge: 105 Minuten, FSK 12

„Katharina Luther“ ist am Mittwoch, 25. Oktober 2017, um 19.30 Uhr im Otto-Kuhr-Saal (Hauptstraße 2 in Neuendettelsau) zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

,

Bereit sein für die Nachfolge in der multikulturellen Welt

Pfarrerin Dr. Claudia Jahnel folgt Ruf an die Ruhr-Universität Bochum

Mit einem Gottesdienst und einem festlichen Empfang haben Mitarbeitende von Mission EineWelt, Vertreter/innen kirchlicher Gremien, Wegbegleiter/innen und Freunde/innen Pfarrerin Dr. Claudia Jahnel verabschiedet. Für knapp zehn Jahre leitete sie das Referat „Mission Interkulturell“ bei Mission EineWelt.
Als Bildungsreferentin des bayerischen Zentrums für Mission, Partnerschaft und Entwicklung setzte die habilitierte Theologin Akzente bei der Weiterentwicklung des Veranstaltungsangebots. Ob akademische Tagungen, überkonfessionelle Studienwochen, Podiumsdiskussionen, Seminare oder Sprachkurse – wichtig war Jahnel stets ein warmherziger Umgang und der Respekt vor den Menschen und ihren jeweiligen Herkunftskulturen. Zu ihrem Herzensanliegen machte sie die jährliche „Summer School“, ein unter einem religiösen Thema stehendes Fort- und Weiterbildungsangebot für kirchliche Mitarbeitende aus den Partnerkirchen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Dr. Claudia Jahnel verabschiedet sich von Mitarbeitenden und Gästen

In der Ansprache zu ihrer Verabschiedung ging Jahnel auf das Thema der „Nachfolge“ ein. Ausgehend von den Überlegungen des protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer erklärte Jahnel, sie verstehe den Ruf zur Nachfolge als Einladung, sich zum christlichen Glauben offen zu bekennen. Im Begriff der Nachfolge sei die Aufforderung enthalten zum mutigen Handeln in einer multireligiösen und multikulturellen Welt voller politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. In der Nachfolge von Jesus Christus zu stehen bedeute auch, im fremden Gegenüber das Antlitz Gottes zu sehen. In ihrer Zeit bei Mission EineWelt habe sie viel Persönliches und Akademisches gelernt und dabei vor allem von der freundlichen „Kultur des Willkommens“ auf allen kirchlichen Ebenen profitiert. Die Begeisterung über das interkulturelle Umfeld von Mission EineWelt und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu einem weltweiten Austausch mit „Herz und Kopf“ wolle sie mit zu ihren Studierenden am künftigen Arbeitsplatz Bochum nehmen, erklärte die engagierte Theologin mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Direktorin Dr. Gabriele Hoerschelmann überreicht Blumen zum Abschied

Das Interesse an anderen Kulturen und Menschen war Jahnel quasi in die Wiege gelegt worden. Als Kind einer bayerischen Pfarrersfamilie wurde die 49-Jährige in Dar es Salaam in Tansania geboren und verbrachte dort und später dann in Nairobi (Kenia) ihre Kindheit. Nach einem Praxisjahr in Lima (Peru) studierte Jahnel Theologie an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau sowie an Universitäten in Bonn, Iowa (USA) und Tübingen. Vor ihrer Tätigkeit bei Mission EineWelt war sie Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften der Universität Erlangen. 2015 wurde die zweifache Mutter mit einer Arbeit über kulturwissenschaftliche Analysen in der afrikanischen Theologie zur Privatdozentin habilitiert. Nun folgt sie als Leiterin des Lehrstuhles für interkulturelle Theologie einem Ruf an die Evangelisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität in Bochum.

Talk nach der Wahl

Nürnberger Stadträtinnen und Stadträte stellen sich der Diskussion

Einen Tag nach der Bundestagswahl diskutierten die entwicklungspolitischen SprecherInnen der Fraktionen des Nürnberger Stadtrates über den Ausgang der Wahl im Forum des Nürnberger Handwerkerhofes. Im Zuge der #Hofgespräche zur Fairen Woche 2017 standen dabei die möglichen Auswirkungen des Wahlausgangs für die weitere Umsetzung der „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ der Vereinten Nationen im Fokus.
Hintergrund: Bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung (engl: sustainable development goals) handelt es sich um Zielsetzungen, die dabei helfen sollen, die Zukunft unseres Planeten zu sichern. Die nachhaltigen Entwicklungsziele wurden von den Vereinten Nationen nach Ablauf der Milleniums-Entwicklungsziele beschlossen. Bis 2030 sollen alle Staaten die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in der ganzen Breite ihres Handelns umsetzen – also sowohl im Hinblick auf wirtschaftliche Weichenstellungen, als auch in den Punkten soziale Verantwortung und Klimaschutz. Doch nicht nur die Staaten, auch die Kommunen und die Zivilgesellschaften sollen und müssen dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Neu an den nachhaltigen Entwicklungszielen ist, dass auch die westlichen Industrienationen als „Entwicklungsländer“ in den Blick kommen. Denn gerade diese sind mit ihrem Lebensstil und ihren Wirtschaftsstrukturen eine der Hauptverursacher von Klimawandel und sozialem Ungleichgewicht in dieser Welt.

