„Ist es denn schlecht, ist es denn Egoismus, wenn der Mensch versucht, auf dem Platz, auf den er gestellt wurde, etwas zu tun, was für ihn gut ist?“

Wer kann diese (rhetorische) Frage schon allgemein beantworten? – Brunhilde Pomsel hat sie trotzdem gestellt, im Alter von 103 Jahren und vor laufender Kamera. Vielleicht auf der Suche nach einer Absolution, die es nicht geben kann, weil statt Bewertung nur die Suche bleibt – und in der Folge eine gewisse Ratlosigkeit.

Brunhilde Pomsel hat die Spitze in der Disziplin des Mitlaufens unter der Herrschaft des Nazi-Regimes erklommen. Von 1942 bis zum Ende des Krieges arbeitete sie als Stenotypistin für den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Als das Regime zusammenbrach, harrte sie mit ihrem Chef im Luftschutzbunker des Ministeriums aus. Nach fünf Jahren in sowjetischen Lagern arbeitete sie für die ARD.

Drei Jahre vor ihrem Tod hat Pomsel im Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ Bilanz gezogen. Herausgekommen ist ein Lehrstück über die Ambivalenz des unkritischen Lebens, das sich einem Urteil entzieht, aber einen bitteren Geschmack hinterlässt. Es mag als Prüfstein dienen.

Nach der Vorführung findet eine Diskussion zum Film statt. Moderieren wird Hermann Vorländer, ehemals Direktor des Missionswerks der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern – heute Mission EineWelt, der sich ehrenamtlich unter anderem beim Heimat- und Geschichtsverein Neuendettelsau engagiert.

Der Film ist am Mittwoch, 24. Januar 2018, um 19.30 Uhr im Otto-Kuhr-Saal (Hauptstraße 2 in

Neuendettelsau) zu sehen. Der Eintritt ist frei.