Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst. Jesaja 61,8

Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles. 1.Thessalonicher 4,6

 

Ich stehe vor dem Supermarktregal und überlege, welche Schokolade ich kaufen soll. Die billige für 1 Euro, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Kindersklaven, Kinderarbeit und ökologische Zerstörung inklusive, oder die teurere fair gehandelte, die wenigstens eine bessere Bezahlung, Schulbildung für die Kinder und keine Kinderarbeit zusichert.

Die Kakaobauern weltweit arbeiten meist für einen Hungerlohn, der oft nicht einmal die Produktionskosten deckt. Selbst die, die an den Fairen Handel verkaufen, können oft nicht ihre gesamte Ernte fair vertreiben, sodass auch diese Kakaobauern kaum ein existenzsicherndes Einkommen haben.

Der Anteil von fair gehandeltem Kakao in deutschen Süßwaren liegt bei nur ca. 4 Prozent.

Ich habe vor dem Regal die Wahl. Die Kakaobauern und ihre Familien haben keine Wahlmöglichkeiten. Sie sind den Preisvorgaben von Schokoladenherstellern, Zwischenhändlern und dem Weltmarkt schutzlos ausgeliefert.

Ich frage mich, warum dürfen in Deutschland  überhaupt Produkte verkauft werden, die unter ausbeuterischen und umweltzerstörenden Bedingungen hergestellt werden?

Die biblischen Mahnungen der Losungsverse sind da sehr eindeutig und erlauben keine Ausreden: Von Raub, Unrecht und unfairem Handel ist da die Rede. Gott gilt als Anwalt der Gerechtigkeit. An Gott zu glauben und auf ihn zu vertrauen heißt auch, sich für Gerechtigkeit in der Wirtschaft, im Handel einzusetzen.

Deshalb engagieren sich viele kirchliche Organisationen, auch Mission EineWelt, für das Lieferkettengesetz, das Unternehmen entlang ihrer globalen Produktionsketten zur verbindlichen Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards verpflichten soll. Ein wirksames Lieferkettengesetz würde dazu beitragen, dass nicht nur die Kakaobauern in Afrika, Asien und Lateinamerika endlich eine gerechte Bezahlung erhalten.

Es wäre auch hilfreich, würden mehr Menschen die faire Schokolade im Regal wählen, damit die Kakaobauern zu ihrem Recht kommen.

Denn Gott liebt das Recht und hasst Raub und Unrecht.

Amen.

 

Andacht: Gisela Voltz, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

For I, the Lord, love justice; I hate robbery and wrongdoing. Isaiah 61:8

That no one wrong or exploit a brother or sister in this matter, because the Lord is an avenger in all these things. 1.Thessalonians 4:6

 

I stand in front of the supermarket shelf and think about which chocolate to buy. The cheap one for 1 Euro – with exploitative working conditions, child slaves, child labor and ecological destruction included – or the more expensive fair trade one which at least guarantees better pay, education for the children and no child labor. The cocoa farmers around the world usually work for a starvation wage, which usually does not even cover the production costs. Even those who sell to Fair Trade often cannot distribute their entire harvest fairly, so that even these cocoa farmers hardly have a living wage. The proportion of fair-traded cocoa in German confectionery is only about 4 percent.

I have a choice on the shelf. The cocoa farmers and their families don´t have any choices. They are unprotected against the price targets set by chocolate manufacturers, intermediaries and the world market.

I wonder why it is even possible to sell products in Germany that are produced under exploitative and environmentally destructive conditions? The biblical reminders in the watchword-verses of today are very clear and do not allow for excuses: there is talk of robbery, injustice and unfair trade. God is regarded as the advocate of justice. Believing in God and trusting in Him also means working for justice in the economy, in trade. This is why many church organizations, including Mission OneWorld, are committed to the Supply Chain Act, which aims to oblige companies along their global production chains to comply with social and environmental standards. An effective supply chain law would help to ensure that not only cocoa farmers in Africa, Asia and Latin America are finally paid fairly.

It would also be helpful if more people chose the fair chocolate on the shelf so that the cocoa farmers can come to their right. For God loves justice and hates robbery and wrongdoing. Amen.

 

Prayer: Gisela Voltz

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!

