Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. © MEW/Neuschwander-Lutz

Interview mit Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (Genf)

Am Rande der Verabschiedung von Pfarrer Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt, fand ein Interview mit Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (Genf), statt.

Helge Neuschwander-Lutz, Medien- und Pressereferent von Mission EineWelt:
Sie sind seit fünf Jahren als Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes im Amt. Sie stehen damit an der Spitze einer Organisation, die 144 Mitgliedskirchen mit 72 Millionen lutherischen Christen in 79 Ländern vertritt. Wie schwer empfinden Sie dieses Amt?

Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (Genf):
Ich sehe es als ein Amt, das mich motiviert und mir Freude macht. Meine Aufgabe dabei ist, mit den Mitgliedskirchen zu arbeiten und die Zusammenarbeit zu fördern. Wir können derzeit so beispielsweise zwei Millionen Flüchtlingen weltweit helfen. Es ist aber auch ein schwieriges Amt, weil wir global viele Konflikte erleben. Viele Staaten sind nicht darauf angelegt, zusammenzuarbeiten. Dieser Zeitgeist erfasst auch viele Kirchen. Wir müssen immer wieder daran erinnern, dass Kirchen in Beziehungen zueinander gestellt sind. Diese Beziehungen zu schaffen, ist eine unserer Aufgaben.

Neuschwander-Lutz:
Wenn Sie die drei wichtigsten Aufgaben benennen müssten, die der LWB aktuell hat, welche wären das?

Junge:
Der Lutherische Weltbund trägt die diakonische Berufung in sich. Diese Präsenz ist von äußerst großer Bedeutung. Unsere Aufgabe ist es, ökumenisch und interreligiös als Brückenbauer präsent zu sein. Der Lutherische Weltbund ist eine Organisation, die auf dem Glauben beruht. Dieses Selbstverständnis müssen wir ständig weiterentwickeln. Ansonsten wären wir von Nichtregierungsorganisationen nicht zu unterscheiden.

Neuschwander-Lutz:
In der kirchlichen Landschaft in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen über Zuständigkeiten. Beispielsweise darüber, ob sich Missionsorganisationen auch um Fragen der Entwicklung kümmern sollten oder ob das allein die Aufgabe beispielsweise des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung ist. Wie sehen Sie das Verhältnis von Mission und Entwicklung?

Junge:
Das Selbstverständnis des Lutherischen Weltbundes basiert auf dem Missionsverständnis. Grundlagen hierfür sind Evangelium, Diakonie und Advocacy. Diese Dimensionen unseres Handelns sind untrennbar miteinander verbunden. Missionswerke haben von Anfang an alle drei Dimensionen zur Grundlage ihrer Arbeit gemacht. Eine Missionsarbeit war immer auch mit medizinischer Versorgung und Bildungsarbeit verbunden. Aus guten theologischen Gründen ist das so passiert. Für mich lassen sich Mission und Entwicklung nicht trennen.

Neuschwander-Lutz:
Unser scheidender Direktor Peter Weigand hat kürzlich in einem Interview die Missionsarbeit als hochpolitisch bezeichnet. Können Sie dem zustimmen und wenn ja, aus welchen Gründen?

Junge:
Es kommt darauf an, wie man politisch definiert. Parteipolitisch darf es nicht sein. Mission bewegt sich aber im öffentlichen Raum. Deshalb hat dieses Handeln auch immer eine politische Dimension. Es muss aber eine kritische Distanz zu politischen Parteien bleiben. Advocacy, also für die Rechte der Rechtlosen einzutreten, gehört eindeutig zu dieser politischen Dimension des Handelns.

Neuschwander-Lutz:
Gibt es Ihrerseits besondere Erwartungen und Wünsche an die bayerische Landeskirche und Mission EineWelt?

Junge:
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern arbeitet eng mit dem Lutherischen Weltbund zusammen. Es gibt zudem viele Beziehungen zum Partnerschaftszentrum Mission EineWelt. Dieses Engagement genießt in Genf hohe Anerkennung. Ohne die Unterstützung aus Bayern könnten wir als Lutherischer Weltbund die Flüchtlingsarbeit im Nordirak und in Jordanien in diesem Umfang nicht machen. Außerdem gibt es eine großartige Zusammenarbeit in der theologischen und ökumenischen Arbeit weltweit. Religion und Entwicklung sind zudem zwei Themenbereiche, an denen wir inhaltlich mit den bayerischen Partnern intensiv weiterarbeiten wollen.