Auch die 2021er Ausgabe des Festes der weltweiten Kirche von Mission EineWelt wurde Corona-bedingt in den virtuellen Raum verlegt. Großer Vorteil auch in diesem Jahr: Diskussionspanels mit einer internationalen Besetzung, die so im analogen Raum kaum zu einem Termin zu organisieren wäre. Inhaltlich ging es um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Politik und Gesellschaft und vor allem darum, welche Antworten und Lösungsmöglichkeiten die weltweite Kirche zu bieten hat.

Die wichtigste Antwort lautet: Teilen, damit es allen gut geht. Im Auftaktgottesdienst predigte Philomena Mwaura zu Apostelgeschichte 2, wo die Entstehung und die Lebensform der ersten christlichen Gemeinde beschrieben wird. Die kenianische Theologie-Professorin, die derzeit im Rahmen eines Vicedom-Stipendiums an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau lehrt, betonte den Wert des Teilens als zentrale christliche Form gelebter Gemeinschaft. „Dort, wo Christ*innen Gott nacheifern und Gottes Gegenwart erfahren, ist ein solches Geben und Teilen die natürliche christliche Antwort,“ sagte Mwaura. „Gegenseitiges und gemeinsames Engagement bringt wunderbare Taten der sozialen Gerechtigkeit innerhalb der Gemeinschaft und darüber hinaus hervor.“ Mit einem Seitenhieb auf evangelikale Strömungen warnte die Theologin davor, das als Suche nach dem „Wunderbaren und Außergewöhnlichem“ zu interpretieren. Solche Tendenzen, so Mwaura, machten die Kirche „oberflächlich“. Vielmehr sollten die Menschen „beachten, dass Gott in gewöhnlichen Dingen, in gewöhnlichen Menschen wirkt“.

Mit Teilen hat auch Demokratie zu tun. Eine Diskussion mit Hans Trein aus Brasilien, Jean-Pierre Boutché aus Kamerun, Kwai Lam Lee aus Hong Kong und Mira Rodrian aus Deutschland kam zu dem Ergebnis, dass Demokratie gerechte Strukturen braucht. Sie funktioniere nicht, wenn Hunger und Armut herrschen und es keine Möglichkeiten zu politischer und gesellschaftlicher Teilhabe gibt. Entscheidend sei auch der Zugang zu Bildung und die Möglichkeit, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Für eine demokratischere Welt müssten sich die Vielen, die für demokratische Werte kämpfen, noch mehr gemeinsam engagieren, lautete eine der Schlussfolgerungen der Diskussionsrunde, die von Jürgen Bergmann, Leiter des Referats Entwicklung und Politik von Mission EineWelt, moderiert wurde.

Die Podiumsdiskussion zum Abschluss des diesjährigen Festes beschäftigte sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf gesellschaftliche Strukturen: Was bedeutet die Pandemie für unser Zusammenleben jetzt und in Zukunft? – Welche Rolle spielen die Kirchen?, fragte Moderatorin Julia Ratzmann, Leiterin der Pazifik-Infostelle von Mission EineWelt, ihre Gesprächspartner*innen. Auch hier stand Ungleichheit, materiell und in puncto Teilhabe, im Mittelpunkt. Abed Lwakatare, Lehrer für Geographie und Sport aus Tansania, und Betriebswirt Niklas Stephen, der in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG) im Asset Management arbeitet, schilderten, dass in ihren Ländern nur die Reichen Zugang zu guter medizinischer Versorgung hätten. Corona verdeutlicht die grundsätzliche Ungerechtigkeit aber lediglich. „Die Bevölkerung leidet schon immer“, konstatierte Stephen. Die brasilianische Theologin Claudete Beise Ulrich forderte: „Starke Ungleichheit ist das Problem. Da muss die Kirche sich engagieren“. Dem stimmte auch der Erlanger Soziologe Sebastian Büttner zu. Soziale Ungleichheit sei „ein zentrales Problem – national und global“. Darüber müsste aus seiner Sicht in einem großen gesellschaftlichen Rahmen und „nicht nur in Expert*innen-Zirkeln“ diskutiert werden: „Verschiedene Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig erzählen und öffentlich machen – das ist wichtig.“ Solche Dialoge zu initiieren, sei ein wichtiger Auftrag für die Kirchen und für zivilgesellschaftliche Organisationen.

Wer das Online-Fest der weltweiten Kirche verpasst hat, kann den Gottesdienst auf dem Youtube-Kanal von Mission EineWelt noch einmal ansehen: https://youtu.be/iRfRbFefTXk.