Tillmann Prüfer (am Tisch) und Manfred Scheckenbach, Tansaniareferent von Mission EineWelt (stehend) © Schlicker/MEW

Über dreißig Anwesende schmunzelten gestern des Öfteren in sich hinein, als Tillmann Prüfer im Rahmen der „begegnen und bewegen“-Veranstaltung von Mission EineWelt Auszüge aus seinem Buch „Der heilige Bruno – Die unglaubliche Geschichte meines Urgroßvaters am Kilimandscharo“ präsentierte.

„Ich habe eigentlich nichts mit Religion und Theologie am Hut und hätte auch nie gedacht, nach Moshi in Tansania zu reisen. Doch wie es im Leben manchmal halt so läuft…“ – mit diesen Worten begrüßte der Stil-Chef des ZEITmagazins und Autor des kürzlich im Rowohlt Verlag erschienen Buches die Gäste. Direkt aus Berlin angereist und leicht erkältet las er insgesamt drei Passagen und gab so einen Einblick in die Spurensuche über seinen Urgroßvater, den Missionar Bruno Gutmann, und die daraus entstandene vergnüglich geschriebene Reise-Reportage.

Als Modejournalist ist Prüfer viel unterwegs. Doch eine Reise nach Tansania ist kaum mit einer Tour nach Paris, Mailand oder London zu vergleichen, so der Autor. Bereits bei der Planung wurde ihm das schnell bewusst. Aus einem Familienurlaub wurde plötzlich eine höchst offizielle Angelegenheit, die einem Staatsbesuch glich. Als Ehrengäste wurden sie in Tansania empfangen und zu den Wirkungsstätten des Urgroßvaters gebracht. Und dort wartete oftmals auch schon eine große Anzahl Gläubige auf weise Worte derer, dessen Ahn sie zutiefst verehrten. „Was dieser konnte, sollten doch auch die Enkel und Urenkel können“ so der Autor über die Erwartungen, denen er in Afrika begegnete.

„Eine Geschichte, so groß wie Afrika selbst“, lautete das Feedback der Presse zu dem Buch. „Fesselnd und witzig geschrieben“, war die Rückmeldung des Auditoriums in Neuendettelsau. Und die Reaktion der direkten Kollegen von Prüfer? Auch für die Beantwortung dieser Frage aus dem Plenum nahm sich der Autor Zeit. Besonders interessiert hätte die Redaktion und die Kollegen der Aspekt der eigenen Geschichtsblindheit. „Was wissen wir denn eigentlich vom Leben unserer Urgroßeltern? Und was wissen wir von unserer Geschichte vor dem 20. Jahrhundert? Zwei Stunden Schulunterricht über die Kolonialzeit, das war’s.“ so Prüfer. Beunruhigt ist der 41-Jährige zudem von der Entwicklung in den deutschen Kirchen. Eindrücklich erzählte er von den lebendigen Gottesdiensten, die er in Tansania besuchte, und von den leeren Kirchenbänken in seiner Heimatstadt Berlin. Der oftmals leicht bemitleidende Blick der Bevölkerung hier auf die Menschen in Afrika ist seiner Meinung nach überheblich und falsch. „Vielmehr bemitleiden uns die Afrikaner. Sie fragen sich, wie wir bei uns einen Sonntag ohne lebendigen Gottesdienst und die Gemeinschaft im Glauben überhaupt überstehen können.“

Einen besonderen Dank richtete Tillmann Prüfer während der Veranstaltung direkt an das Partnerschaftscentrum. Denn dieses organisierte nicht nur die Lesung, sondern war auch erste Anlaufstelle bei der Recherche zu dem Buch. Im Archiv von Mission EineWelt, das zu dieser Zeit noch in Neuendettelsau verwaltet wurde, war er tagelang Gast und durchforstete den Nachlass seines Urgroßvaters. Dabei stieß er auf alte Briefe, Dokumente und auch einige Anekdoten, die er in seinem Buch über den Missionar in Tansania wieder aufleben ließ.

Nach rund zwei Stunden beendete Manfred Scheckenbach, Fachreferent für Tansania von Mission EineWelt, den offiziellen Veranstaltungsteil und Tillmann Prüfer signierte anschließend für Interessierte sein Buch.

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Über den Autor Tillmann Prüfer

Tillmann Prüfer (* 1974 in Mainz) ist deutscher Journalist und arbeitet als Redakteur des ZEITmagazins. Sein Buch „Der heilige Bruno – Die unglaubliche Geschichte meines Urgroßvaters am Kilimandscharo“ ist 2015 im Rowohlt Verlag erschienen und handelt von der Spurensuche nach seiner Geschichte in Tansania. Dort war Prüfers Urgroßvater, Bruno Gutmann, als deutscher Missionar für viele Jahre tätig und wird noch heute verehrt.