Jesaja 41,13

 

Da das gemeinsame Singen in unseren Andachten im Moment leider etwas zu kurz kommt, möchte ich als Auslegung der heutigen Tageslosung gerne auf die erste Strophe des Liedes „Meine Zeit steht in Gottes Händen“ aus dem Liederbuch „Kommt, atmet auf“ zurückgreifen. Sie können den Text einfach lesen oder, wenn sie die Melodie kennen, vielleicht auch (mit-)singen oder summen:

 

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir

 

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.

Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.

Vater, du wirst bei mir sein.

 

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

 

Aus:

Kommt atmet auf

Meine Zeit steht in deinen Händen (023)

Text und Melodie: Peter Strauch

 

Andacht: Hanns Hoerschelmann

Illustration: Daniela Denk

 

 

For I am the Lord your God, who takes hold of your right hand and says to you, Do not fear; I will help you. Isaiah 41:13

 

As a response for today’s watchword, I would like to share a verse from the modern german hymn “Meine Zeit steht in deinen Händen”:

 

My time is in your hands.

Now I can be calm, be calm in you.

 

You give security, you can turn everything around.

Give me a firm heart, make it firm in you.

Worries torment and grow too big for me.

Despondently I ask: what will tomorrow bring?

But you love me, you won’t let go of me

Father you will be with me

 

My time is in your hands.

Now I can be calm, be calm in you.

 

Text from the songbook:

Kommt atmet auf

Meine Zeit steht in deinen Händen

Text and melody: Peter Strauch

Translation: Hanns Hoerschelmann

 

Prayer: Hanns Hoerschelmann

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

 

Wer sich im Wort nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mensch. Jak 3,2b

 

HateSpeech – das kennen Sie – HateSpeech begegnet uns täglich! Wo? — Im Internet, auf Schulhöfen, in Leserbriefen, vielleicht sogar auf der Arbeit. HateSpeech ist gemein – eben HassSprache. Ein Mensch oder eine Gruppe wird mit groben Worten verunglimpft. HateSpeech ist so was von daneben, dass ich hier eigentlich gar kein richtiges Beispiel nennen möchte.

Hier nur was weniger Schlimmes:

„Der XY kommt vom Planet der Affen!“

„Die YZ gehört auf die Müllhalde!“

HateSpeech verletzt, grenzt aus, ja – tötet manchmal sogar.

HopeSpeech – das kennen Sie und können wir Alle. Wir verwenden diese Sprache täglich! Wann? — Zuhause, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und sicher auch im Internet. HopeSpeech verleiht Hoffnung! Ein Mensch wird ermutigt, getröstet, vielleicht sogar seelisch heil. Am liebsten würde ich 100 Beispiele aufzählen.

Zwei sollen genügen:

„Du kannst das“ sagen wir einem Kind, das an sich zweifelt.

„Ich helfe Dir gerne, das nächste Mal klappt’s bei Dir sicher auch“, sagen wir dem Kollegen, der gerade etwas überfordert ist.

„Wer sich im Wort nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mensch“, so heißt es im Jakobusbrief (Jak 3, 2b). Ein guter Grund, HopeSpeech zu üben. Das ist die Sprache der christlichen Nächstenliebe. Sie verleiht Flügel – ja – sie macht Mut und lässt uns leben.

 

Andacht: Ulrike Bracks

Illustration: Daniela Denk

 

 

 

If a man never makes a slip in his talk, then he is a complete man. James 3:2

 

Hate speech – you know that – we encounter hate speech every day! Where? On the internet, on schoolyard, in letters to the editor, perhaps even at work.

Hate speech is awful – just hate speech. A person or a group is denigrated with crude words. Hate speech is so wrong that I don’t really want to give a real example here.

Here only something less bad:

“XY comes from the planet of the apes!”

“XY belongs in the dump!”

Hate speech hurts, excludes, yes – sometimes even kills.

 

Hope speech – you know that and we can all do that. We use this language every day! When? At home, at work, in the circle of friends and certainly also in the internet. Hope speech gives hope! A person is encouraged, consoled, perhaps even mentally safe. I would like to list 100 examples.

Two of them shoud suffice:

“You can do that” we say to a child who has doubts about himself.

“I’ll be happy to help you, next time it will work for you too”, we say to a colleague who is just a little overwhelmed.

