Konsum und dann nichts. Die indische Theologin Monica Melanchthon, die derzeit im Rahmen einer Gastdozentur an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau lehrt, kritisiert in ihrem Vortrag „Salvation not for sale“ massiv die Konsumgläubigkeit der heutigen Gesellschaft, die auch vor zweifelhaftesten Heilsversprechen nicht Halt macht. Die Veranstaltung findet am 11. Januar 2018 um 19 Uhr im Haus eckstein, Burgstraße 1-3, Nürnberg, Raum 4.02, statt.

„Der Götzendienst für den Mammon hält die Welt im Griff, und das ist nur ein Teil einer noch viel größeren Blasphemie, mit der unsere Gesellschaft praktisch alle ihre Grundsätze auf dem Altar des Konsumdenkens opfert“, lautet eine der Kernthesen von Monica Melanchthon. Weil die „Philosophie des Marktes einen quasi-religiösen Charakter“ habe, seien alle ethischen und sozialen Maßstäbe „den rigorosen Regeln des Marktwettbewerbs unterworfen“.

Dabei unterzieht die 55-Jährige auch religiösen Fanatismus einer deutlichen Kritik. Sie vertritt die These, dass „die Gewalt und das Blutvergießen in dieser Welt häufig seine Ursache in dem fanatischen Glauben jeder Religion hat, dass nur sie allein fähig ist, die Erlösung der Menschheit zu bewerkstelligen“.

Im Zentrum von Monica Melanchthons Forschungstätigkeit steht die Perspektive von Menschen am Rande der Gesellschaft, wie zum Beispiel der Dallits in ihrem Herkunftsland Indien. Neben Fragen von Gender und der Unterdrückung von Frauen spielen in ihrer Arbeit auch die kritische Betrachtung marktorientierter Gesellschaftssysteme und der daraus folgenden Tendenz, „das Christentum mit denselben Methoden zu verkaufen, die schon beim Verkauf von Waschmitteln und Deodorants erfolgreich waren.“ eine wichtige Rolle. Zentral ist für die 55-jährige Theologin die Frage, welche befreiende Kraft die Bibel angesichts aktueller Problemlagen in sich trägt.

 

Monica Melanchthon wurde am 20. April 1962 geboren. Sie hat am United Theological College, Bangalore, und an der Lutheran School of Theology at Chicago Theologie studiert und lehrt als Professorin an der Divinity University in Melbourne, Australien.

Seit Anfang des Wintersemesters ist Monica Melanchthon Vicedom-Gastdozentin an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau. Die Vicedom-Gastdozentur ist nach dem Missionar Georg Friedrich Vicedom benannt. Vicedom war von 1929 bis 1939 als Missionar in Neuguinea. Später leitete er das Neuguinea-Referat in der Neuendettelsauer Mission. Von 1946 bis 1956 war er Inspektor des Missionshauses. Ab 1956 hatte er den missionswissenschaftlichen Lehrstuhl an der Augustana-Hochschule inne, bis er 1972 emeritiert wurde. 1964 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.