Das Leben von Großmutter Frieda Keyßer und die Arbeit unter australischen Aborigines als Buch

John Strehlow ist viel herumgekommen in der Welt. Der 68jährige Historiker war unter anderem in Indien, Pakistan, Afghanistan, Iran und Neuguinea und hat viele Jahre seines Berufslebens als Theaterregisseur in seiner Heimat Australien und in Europa gearbeitet. Anfang der 1990er Jahre begann er, die Geschichte seiner Großeltern zu erforschen, die als Missionarsehepaar vom mittelfränkischen Neuendettelsau nach Australien ausgesandt worden waren. Dort haben Großvater Carl Strehlow und Großmutter Frieda, geborene Keyßer, inmitten des fünften Kontinents viele Jahre unter den Ureinwohnern, den Aborigines, gearbeitet.

Für John Strehlow war es eine Forschungsreise zu einer eher unbekannten Verwandtschaft. Die Großeltern hat er nie kennen gelernt. Carl Strehlow starb bereits 1922 in Australien und seine Frau Frieda kehrte 1932 nach Deutschland zurück, wo fünf ihrer sechs Kinder lebten. Dort starb sie 1957, ohne dass Enkel John sie jemals kennen gelernt hatte. „Wir haben nur einmal kurz telefoniert und die Verständigung war damals sehr schwierig“, erzählt John Strehlow bei einem Gespräch in Neuendettelsau. Seine Großmutter hat in Deutschland aber viele Tagebücher und Briefe hinterlassen, die er als Grundlage für sein Buch auswerten konnte. Daraus lässt sich die bewegende und entbehrungsreiche Geschichte des Missionars-Ehepaars erahnen, das sich für die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, einsetzte und sich dafür als „naiv“ abstempeln lassen mussten.

Von 1892 bis 1922 waren die Eheleute Carl und Frieda auf der Missionsstation Hermannsburg in Zentralaustralien, nur unterbrochen durch einen Heimaturlaub 1910 bis 1912. Fünf der sechs Kinder bleiben nach dem Heimaturlaub in Deutschland zurück, um dort zur Schule zu gehen. Nur John Strehlows Vater Theodore, Ted genannt, kehrte mit den Eltern nach Australien zurück und lebte als einziges weißes Kind unter den Aborigines. Er wurde schließlich Anthropologe und Sprachwissenschaftler und einer der wenigen Menschen weltweit, die die Sprache der Ureinwohner studierten.

Rund 28 Jahre arbeiteten John Strehlows Großeltern in Australien und kämpften darum, dass die Aborigines gegen alle politischen Anfeindungen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung bekamen. Nach dem Tod von Großvater Carl blieb Frieda noch 10 Jahre in Australien und kehrte schließlich nach Deutschland zurück. Und damit brach eigentlich auch die Verbindung zwischen dem australischen und deutschen Familienteil fast gänzlich ab. Mit John Strehlows Buch über seine Großmutter Frieda ist wieder eine Brücke entstanden.

Der Historiker und Theaterregisseur John Strehlow hat viele Jahre in England gelebt und ist auch oft in Deutschland gewesen. Mit seinem Buch „The Tale of Frieda Keysser- Investigations into a Forgotten Past” (Die Geschichte von Frieda Keyßer – Spuren in eine vergessene Vergangenheit), dass leider nur in englischer Sprache erschienen ist, hat er ein bewegendes Kapitel Neuendettelsauer Missionsgeschichte aus der Sicht einer mitausgereisten Ehefrau gesichert. Das mehr als 1.000-seitige Buch ist in wenigen Exemplaren zum Preis von 70 Euro plus Versand bei Mission EineWelt erhältlich.

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