If a man never makes a slip in his talk, then he is a complete man.”, so it says in the letter of James. A good reason to practice hope speech. This is the language of Christian charity. It gives you wings – yes – it encourages and lets us live.

 

Prayer: Ulrike Bracks

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Die kanaanäische Frau fiel vor Jesus nieder und sprach: Herr, hilf mir!
Matthäus 15,25

„Herr, hilf mir!“ Eine Frau ruft zu Jesus in der Nähe von Sidon auf dem Gebiet des heutigen Libanon. – Und Jesus stellt sich auf die Seite der Mutter einer kranken Tochter, einer Mutter, deren Liebe zu ihrer Tochter alle Grenzen überwindet. Die Mutter sucht ja nicht Hilfe für sich, sondern für ihr geliebtes Kind. Für Jesus und seine Jünger erscheint sie zuerst als Fremde, aber ihre Liebe wird die Brücke zu dem Fremden, der kein Fremder bleibt, denn er hilft und heilt, weil die Mutter ihm vertraut.
Wir hatten einen Mitarbeiter bei Mission-EineWelt, der aus dieser Gegend stammte. Vielleicht war er ein Nachkomme dieser ersten nichtjüdischen Frau, die an Jesus glaubte? So ist auf einmal auch die Brücke zu uns in Deutschland da.

Libanon hat halb so viele Einwohner wie Bayern, aber nur etwa ein Siebtel der Fläche Bayerns, dafür unendlich viele, fast unlösbar scheinende Probleme. Der Ruf der verzweifelten Mutter erklingt auch heute wieder: Bitte, helft uns! Gebet aus EG 232,1: Allein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, dass du mein Tröster bist, kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, auf Erden ward kein Mensch geborn, der mir aus Nöten helfen kann; ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen han. Amen.

 

Andacht: Karl Lippmann
Illustration: Daniela Denk

 

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

LORD, HELP ME

The Canaanite woman came and knelt before Jesus, saying, „Lord, help me.“
Mat 15:25

„Lord, help me.“ A woman in distress turns to Jesus. The place where this happened is close to the town of Sidon, in the area of todays Lebanon. Jesus sees the unique love of the mother for her ill daughter, this love is stronger than all boundaries. The mother does not seek help for herself, but for her beloved child.
Jesus and his disciples came to this place as foreigners. But the surmounting love and faith of the mother in Jesus builds a strong bridge. They are not strangers anymore. Jesus helps and heals, because the mother believes and trusts him.
Over many years a man from that area worked here. Maybe he was a descendant of this first non-Jewish woman who believed in Jesus? For me he built a bridge from the times of the first disciples to our presence – and the old story became real.
Lebanon has about half the population of Bavaria, but only a seventh of its area. But what it has are countless problems for which they need our help. The cry of the mother in distress sounds again in our ears: Please help us! Prayer: Saviour Jesus, you tell us just how important children are to you. Help us to value children like you do – keeping them safe, praying for them, and blessing them. Amen.

 

Prayer: Karl Lippmann
Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 1. Mose 9,13 Mein allererstes Buch, an das ich mich erinnern kann, noch lange bevor ich selbst lesen konnte, war etwa DinA4 groß, hatte kartonierte Seiten und enthielt die Geschichte von Noah und der großen Flut, der „Sintflut“. Diese Geschichte hat mich irgendwie fasziniert, aber auch eine Sorge ausgelöst, deshalb fragte ich, ob es denn bei uns auch wieder eine so große Flut geben könnte. Aber auf der letzten Seite des Buches stand in leuchtenden Farben der Regenbogen. Dabei wurde mir erklärt: „Immer wenn du den Regenbogen am Himmel siehst, wiederholt Gott sein Versprechen, dass er die Erde nie mehr so zerstören wird, wie damals in der Zeit von Noah.“ Ich kann mich nicht erinnern, jemals am blauen, wolkenlosen Himmel einen Regenbogen gesehen zu haben. Gott lässt uns den Regenbogen immer dann sehen, wenn es Wolken, Stürme, Gewitter gab.
Das Jahr 2020, war bisher deutlich überschattet, von Wolken die uns durchaus ängstigen können. Da ist es gut auf den Regenbogen zu schauen, und uns an Gottes Versprechen zu erinnern, dass er einen Bund geschlossen hat zwischen sich und der Erde, zwischen sich und uns Menschen.
Die großen Katastrophen, ob Sintflut oder Corona, haben gemeinsam, dass die ganze Welt davon betroffen ist, aber sie haben auch gemeinsam, dass Gottes Versprechen noch gilt: „Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch… (1. Mose 9,14-15)“ Ich bin froh zu wissen, dass wir nicht einem blinden Schicksal ausgeliefert sind, sondern einen Gott haben, der an uns denkt, der es gut mit uns meint, und auch in Krisenzeiten seine Geschöpfe umsorgt.

