Überwältigender Ansturm beim Alternativgipfel in München

Am 3. und 4. Juni fand der Internationale Gipfel der Alternativen mit um die 1.000 Teilnehmenden und 68 Referentinnen und Referenten aus aller Welt in München statt und endete mit Abschlusskundgebung und Großdemonstration von rund 35.000 Menschen gegen die Politik der G7 „TTIP stoppen! Klima retten! Armut bekämpfen!“.

Die Veranstalter, ein Trägerkreis von 38 Kooperationspartnern aus Kirchen, Politik, Gewerkschaften, Umweltschutz, Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen, waren überrascht von dem Ansturm auf den Alternativgipfel. In der Begrüßung kritisierte Gisela Voltz von Mission EineWelt das von den G7 vorangetriebene Wirtschaftsmodell als nicht nachhaltig, vielmehr verschärfe es die sozialen Ungleichheiten und bringe unseren Planeten an die ökologischen Grenzen. Sie forderte ein Ende der Politik, die zu den globalen Krisen geführt habe und rief dazu auf, die weltweiten Proteste für einen grundlegenden transformativen Wandel zu nutzen. „Die Zeit ist reif für globale Gerechtigkeit. „Die Zeit ist reif für globale Gerechtigkeit!“, sagte die bayerische Pfarrerin.

Die beiden Eingangspodien, die unter dem Motto „Globale Machtverhältnisse“ und „Die Welt im Ausverkauf“ standen, setzten die verschiedenen Gipfel-Themen wie Freihandel, Kriege, Umweltzerstörung, Klimawandel, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Flucht/Migration zueinander in Beziehung. So bezeichnete der globalisierungskritische Soziologe Jean Ziegler die Regierungen der G7-Staaten als „Erfüllungsgehilfen“ der transnationalen Konzerne, die nur als „Befehlsempfänger“ zu deren Gewinnmaximierung beitrügen. Freihandelsverträge dienten der Erschließung neuer Absatzmärkte.

Die kolumbianische Menschenrechtsanwältin Liliana Uribe beklagte die negativen Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftspolitik und Freihandelsabkommen wie die Vertreibung von Kleinbauern/bäuerinnen von ihrem Land, um das Land für agroindustrielle Projekte oder den Abbau von Rohstoffen zu verwenden, die nicht der Versorgung der lokalen Bevölkerung dienen würden. Das führe zu Umweltzerstörungen, der die Regierungen keinen Riegel vorschieben.

Hubert Weiger, Vorsitzender des „Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland“ (BUND), forderte einen Paradigmenwechsel hin zu einem Wirtschaften, das auf der Grundlage ökologischer und sozialer Standards stattfinde. Nicht derjenige dürfe am meisten Profit haben, der am unökologischsten handle. „Wir brauchen Staaten, die Gemeinwohl-Interessen schützen und nicht die Privatinteressen von kleinen oder großen Konzernen“, ergänzte der Umweltexperte.

Die indische Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Jayati Ghosh kritisierte die geistigen Eigentumsrechte, die vor allem von den USA und Deutschland vorangetrieben würden. Gerade in der Klimawandelanpassung wäre ein technologischer Austausch und der Transfer von klimafreundlichen Technologien dringend notwendig.

In 25 Workshops wurde diskutiert und mögliche Alternativen von den Teilnehmenden formuliert. Diese wurden in der Aktion „Alternativgipfel goes Garmisch“ am vergangenen Freitag auf dem Bahnhofsplatz in Garmisch-Partenkirchen präsentiert. Der zerstörerische Kreislauf von übermäßigem Ressourcenhunger, Umweltzerstörung, sozialer Ausbeutung und Ausgrenzung, kriegerischen Konflikten sowie Wachstumszwang und Profitmaximierung müsse endlich beendet werden. Darin waren sich die teilnehmenden einig. Erreicht werden könne dies durch die Verbindlichkeit von Menschenrechten, sozialer und ökologischer Leitplanken, innerhalb derer die Wirtschaft sich bewegen müsse.

„Die Hoffnung seid ihr“, rief der Schweizer UN-Diplomat Jean Ziegler den Teilnehmenden bei seiner Abschlussrede auf der den Alternativgipfel abschließenden G7-Demo in München zu. „Ihr seid der Aufstand des Gewissens.“

Alternativgipfel im Livestream unter:
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