Krise in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea

Mit Sorge blickt Mission EineWelt auf die derzeitige Situation in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG). Nach Aussage des Referenten für Pazifik und Ostasien bei Mission EineWelt, Dr. Traugott Farnbacher, leidet die älteste Partnerkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern seit einigen Jahren an einer massiven „Leitungs-, Struktur- und Finanzkrise, die sich in den letzten Monaten zugespitzt hat“. Ursache hierfür seien vor allem erhebliche Unstimmigkeiten zwischen kirchenleitenden Personen und Gremien der ELC-PNG sowie Planungsdefizite.

Finanzhaushalt und Wirtschaft der ELC-PNG sind nach Ansicht Farnbachers mittlerweile so hoch verschuldet, dass nicht einmal mehr die Gehälter an Mitarbeitende ausgezahlt werden konnten. Landesweit waren einen Monat lang rund 500 Mitarbeitende der Partnerkirche ohne Einkommen. Pfarrer Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt, sieht für die desolate Situation in der südpazifischen Partnerkirche die Kirchenleitung in der Verantwortung. Diese muss alles tun, um die offensichtliche Krise in den leitenden Verwaltungsorganen der ELC-PNG zu überwinden.

Farnbacher, der in diesen Wochen in der Partnerkirche war, teilte mit, dass der Wirtschaftsarm der Partnerkirche, der seine Einnahmen überwiegend aus der Lutherischen Schifffahrtsgesellschaft sowie aus seinen Liegenschaften zur Weiterleitung an die Zentrale der Kirche erwirtschaftet, seit Monaten hoch verschuldet ist. Seit kurzem sei die Kirchengesamtverwaltung aufgrund enormer Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern, Institutionen und Einzelförderern insolvent. Nur wenige der betroffenen kirchlichen Angestellten, die derzeit kein Gehalt erhalten, seien im Ausstand. Was jedoch in absehbarer Zeit passiere, wenn keine Einigung mit den Banken erzielt werden sollte, sei nicht absehbar.

„Umstrukturierungen zur Erschließung neuer Finanzquellen sind in jedem Fall unumgänglich und auch möglich“, so Farnbacher. In den vergangenen Monaten hätten die internationalen Partnerorganisationen und -kirchen in Beratungsprozessen mit der Kirchenleitung Optionen aufgezeigt. Das Zögern, entschlossen und ergebnisorientiert zu handeln, habe letztlich zu der gegenwärtigen Situation geführt. „Mittlerweile erhöht sich der Druck der Basis gegenüber der Kirchenzentrale“, berichtet Farnbacher.

Ein durch Brot für die Welt und den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) beauftragtes, internationales Expertenteam hat in Kooperation mit dem in der ELC-PNG tätigen Finanzberater des Partnerschaftszentrums Mission EineWelt einen „Rettungsplan“ erarbeitet. Darin vorgesehene Reformpläne könnten bei unvermeidbaren Einschränkungen und Kürzungen im Haushalt und im kirchlichen Dienstleistungssektor eine solide Finanz- und Wirtschaftstätigkeit wiederherstellen. Die Lage ist nach Einschätzung von Traugott Farnbacher keineswegs hoffnungslos. Sollten in absehbarer Zeit jedoch Reformen nicht greifen, werde die Notlage der Kirche noch anwachsen.

Mission EineWelt und seine Vorgänger-Organisationen sind seit Beginn der lutherischen Missionsarbeit vor fast 130 Jahren in dem Südsee-Land präsent. Derzeit arbeiten 22 Voll- und Teilzeitmitarbeitende und Volontäre in den Bereichen Theologie/Ausbildung, ärztliche Gesundheitsdienste, Logistik, Spiritualität und Finanzmanagement sowie Jugend/Gemeinde in der ELC-PNG. Insgesamt werden jährlich etwa 60 Programme und Projekte gefördert.

„Wir wollen unsere Partnerkirche ehrlich, aufgeschlossen und verlässlich mit unseren Möglichkeiten begleiten“, so Farnbacher. „Unsere Bereitschaft zu einer konstruktiv-kritischen Partnerschaft darf auch unter dem Druck der aktuell instabilen Lage nicht grundsätzlich in Frage gestellt oder drastisch reduziert werden.“ Dies würde die Lage unserer Partner nur verschlechtern.