 

Andacht: Michael Volz
Illustration: Daniela Denk

 

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

GODS PROMISE

I have set my rainbow in the clouds, and it will be the sign of the covenant between me and the earth. Gen 9:13 My very first book that I can remember long before I could read myself was about A4 size, had paperboard pages and contained the story of Noah and the great flood, the „Deluge“. This story somehow fascinated me, but it also caused concern, so I asked if we could have such a big flood again. But on the last page of the book, there was a rainbow in bright colours. I was told: „Whenever you see the rainbow in the sky, God repeats his promise that he will never again destroy the earth as he did in the time of Noah.“
I can’t remember ever seeing a rainbow in the blue, cloudless sky. God lets us see the rainbow whenever there have been clouds, storms, thunderstorms.
The year 2020 so far, has been overshadowed by some frightening clouds. It is good to look at the rainbow and remember God’s promise that he has made a covenant between himself and the earth, between himself and us humans.
The great catastrophes, be it the Flood or the Corona, have in common that the whole world is affected, but they also have in common that God’s promise is still valid: “Whenever I bring clouds over the earth and the rainbow appears in the clouds, I will remember my covenant between me and you … (Gen.9:14-15)”
I am glad to know that we are not at the mercy of a blind fate, but that we have a God who thinks of us, who means well to us and even in times of crisis is there to care for his people and the whole creation.

 

Prayer: Michael Volz
Illustration: Daniela Denk

Der like a tree song wurde eigens für die Jugendbegegnung Like a Tree geschrieben und – mit Beteiligung von jungen Leuten aus Nürnberg – vorproduziert. Einige der internationalen Teilnehmer/innen beteiligten sich mit eigenen Gesangsparts, die sie ans Produktionsteam schickten.

Auf dem Youtube-Kanal von Mission EineWelt ist der fertige Song nun zu hören und zu sehen:

 

Foto: Thorsten Krafft

Foto: Thorsten Krafft

Simon Ganal, wurde von Mission EineWelt ausgesendet und arbeitet als Arzt im Krankenhaus von Etep in Papua-Neuguinea. Im Interview mit Thorsten Krafft berichtet er über die medizinische Situation in Papua-Neuguinea vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

Das Video findet sich auf dem Youtube-Kanal von Mission EineWelt:

https://www.youtube.com/user/MissionEineWelt

„Lernen aus dem Leid“ – dieses Zitat stammt von Lijon Eknilang, einer Überlebenden der US-Atombombenversuche auf den Marshall-Inseln, und meint: Krankheit und Tod der Atomtestüberlebenden sollen nicht ganz umsonst gewesen sein. Wir, auf der anderen Seite des Planeten, müssen uns mit aller Kraft für die Abschaffung dieser Wahnsinns-Vernichtungswaffen einsetzen.

Meine erste Begegnung mit einem von schwerer Krankheit gezeichneten Atomtestopfer fand vor 36 Jahren auf einem Greenpeace-Schiff auf der Ostsee statt, und  die Erschütterungen haben mich seither nicht mehr losgelassen. Colin Avey hat als 17-jähriger britischer Soldat, ohne Schutzkleidung und ohne jegliches Wissen über Radioaktivität, aus nächster Nähe an britischen Atomwaffenversuchen auf der heute zum Pazifikstaat Kiribati gehörenden Weihnachtsinsel (Christmas Island) teilgenommen; die Begeisterung der jungen Leute war damals so groß, dass sich Colin Avey einen riesigen Atompilz auf Brust und Bauch hat tätowieren lassen. Was für ein täglicher Horrorblick in den Spiegel eines Todkranken.

In den folgenden Jahren habe ich als freiberufliche Hörfunkjournalistin auf verschiedenen Pazifikinseln Atomtestüberlebende interviewt, vor allem Frauen, die aufgrund eigener radioaktiver Verseuchung oder durch Strahlenschäden ihrer auf Atomtestgeländen arbeitenden Ehemänner viele Fehl- und Missgeburten erlitten hatten.