„Mit dem Ausgang der Wahl kann wahrscheinlich keiner von uns so richtig glücklich sein“ – diese Einschätzung von Jürgen Bergmann (Mission EineWelt) zu Beginn der Diskussion gab die Grundstimmung nach den Ergebnissen des Wahlabends recht gut wieder – manche der an diesem Abend versammelten Personen hätte wohl auch noch deutlichere Worte für die krassen Verluste der beiden großen Volksparteien und den Einzug von rechtsnationalen Ansichten in den Bundestag gefunden. Auch auf dem Podium herrschte ein wenig Katerstimmung – der Wahlkampf war lange und Christine Kayser (SPD), Dr. Otto Heimbucher (CSU) und Britta Walthelm (Grüne) hatten sich ganz schön ins Zeug gelegt. Allein Britta Walthelm hatte jedoch mit dem guten Ergebnis der Grünen in Nürnberg einen guten Grund zur Freude mitgebracht. „Wir haben die Stimmung in der Stadt schon immer besser als die Umfragen wahrgenommen“. Und auch das Klinkenputzen im Vorfeld der Wahl, habe ihr richtig Spaß gemacht.
Doch wie nun umgehen mit diesem Wahlergebnis? „Es steht uns in den nächsten Wochen noch einiges bevor“, so Otto Heimbucher, der damit die anstehenden Koalitionsverhandlungen, aber auch die bevorstehenden Diskussionen in der CDU/CSU vor Augen hatte. Er betonte, dass es wichtig sei, die WählerInnen zurückzugewinnen und sich zugleich ganz klar von rechtem Gedankengut abzugrenzen. Vor dem anstehenden Landtagswahlkampf sind von Seiten der CSU eventuell kantigere und härtere Töne zu erwarten.
Gefragt nach den Wünschen für die anstehende Regierungsbildung zeigten sich die 3 Diskutierenden optimistisch. Christine Kayser betonte, wie wichtig es ist, sich zu einem solidarischen Europa zu bekennen und für Offenheit und Menschenrechte einzutreten. Die SPD wird in den folgenden vier Jahren aus der Opposition heraus diese Themen setzen und als Oppositionsführerin zugleich verhindern, dass die AfD mit ihren Themen den politischen Diskurs bestimmt. Diese habe im Wahlkampf ohnehin schon zu viel Raum eingenommen.
Otto Heimbucher wünschte sich von der neuen Regierung die Durchsetzung eines europäischen Entwicklungsministers. Denn nur gemeinsam können die anstehenden Herausforderungen angegangen werden. Auch mehr Kohärenz von Entwicklungsministerium und Wirtschaft würde er befürworten. In genau diesem Punkt könnte jedoch eine Zusammenarbeit mit der FDP schwierig werden. Britta Walthelm betonte den Wunsch der Grünen, die Handelsverträge neu zu verhandeln. Eine grenzenlose Liberalisierung der Wirtschaft schade den afrikanischen Handelspartnern Deutschlands und nutze am Ende niemandem. Sie hoffe sehr, dass die FDP davon weg kommt, nur auf die Interessen der deutschen Wirtschaftskonzerne in Afrika zu schauen. Im Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen sieht Heimbucher auch kritisch, dass die FDP auf eine Lockerung der Rüstungsexporte drängen könnte. In jedem Fall werden die Gespräche schwierig werden. Für Britta Walthelm ist es zudem entscheidend, wie viel Klima- und Umweltschutz die Grünen bei Verhandlungen durchsetzen können. Der Kohleausstieg nehme dabei eine wichtige Rolle ein.
In einer letzten Runde wurden die PodienteilnehmerInnen nach ihren Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung Nürnbergs gefragt. Viel ist schon auf dem Weg, betonte Christine Kayser. Zu vielen Dingen gibt es bereits erarbeitete Papiere, doch es scheitere häufig an der Umsetzung. „Das ist oft ganz schön anstrengend – wenn dieser noch dieses und jener noch jenes abändern will.“ Bei dem Ausbau der Fahrradwege sei dies zum Beispiel der Fall. Für viele seiner Parteifreunde sei das Auto das Hauptverkehrsmittel, so Heimbucher. Und faktisch sei dies ja auch in Nürnberg so. Da ist es oft eine schwierige Diskussion, wenn für Radwege Parkplätze weichen müssen. Walthelm wünschte sich von ihren Stadtrats-KollegInnen, diese Punkte gemeinsam mit ihr weiter voranzutreiben. Auch ein wenig Druck von außen, also von Seiten der BürgerInnen, kann da nicht schaden, stimmten alle drei einmütig ein. Die Politik und auch sie selbst seien in ihrer Arbeit darauf angewiesen. Nur dadurch kann etwas schnell vorankommen. Gerade positive Beispiele aus anderen Städten oder Ländern, die an sie herangetragen werden, seien sehr hilfreich.
Neben den Fahrradwegen sind für Britta Walthelm auch der soziale Wohnungsbau und die Verhinderung der weiteren Flächenversiegelung wichtige Themen. Positiv führte Otto Heimbucher noch an, dass die nachhaltige Beschaffung im öffentlichen Sektor bereits ganz gut angelaufen sei – allerdings gebe es auch da noch sehr viel zu tun.
Einig war sich das Podium, dass auch in Punkto Städtepartnerschaft mehr im Hinblick auf Themen der nachhaltigen Entwicklung getan werden kann. „Die Bauern im Knoblauchsland können sicher bei Themen wie Tröpfchen-Bewässerung und Wassereinsparung noch einiges von unseren Partnern lernen“, so Britta Walthelm. Und auch sonst könne eine thematische Zusammenarbeit bei Themen wie zum Beispiel dem Klimawandel angestrebt werden. „Die Frage des Klimawandels können wir auch gut mit unserem nordamerikanischen Partner diskutieren“, so Otto Heimbucher. Ob bei diesen Themen neben den klassischen Städtepartnerschaften auch eine Zusammenarbeit mit den hier lebenden Gruppen von MigrantInnen möglich sein wird, wird sich zeigen. Da liege in Nürnberg jedenfalls ein großes Potenzial.