Empfang Frauenchor - Im Rathaussaal Neuendettelsau © Neuschwander-Lutz, MEW

Für Bürgermeister Gerhard Korn war es keine alltägliche Begegnung. Rund 30 Aborigines-Frauen, die als Chor nach Neuendettelsau gekommen und am gestrigen Mittwoch im Rathaus zu einem Empfang eingeladen waren. Ein Empfang in englischer Sprache, in dessen Verlauf der Frauenchor aus Zentralaustralien und ihre Begleitpersonen die Gemeinde Neuendettelsau und den Landkreis Ansbach kennenlernten.

Korn hieß im großen Sitzungsraum des Rathauses, in dem nicht nur der Gemeinderat tage, sondern auch Trauung stattfinden, den Chor australischer Ureinwohner willkommen und dankte für ihr Kommen. Im Gespräch mit den Gästen stellte sich heraus, dass sich einige Chormitglieder auch als „Gemeinderäte“ engagieren. Die äußeren Umstände sind allerdings kaum vergleichbar. Der „Landkreis“ in Australien umfasse ein Gebiet von 1.000 mal 500 Kilometer. Dort lebten aber lediglich rund 10.000 Menschen, wie Bürgermeister Korn auf Nachfrage erfuhr.

Als Vertreter des Ansbacher Landrats war der Windsbacher Bürgermeister Wolfgang Seidel gekommen. Zwischen dem Frauenchor und Windsbach gebe es eine Verbindung, eine musikalische. Der Windsbacher Knabenchor sei weltberühmt, was die australischen Gästen bestätigten. Seidel dankte Mission EineWelt für die Gelegenheit, Gäste von der anderen Seite der Welt hier begrüßen zu dürfen.

Für das Partnerschaftszentrum Mission EineWelt wies der stellvertretende Leiter Jochen Kronester darauf hin, dass erstmals ein Chor von Aborigines in Deutschland sei. Zwar gebe es eine lange Verbindung bis ins 19. Jahrhundert, in dem bayerische Missionare nach Australien gegangen sind und dort auch mit den Ureinwohnern gearbeitet und gelebt haben. Eine Frucht dieser langen Verbindung sei der gegenwärtige Besuch, mit dem der Frauenchor auf seiner Boomerang-Tour etwas zurückgeben möchte.

Dr. Hermann Vorländer, ehemaliger Direktor von Mission EineWelt, stellte den australischen Gästen ausführlich die Geschichte und Struktur der Gemeinde Neuendettelsau, das missionarische und diakonische Engagement Wilhelm Löhes und was daraus entstanden ist, vor. Mit einem Imbiss im neugestalteten Innenhof des Rathauses und einer Chordarbietung endete der etwa eineinhalbstündige Empfang.

Der Frauenchor ist noch bis zum 22. Juni in Deutschland unterwegs, bevor es dann zurück nach Australien geht.