Frauenstudientag "Reformation und die eine Welt" in Nürnberg

Anfang Juli fand ein Frauenstudientag in Nürnberg statt

Von der Reformation an bis ins 21. Jahrhundert hinein haben Frauen wichtige reformatorische Impulse gesetzt. Zu dieser „weibliche Seite der Reformation“ und ihrer Wirkungsgeschichte fand am 2. Juli in Nürnberg ein Studientag von Mission EineWelt statt. Frauen aus den Partnerkirchen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern berichteten dabei von ihren Erfahrungen im Gemeindeleben und über die Entwicklung der Frauenordination weltweit.

Die Reformation ist global geworden. Sie hat sich in den letzten Jahrhunderten über die Kontinente hinweg ausgebreitet. Eine wichtige Rolle dabei hatten die Frauen. „Sie waren es, die zur Zeit der Reformation die Bibel lasen, sich für reformatorische Ideen einsetzten und diese verbreiteten. Sie erkannten, welche Freiheit in der Heiligen Schrift steckt“, so Ulrike Hansen, Studienleiterin bei Mission EineWelt, bei ihrer Einführung in das Thema des Studientages.

Doch obwohl Martin Luther den Begriff des „Priestertums aller Getauften“ prägte, kämpfen Frauen bis heute in einigen lutherischen Kirchen für die Ordination von Theologinnen. Über die „gleiche Vollmacht für Frauen und Männer“ berichtete Dr. Cornelia Schlarb von der Georg-August-Universität Göttingen ausführlich. Die Koordinatorin des Studiengangs „Intercultural Theology“ stellte heraus, dass die Taufe alle zu Priestern mache und jeder Christ und jede Christin durch sie einen „Anteil am geistlichen Stand“ besitze.

Theoretisch ist damit das Fundament für die Frauenordination gelegt. Die Umsetzung in der Praxis sieht jedoch anders aus: Der Einzug einer „Gleichstellung im geistlichen Amt“ begann in den evangelischen Kirchen erst im 20. Jahrhundert. In einigen lutherischen Kirchen fordern es die Frauen bis heute. Die aktuellen Entwicklungen in Tansania und Papua-Neuguinea wurde im Fortgang des Studientages aufgezeigt.

In der Süddiözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT) werden beispielsweise erst seit 1992 Theologinnen ordiniert. Juliane Kilagwa, selbst aus dieser Diözese stammend und aktuell als ökumenische Mitarbeiterin von Mission EineWelt in Bayern, führte in ihrem Beitrag aus, dass heute dort 20 Pfarrerinnen in den Gemeinden und im Bereich Seelsorge und Diakonie arbeiten. Immerhin 13 Prozent aller 150 Mitarbeitenden im Pfarrdienst. Nach bayerischem Vorbild gäbe es zudem seit einigen Jahren in Tansania auch einen Theologinnenkonvent, der sich für die Rechte von Pfarrerinnen in der ELCT einsetzt.

Über die Situation in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG) berichtete Frau Hofagao Kaia Hauth. Die Kirche akzeptiere zwar die Frauenordination anderer lutherischer Kirchen, doch in ihrer Heimatkirche werden keine Frauen ordiniert. „Es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wichtig ist die Akzeptanz bei Männern und Frauen“, so Hofagao Kaia Hauth. Darüber hinaus wäre auch die Übertragung von verantwortungsvollen Aufgaben an Frauen in der ELC-PNG relevant, ergänzte Pfarrerin Verena Fries, die lange Zeit als bayerische Mitarbeiterin in der ELC-PNG tätig war. „Es geht darum, die Frauen künftig mehr zu unterstützen und weiter zu stärken.“

Tipp: Eine interaktive Karte zu bedeutende Frauen in der Reformationsgeschichte und weiteres Material zum Thema „Frauen und die Reformation“ finden Sie unter: http://frauen-und-reformation.de/