Der scheidende Direktor Peter Weigand stand bei der Frühstücksmatinee Rede und Antwort. © MEW/Ermann

Nachschau auf die Frühstücks-Matinee zur Verabschiedung von Direktor Peter Weigand

Nach einem langen Tag mit Gottesdienst und Empfang am vergangenen Freitag, der für einzelne Beteiligte bis weit über Mitternacht hinausging, stand am Samstagmorgen eine Frühstücks-Matinee auf dem Programm. Knapp zwei Stunden, in denen der scheidende Direktor Rede und Antwort stehen sollte, beispielsweise zu thematischen, strukturellen, aber auch ganz persönlichen Fragen. Zu seiner Unterstützung konnte Weigand aber aus dem rund 100 Gäste umfassenden Publikum so genannte Joker aufrufen, die ihm bei der Beantwortung der Fragen halfen. Hier ein paar Streiflichter.

Auf die Frage, ob der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein richtig läge, wenn er von der evangelischen Kirche mehr Zurückhaltung in politischen Stellungnahmen verlange, oder aber er selbst, der in einem Interview die Missionsarbeit als hochpolitisch bezeichnet habe, bestärkte Weigand seine Haltung. Zwar sei Zurückhaltung in parteipolitischer Hinsicht richtig, aber eine unpolitische Arbeit gäbe es nicht. Kirche habe ein prophetisches Amt und das schließe automatisch ein, dass sie sich auch immer in einem politischen Raum bewege und dort agiere.

„Als Kirche haben wir ein großes Kapital und eine Bringschuld. Vielleicht können wir Erfahrungen vermitteln, die andere überzeugen“, betonte Weigand auf die Frage nach der Positionierung von Mission EineWelt zu PEGIDA. Stigmatisierung sei seiner Ansicht nach kein Mittel der Auseinandersetzung. Stattdessen sollte man die Menschen fragen, wovor sie eigentlich Angst haben. Joker Dr. Claudia Jahnel, die das Referat Mission Interkulturell leitet, verstärkte diese Aussage. Es sei eine emotionale Aufgabe, sich für ein interkulturelles Zusammenleben einzusetzen.

Danach gefragt, was die 2007 vollzogene Fusion zu Mission EineWelt verändert habe, betonte Weigand zunächst, dass dieser Zusammenschluss von Kirchlichem Entwicklungsdienst, Lateinamerikaarbeit und dem damaligen Missionswerk inzwischen angenommen worden sei. „Es war ein langer Prozess“, in dessen Verlauf alle Beteiligten die neue innere Struktur hätten annehmen müssen. Wichtig sei auch im Hinblick auf die vor uns liegenden Jahre, dass „wir nur zusammen wirkungskräftiger werden“ könnten.

„Aufgabe der Mission ist es somit, die Ökonomie der Habgier anzuprangern und die göttliche Ökonomie der Liebe, des Miteinanderteilens und der Gerechtigkeit zu praktizieren“, heißt es im Papier des ÖRK „Gemeinsam für das Leben“. Wie Weigand denn zu dieser Aussage stehe, wurde er gefragt. „Wir sind Teil der Habgier“, betonte er. Wir müssten nach Strukturen suchen, die Ungerechtigkeiten, die ungleiche Verteilung der Ressourcen weltweit zu verändern. Solange dies nicht der Fall sei, hätten wir die Aufgabe, uns laut zu Wort zu melden. Als Joker rief er den ehemaligen Direktor des Lutherischen Weltdienstes (Genf), Eberhard Hitzler, auf. Der verstärkte Weigands Votum dadurch, dass er forderte, die globalen ökonomischen Strukturen gerechter zu machen, auch um so kriegerische Auseinandersetzungen und Massenfluchten einzudämmen.

Ob sich die Perspektiven der Arbeit von Mission EineWelt durch das interkulturelle Engagement langfristig verschieben, wollten die Moderatoren wissen. In manchen bundesdeutschen Missionsorganisationen hat sich die Perspektive schon verschoben, wie der Direktor der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS, Stuttgart), Jürgen Reichel, als Joker betonte. Die EMS sei mit ihren 28 Partnern weltweit auf dem Weg zur Internationalisierung der Strukturen. „Es ist eine Gemeinschaft ohne ideologischen Klimbim.“ Die EMS baue darauf, dass sich durch die neue Struktur auch neues Vertrauen untereinander aufbaue. Wenn dies passiere, „dann sind wir zufrieden“. Weigand selbst hob kritisch hervor, dass sich die westliche Welt auch durch eine Entwicklungspolitik, die eindeutig wirtschaftliche Interessen verfolge, „an den Rand gekegelt“ habe. „Das Christentum ist mittlerweile im Süden angekommen.“ Wir müssten mehr aus der Haltung der Geber heraustreten und die Partnerschaft auch in missionarischer Hinsicht ernst nehmen.
Im Kirchengesetz über Ökumene, Mission, Entwicklungsdienst und Partnerschaft sei Mission EineWelt zur Aufgabenerfüllung die notwendige Eigenverantwortung und Freiheit zugesichert worden. Auf die Frage, ob diese Freiheit und Eigenverantwortung ausreichend gegeben sei, meinte Weigand, dass die bayerische Landeskirche gerade durch den demographischen Wandel Prozessen unterworfen sei, auf die sie selbst keinen Einfluss habe. „Mission EineWelt ist nicht im luftleeren Raum, sondern Teil der Landeskirche.“ Deshalb sei das Haus auch Teil der Veränderungsprozesse. Trotzdem brauche das Partnerschaftszentrum durch die weltweite Vernetzung und die damit besonderen Anforderungen etwas mehr Freiheit und Beweglichkeit als andere kirchliche Einrichtungen. Gerade jüngste Veränderungen im kirchlichen Finanz- und Verwaltungsbereich führten hier zu einer spürbaren Einschränkung.
Diese Freiheit und Beweglichkeit dürfe aber nicht eingeschränkt werden, meinte Joker Michael Martin, zuständiger Oberkirchenrat in der bayerischen Landeskirche. Die Ökonomisierung auch im kirchlichen Raum dürfe nicht alles dominieren. „Es geht schließlich auch um Inhalte.“ Deshalb werde auch weiter verhandelt, damit bei allen Veränderungsprozessen solche inhaltlichen Kriterien beachtet werden.

Auf die Frage, woran sich Direktor Peter Weigand in der Rückschau auf die sieben Jahre bei Mission EineWelt denn besonders gerne erinnere, meinte er auch im Rückblick auf seine Studienjahre: „Es freut mich, dass ich hier geerdet worden bin.“ Das habe ihn durch viele Stationen seines Berufslebens getragen. Und er bedankte sich dafür, dass er sich immer als „Teil einer guten Mannschaft“ gefühlt habe.