Lijon Eknilang lebte auf der kleinen Insel Ebeye (Marshall Islands), als ich sie Ende 1987 kennenlernte, unter schlimmen Bedingungen. Auf einer winzigen Fläche hatte die US-Regierung die Menschen zusammengepfercht, denen sie ihre Heimatinseln als Militärgelände geraubt hatte. Warmherzig und immer mit einem Lächeln im Gesicht, so erzählte Lijon von dem Grauen, das sie erleben musste, von der Explosion der Wasserstoffbombe mit dem Code-Namen „Bravo“ am 1. März 1954 auf dem Bikini-Atoll, mit einer Sprengkraft von etwa 1000 Hiroshima-Bomben, von dem radioaktiven „Schnee“, der auf die Bewohner der Inseln Rongelap, Ailinginae, Rongerik und Bikar niederregnete, von der Evakuierung erst zweieinhalb Tage später, als den Inselbewohnern schon ein Teil der Haare ausgefallen waren und sich große Hautfetzen gelöst hatten, und von der Rücksiedlung der Bewohner nur drei Jahre später auf ihr immer noch todbringend verseuchtes Atoll. Und Lijon berichtete von ihren eigenen Gesundheitsproblemen, Schilddrüsenoperationen, Knötchen in der Brust, Problemen mit Augen, Nieren und Magen, und von ihren sieben Fehlgeburten und davon, was Kinderlosigkeit für eine Marshallesin bedeutet. Schwer erträgliche Schilderungen von einer sehr beeindruckenden Frau, die wir dann im Jahr 2004 zu unserer Pazifik-Netzwerk-Tagung in Berlin einladen konnten. Im Jahr 2012 verstarb Lijon Eknilang, aber sie lebt in der Erinnerung all derer fort, die sie damals kennenlernten.

Ob die Atommächte einfach abwarten wollen, bis sich die Frage nach Entschädigungszahlungen durch den Tod der direkt Bestrahlten löst? Viele Tausend sind schon an Krebs gestorben. Die USA haben, nach 67 oberirdischen Atomtests auf den Marshall Islands, zwar grundsätzlich Entschädigungen für deren Bewohner zugestimmt, doch ist das bewilligte Geld längst aufgebraucht. Für Behandlungskosten und Medikamente steht nichts mehr zur Verfügung. In Frankreich (193 Atomexplosionen in Französisch-Polynesien) wird seit zehn Jahren über die konkrete Durchführung eines erst viel zu spät zustande gekommenen Entschädigungsgesetzes gestritten. Dass sich Strahlenschäden über Generationen fortsetzen, ist bisher gar nicht berücksichtigt. Was mich persönlich aber besonders wütend macht, ist der fehlende Respekt gegenüber den Menschen, deren Gesundheit ruiniert wurde und denen nun in endlosen Anerkennungsverfahren auch noch die Würde genommen wird.

Ein weiteres Problem, das mich bewegt, ist die völlige Verantwortungslosigkeit der Atommächte für ihre nuklearen Hinterlassenschaften vor Ort, die noch viele Generationen in Ozeanien bedrohen werden. Auf der Insel Runit im Eniwetok-Atoll (Marshall-Inseln) haben die USA in den 1970er-Jahren hochgiftiges Plutonium aus einem missglückten Atomtest, weiteren radioaktiven Abfall und Giftmüll in einen Bombenkrater verfüllt und mit Zement bedeckt. Eine Abdichtung zum porösen Korallenkalkgestein gibt es nicht, hier freigesetztes Plutonium lässt sich bis ins Südchinesische Meer nachweisen. Der riesige Zementdom liegt auf Meereshöhe, Pflanzen wachsen in den Rissen der Betonkuppel und langsam frisst sich mit dem Klimawandel der steigende Meeresspiegel in den Dom des Todes. Für das, was hier an tödlichen Giften über kurz oder lang freigespült wird, seien die Marshall-Inseln zuständig, heißt es aus den USA.

