VertreterInnen aus den lutherischen Kirchen weltweit nehmen am Friedensmarsch in San Salvador teil. @ Schlicker / Mission EineWelt

Bayerische Delegation nimmt an Friedensmarsch in San Salvador teil.

Anfang August in San Salvador. Beim 30. Bischofsfest der Lutherischen Kirche in El Salvador trafen sich Kirchenvertreterinnen und -vertreter aus aller Welt, um gemeinsam für den Frieden einzutreten. Tausende Lutheraner, darunter auch eine prominent besetzte Delegation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, waren zu Gast und klagten bei einem Zug durch die Hauptstadt die Kriminalität im Land an. „Sí a la vida! Sí a la paz!“ („Ja zum Leben! Ja zum Frieden!“) war die Demonstration benannt.

Für die Teilnehmenden aus Bayern bildeten die Feierlichkeiten den Abschluss einer einwöchigen Begegnungsreise. Vom 1. bis 8. August besuchten unter anderem der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Dr. Heinrich Bedford-Strohm, die Präsidentin der Landessynode Dr. Annekathrin Preidel sowie die Direktorin von Mission EineWelt Dr. Gabriele Hoerschelmann die lutherischen Partnerkirchen in Costa Rica, Nicaragua, Honduras und El Salvador und ließen sich vor Ort über die verschiedenen Arbeitsfelder berichten.

Während sich das Programm in den ersten drei Ländern vorwiegend auf den Besuch einzelner Bildungs- und Agrarprojekte konzentrierte, stand für die bayerische Delegation in El Salvador hauptsächlich ein Thema im Vordergrund: Die Überwindung der Gewalt.

Medardo Gómez, Bischof der lutherischen Kirche von El Salvador spricht vor dem Bürgerkriegsdenkmal ein Gebet. @ Schlicker / MEW

Medardo Gómez, Bischof der lutherischen Kirche von El Salvador spricht vor dem Bürgerkriegsdenkmal ein Gebet. @ Schlicker / MEW

Seit der Gründung 1971 setzt sich die Lutherische Kirche von El Salvador als „Kirche der Armen“ für den Frieden, die Einhaltung der Menschenrechte und die Unterstützung der Schwachen ein. Die Traumaarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch nach 24 Jahren erschüttern die Folgen des Bürgerkriegs immer noch die Menschen in dem mittelamerikanischen Land. Über 75.000 Menschen kamen in zwölf Kriegsjahren ums Leben. Viele erlebten die Gewalt hautnah, wurden bedroht und gefoltert. Das „El Salvador Civil War Memorial“ in San Salvador ist äußeres Zeichen des Gedenkens an die Opfer dieser grausamen Zeit. Für den Friedensmarsch am 6. August bildete es den Startpunkt. Bischof Medardo Gómez, der seit 30 Jahren die lutherische Kirche des Landes leitet, sprach vor der meterlangen Steinwand mit den eingravierten Namen tausender Opfer ein Gebet und erinnerte so an die Schrecken der Vergangenheit.

Die Folgen des Bürgerkriegs sind noch lange nicht verarbeitet. Soziale Ungerechtigkeit, Gewalt und Kriminalität sind präsenter denn je. Gemessen an den Mordraten liegt San Salvador nach Angaben des Internationalen Friedensinstitutes von 2015 auf Platz drei der gefährlichsten Städte weltweit. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Zeiten, in denen pro Tag bis zu 40 Personen getötet wurden. Sorgenvoll nahm auch die bayerische Delegation die große Anzahl an Bestattungsunternehmen in den Straßen der Hauptstadt wahr. Eine Mitarbeiterin der Kirche erklärte der Gruppe, dass es manchmal zu Engpässen bei der Produktion von Särgen käme und über Begräbnisse in „Pappsärgen“ nachgedacht würde.

Ein Großteil der Gewalt geht von den Banden, den sogenannten „Maras“ aus. Diese terrorisieren die Bevölkerung und bedrohen vorwiegend Jugendliche. Viele, mehrheitlich junge Männer, versuchen daher aus dem Land zu fliehen. „In den USA erhoffen sie sich eine bessere Zukunft und Sicherheit. Viele scheitern allerdings bei ihrer Flucht“, so Bischof Gómez. Schlepper und Banden würden die Jugendlichen auf ihrem Weg Richtung Norden vergewaltigen und ausrauben. Diejenigen, die es bis in die Vereinigten Staaten von Amerika schaffen, werden dort oft aufgegriffen und dann zurückgeschickt.

Um die Situation im Land zu entschärfen, tritt der mittlerweile 71-jährige Bischof in einen konstruktiven Dialog, nicht nur mit der Politik. Er führt Gespräche mit den Bandenmitgliedern und besucht Gefängnisse, um mit Inhaftierten zu sprechen. Die Reaktion aus Politik und Wirtschaft auf dieses Vorgehen ist unterschiedlich. Einige werfen Gómez sogar vor, sich mit den Verbrechern zu verbünden. Diese haltlose Kritik schreckt den Bischof allerdings nicht ab. Für ihn stellt der Dialog mit allen Beteiligten die einzige Möglichkeit dar, im Land etwas zu verändern.

Anlass des Friedensmarsches ist das 30. Bischofsfest der lutherischen Kirche von El Salvador. @ Schlicker / MEW

Anlass des Friedensmarsches ist das 30. Bischofsfest der lutherischen Kirche von El Salvador. @ Schlicker / MEW

Im Rahmen des Festes wurde Medardo Gómez für seine Arbeit der vergangenen 30 Jahre großer Dank ausgesprochen. Als „ein eindrucksvolles Zeugnis für den Widerstand gegen Gewalt“ bezeichnete der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm seine Arbeit. „Wir sind dankbar, dass er bewahrt worden ist und wir ihn noch haben“, erklärte überdies der kubanische Bischof Ismael Laborte Figueras in seiner Begrüßungsrede. Er verglich Medardo Gómez mit dem 1980 im Bürgerkrieg ermordeten katholischen Erzbischofs Óscar Romero. Dieser hatte – im Sinne der lateinamerikanischen Befreiungstheologie – in seinen Ansprachen und Predigten immer wieder die Verbrechen der herrschenden Regierung und des Militärs angeprangert und für die Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten gekämpft.