Partnerschaftsgruppe aus Rio de Janeiro zu Besuch im Partnerdekanat Schweinfurt

„Die Unterschiede in Sprache, Kultur und Lebensbedingungen trennen uns nicht. Viel stärker sind die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden.“ Das betonen die Mitglieder einer siebenköpfigen Partnerschaftsgruppe aus Brasilien, die zurzeit in Bayern auf Besuch ist. Seit 1987 besteht die Partnerschaft zwischen den vier kleinen lutherischen Gemeinden in der brasilianischen 12-Millionen-Metropole Rio de Janeiro und dem eher ländlichen bayerischen Dekanat Schweinfurt. Und seit vielen Jahren besuchen sich die Aktiven gegenseitig, um sich zu unterstützen und noch besser kennenzulernen.

„Die Partnerschaft mit Schweinfurt hilft uns, vor allem Projekte in der Jugendarbeit voranzubringen“, übersetzt Pfarrer Rolf Rieck aus der Martin-Luther-Gemeinde in Rio seine brasilianischen Kolleginnen und Kollegen. Gerade in der Jugendarbeit hätten die lutherischen Gemeinden noch Nachholbedarf. Grundlage zwischen den bayerischen und brasilianischen Partnern bei dieser gemeinsamen Arbeit sei der gemeinsame Glauben und die gleichen Ziele, auch wenn die Partner mit unterschiedlicher Sichtweise an die Themen herangingen. Die bestehenden Unterschiede würden nur dazu zwingen, sich deutlich verständlich zu machen. Das gelänge aber gut.

Die gerade zu Ende gegangene Fußball-Weltmeisterschaft sei teilweise eine konfuse Zeit gewesen. Gestiegene Preise, Verkehrschaos, abgeriegelte Stadtteile, Wohnungskündigungen, weil während der WM höhere Mieteinkünfte lockten, das war die eine Seite der Medaille. Viele Stadtbewohner wären in der Zeit einfach weggegangen, um dem Rummel zu entkommen. Die andere Seite sind Investitionen in die Infrastruktur wie Straßen, Busse, U-Bahnen, die bleiben. Und das brasilianische Volk habe sich als guter Gastgeber gezeigt. „Wir haben das gut gemacht“, darin war sich die Gruppe einig. Allerdings bliebe die Frage, warum das ganze Geld „nicht in die medizinische Versorgung oder die Bildung geflossen“ sei. Mit Schweinfurt zusammen werde man die angefangenen Projekte, wie die Kindertagesstätte in Ipanema, fortsetzen.

Ins Stocken geriet das Gespräch nur bei der Frage, was die brasilianischen Gäste ihren bayerischen Mitchristen unbedingt mal sagen wollten, aber bisher nicht getan haben. Der Grund dafür kam nach einem mehrminütigen Austausch in der Landessprache Portugiesisch mit der Antwort. Es sei für die Brasilianer eine gute Übung, von sich zu sprechen. Deshalb erwarten sie einen offenen Dialog mit den bayerischen Mitchristen. „Wir wollen hören und gehört werden.“ Sie wollten mehr erfahren von den Partnern in Bayern und deren Sicht besser kennen lernen. „Damit bekommen die Kontakte Gesichter.“

Und die beiden Vertreterinnen aus Schweinfurt meinten auf die Gegenfrage nach dem, was sie den Partnern in Brasilien schon lange mal sagen wollten. Es seien wirklich tolle Partner, die vom Herzen her reden. In Schweinfurt werde bewundert, was die vier kleinen Gemeinden in Rio an sozialen Herausforderungen stemmen.

Noch bis zum 8. August wird die Partnerschaftsgruppe aus Brasilien überwiegend im Dekanat Schweinfurt, aber auch auf den Spuren Martin Luthers in Wittenberg und Erfurt unterwegs sein, bei Veranstaltungen mitwirken, an Besichtigungen teilnehmen, viele Gespräche führen und gemeinsame Themen bearbeiten.