Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Angst haben: ein berechtigtes und evolutionsgeschichtlich absolut unabdingbares Grundgefühl, das uns allen gut vertraut ist. Große und kleine Dinge des Alltags können uns Angst machen – wie meinen Schüler/innen eine besonders komplizierte Probe, beispielsweise. Oder aber es sind ganz elementare Dinge, wie Armut, Krankheit und Tod, die uns in Furcht versetzen, die uns Angst machen. Auch Unbekanntes und Fremdes, Verlust und Abschied machen uns Angst. Das Spektrum ist beliebig erweiterbar und doch für jede und jeden ganz individuell.

Dennoch ist es nicht einfach, sich seine Ängste einzugestehen. Und schon gar nicht, mit jemandem darüber zu sprechen, die Angst also zu teilen, so dass sie vielleicht zumindest für einen kurzen Moment ein wenig kleiner wird. Ich habe mir deshalb in Augenblicken der Angst immer eine oder einen gewünscht, die oder der mir die Angst abnimmt. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Wie eine schwere Reisetasche, die von meinen Schultern auf einen Gepäckwagen geladen wird, den jemand anderer für mich schiebt. Ganz wie es die deutsche Alternative-Rockband Jennifer Rostock beschreibt:

Doch wenn es hart auf hart kommt / Werden die Beine nicht mehr weich / Weil ich endlich wieder klar komm‘ / Weil kein Zweifel mich beschleicht / Dass der Fluchtwagen an den Start kommt / Ein Anruf bei dir reicht / Du nimmst mir die Angst. / Mein Blaulicht, mein Alarm, meine Ambulanz.

(aus: „Du Nimmst Mir Die Angst“, Jennifer Rostock, 2014)

Ein Leben frei von jeglicher Angst ist unmöglich, aber trotzdem ist da tatsächlich jemand, mit dem ich meine Angst immer teilen kann. Ich kann Gott immer „anrufen“, zu ihm beten, mit ihm sprechen, auch wenn ich keine Kraft habe oder mich nicht traue, mit anderen Menschen über meine Ängste zu sprechen. Und Gott ist da, wenn ich ihn brauche: ER kommt mit dem Fluchtwagen, mit Blaulicht und Alarm – ER ist meine Ambulanz! Denn auch wenn ER mich nicht vor allem Unheil bewahrt, gibt ER mir doch das Versprechen, an meiner Seite zu sein und mir die Stärke und Kraft zu geben, die ich in schweren Zeiten brauche. Ich darf darauf vertrauen, dass er mich kennt und weiß, was mir fehlt. Gott ist größer und stärker als all meine Angst!

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (Psalm 23,4)

Wenn Gott mich auffordert: „Fürchte dich nicht!“, ist das keine billige Vertröstung, getreu dem Motto: „Ist doch alles bloß halb so wild“. Gott will mir nicht die Augen vor der Realität verschließen. Es geht nicht darum, Ängste zu verdrängen und wegzudiskutieren. Es geht vielmehr um die Zusage, dass ich meine Ängste an ihn abgeben darf. Sie sind dann zwar nicht plötzlich weg, aber sie verlieren ihre Macht. Ich muss mich von ihnen nicht mehr beherrschen lassen. Mein Blick auf die jeweilige Situation ändert sich. Die Angst steht nicht mehr im Mittelpunkt, sondern Gott, der alles im Griff hat.

 

Andacht: Sara Dippold, Studierende Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit im Praktischen Studienjahr, Praktikantin im Referat EP

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

Übersetzung: Alexandra Nießlein, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

Being scared: a justified and evolutionary absolutely essential basic feeling, which is well known to every one of us. Big and small things of everyday life can scare us; like a particularly difficult test for my students for example. Or there are very elementary things, such as poverty, illness, loss and death, that scare us. Also unknown and strange, loss and farewell scare us – the spectrum is optionally expandable and yet it is very individual for everyone.

Yet it is not easy to admit your fears and talk to someone about it; to share the fear so that it is getting smaller at least for a short moment. In moments of fear I always wished for someone to relieve my anxiety. Like a heavy travel bag that is loaded from my shoulders onto a luggage trolley which someone else pushes for me. Exactly as the german alternative rock band Jennifer Rostock describes in its song You take away my fear:

But when the going gets tough / the legs no longer become soft / because I can finally cope / because no doubt creeps up on me / that the getaway car comes to the start / one call to you is enough / you take away my fear / my blue light, my alarm, my ambulance.

From: “You take away my fear”, Jennifer Rostock, 2014

A life free from any fear is impossible, but there is actually someone there with whom I can always share my fear. I can call god anytime, pray to him, talk to him, even when I have no strength or when I don’t dare to talk to other people about my fears. God is there when I’m in need: HE comes with the getaway car, with blue light and alarm – HE is my ambulance! Because even when he doesn’t save me from mischief he gives me that promise to be by my side and giving me strength and power which I need in hard times. I can trust that he knows me and knows what I need. God is bigger and stronger than my fears!

Yes, though I go through the valley of deep shade, I will have no fear of evil; for you are with me, your rod and your support are my comfort.

Ps 23,4

When God tells me: “Don’t be afraid!” that’s no empty promise true to the motto: “things are not half so bad”. God don’t want to close my eyes to reality. It’s not about to repress fears and to argue them away. It’s much more about the promise that I can give my fears to him. Then they are not suddenly gone, but they lose their power. I no longer have to let myself be controlled by them. My view on the respective situation changes. The fear is no longer in the focus, but god, who has everything under control.

 

Prayer: Sara Dippold

Illustration: Daniela Denk

Translation: Alexandra Nießlein