Auch wir neigen dazu, Probleme zu verdrängen. Wie oft denken wir an die etwa 13.400 Atomwaffen, die uns weltweit bedrohen? Fast 4.000 davon sind sofort einsatzbereit – mehr als genug, um die Welt komplett zu zerstören. Gegen diesen Wahnsinn müssten wir viel öfter protestieren als nur zum Hiroshima-Gedenktag am 6. August.

Ingrid Schilsky

Die internationale Jugendbegegnung Like a Tree von Mission EineWelt in Kooperation mit der Evangelischen Jugend Bayern (ejb) fand aufgrund der Corona-Pandemie im Internet statt. Zu der Online-Veranstaltung, die von 24. Juli bis 2. August 2020 über die virtuelle Bühne ging, hatten sich 25 junge Leute aus den verschiedensten Ecken dieser Welt angemeldet, die in kirchlicher Jugendarbeit aktiv sind.

Verschiedene Zeitzonen, unterschiedliche Kulturen, teilweise extrem unterschiedliche Lebensumstände, dazu noch ein „sperriges“ Thema wie die SDGs (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen, Workshops und Aktionen, bei denen die Teilnehmenden auch mal aus sich herausgehen sollten – und das alles, was in der analogen Welt schon schwierig genug wäre, auch noch im Internet. Kann das gutgehen?

„Anfangs war ich skeptisch, ob eine Jugendbegegnung im virtuellen Raum unseren Zweck erfüllen kann und noch kurz vor dem ersten Meeting fragte ich mich, ob überhaupt jemand in diesem virtuellen Raum erscheinen würde. Es ist surreal, sich vorzustellen, dass jede und jeder von denen, die in unseren Live-Schaltungen dabei waren, an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit und trotzdem bei uns war…uns BEGEGNET“, beschreibt Team-Mitglied Larissa Lautscham, die als Freiwillige bei Mission EineWelt arbeitet, ihre Gefühlslage.

Es hat geklappt. Vielleicht anders als in der gegenständlichen Welt, aber mit interessanten Erkenntnissen: „Ich hab‘ das Gefühl, überall gleichzeitig auf der Welt zu sein – und irgendwie stimmt das ja auch“, brachte ein Teilnehmer auf den Punkt, was auch viele andere in ähnlicher Weise sagten.

Auch die Bilanz des Teams fällt positiv aus: „Sich in einer Gruppe zusammenzufinden, bei der alle Kontinente vertreten sind, hat auch dazu geführt, dass die Teilnehmenden angefangen haben, in neuer Weise global zu denken, die eigenen Perspektiven zu überdenken und kritisch zu fragen: ‚Wie können wir globale Fragestellungen so thematisieren, dass die eigene Perspektive nicht automatisch auch die prägendste für die ganze Diskussion ist?‘“, resümiert Johanna Kluge, Referentin für Internationale Jugendarbeit bei der ejb. Gottfried Rösch, Leiter des Referats Mission Interkulturell bei Mission EineWelt ergänzt: „Bei einem ‚normalen‘, ‚traditionellen‘ internationalen Treffen erzählt jede und jeder von den Kontexten, aus denen er oder sie kommt. In den Auswertungsrunden haben mehrere festgestellt: ‚Diesmal waren wir uns in gewissem Sinn viel näher, denn ich konnte die Wohnzimmer der anderen sehen und hören, die Gärten, die Umgebung.‘ So waren wir plötzlich in einem ballroom dance in Adelaide, und der Hahn im Garten in Costa Rica hat uns häufig begleitet. Es entstand ein globales Gefühl der Gemeinschaft. Und dementsprechend konnte auch gut gearbeitet und diskutiert werden.“ Für die Zukunft sieht Rösch, „dass wir aufgrund der guten Erfahrung mehr digital arbeiten und gerade in der globalen kirchlichen Vernetzungs- und Partnerschaftsarbeit viele neue Möglichkeiten weiter ausprobieren wollen. Der nächste Global Worship wird schon geplant.“

In den zehn Tagen der Begegnung erwartete die Teilnehmenden ein vielfältiges Programm. Eingerahmt von Anfangs- und Abschlussgottesdienst, wurde über die SDGs und deren Umsetzung diskutiert, Konzepte und Methoden aus der Jugendarbeit wurden ausgetauscht, Musik, Literatur und Kunst wurden ebenso wie Gebete und Andachten geteilt. Einige Teilnehmende beteiligten sich auch aktiv am eigens für die Begegnung geschriebenen like a tree song und schickten Sounddateien mit ihren Gesangsparts. Der vollständige Song lief dann erstmals beim Abschlussgottesdienst und wird demnächst auf dem Youtube-Kanal vom Mission EineWelt (https://www.youtube.com/user/MissionEineWelt) veröffentlicht.

Möglich wurde all das durch die von den Abteilungen Online und E-Learning von Mission EineWelt entwickelte like a tree-Plattform mit Messaging, Foren, einer digital flat für spontane Videotreffen und allen Informationen zum Programm der Begegnung.

Zum Andenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki findet am 6. August 2020, zum 75. Jubiläum dieses apokalyptischen Infernos, ab 21 Uhr in Nürnberg vor dem IHK-Gebäude zwischen Waaggasse und Schulgässchen eine Gedenkveranstaltung statt. Dabei wird auch die gegenwärtige atomare Bedrohung und die Beteiligung Deutschlands daran thematisiert. Musik kommt in diesem Jahr von der Harfenistin Maja Taube. Die Einhaltung der Corona-bedingten Abstands- und Hygieneregeln wird von Mitarbeitenden der Stadt Nürnberg organisiert.

Wie viel Leid, wie viel Grausamkeit, wie viel Zerstörung ist noch nötig, bevor die Menschheit endlich umdenkt und zu einem friedlichen Miteinander findet? – Diese Frage stellt sich fast zwangsläufig, lässt mwd die Geschichte des so genannten atomaren Zeitalters Revue passieren. Es ist eine grausame, unmenschliche, infernalische Geschichte. Sie beginnt mit den Atombombenabwürfen der USA auf Hiroshima und Nagasaki. Binnen Sekunden starben am 6. August in Hiroshima und am 9. August 1945 in Nagasaki fast 70.000 Menschen. Alleine in den vier Monaten danach fielen weitere 130.000 der tödlichen Strahlung zum Opfer. Bis heute sind die nachfolgenden Generationen durch genetische Schäden belastet. Sie geht weiter mit dem Leid, verursacht durch Atombombentests im Pazifik, mit den vom gesundheitsschädlichen Uranabbau betroffenen indigenen Bevölkerungen in Australien und Afrika, den Opfern von Uranmunition im Irak, in Jugoslawien und Afghanistan und den Opfern der Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima.

Und es soll weitergehen. Den Abrüstungsbemühungen der 1980er und 90er Jahre folgt nun ein höchst gefährlicher globaler Trend zu Konfrontation und nuklearer Aufrüstung. Auch Deutschland ist beteiligt. Im Fliegerhorst Büchel in der Eifel lagern 20 US-amerikanische Atombomben. Sie sollen im „Ernstfall“ im Rahmen der so genannten „nuklearen Teilhabe“ von Bundeswehr-Kampfflugzeugen abgeworfen werden.

Ein Beschluss des Bundestages von 2010, wonach es in Deutschland keine Nuklearwaffen mehr geben soll, ist bis heute nicht umgesetzt worden. Im Gegenteil wird derzeit die Modernisierung des atomaren Arsenals betrieben.

Die Organisator/innen des Hiroshima­ Gedenkens in Nürnberg, das Nürnberger Evangelische Forum für den Frieden (NEFF), die Friedensinitiative Nürnberg­ Nordost (FINO), das Friedensmuseum Nürnberg, Mission EineWelt, die Pazifik­ Informationsstelle Neuendettelsau und die Internationale Ärzteinitiative zur Verhinderung des Atomkriegs (IPPNW) Nürnberg, fordern die Bundesregierung dazu auf, den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen und seine Ratifizierung im Bundestag anzustreben. Der Atom­ waffenverbotsvertrag wurde im Juli 2017 von 122 Staaten der UN-Vollversammlung beschlossen und ist mittlerweiIe von 81 Staaten unterzeichnet worden. Ratifiziert haben ihn bisher 40 Staaten. 50 Ratifizierungen sind notwendig, damit der Vertrag völkerrechtlich in Kraft tritt. Unter anderem verbietet er jegliche Aktivitäten mit Atomwaffen: nicht nur Einsatz und Androhung eines Einsatzes, sondern auch Entwicklung und Herstellung, Tests, Transport und Lagerung, aber ebenso auch schon die Unterstützung solcher Handlungen.