Dr. Claus Schwambach, Direktor der lutherischen Hochschule in Sao Bento (mitte) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Stahlhöfer (links) und Lateinamerika-Referent von Mission EineWelt, Hans Zeller (rechts)

Brasilianischer Hochschuldirektor zum Gespräch bei Mission EineWelt

Dr. Claus Schwambach, Direktor der lutherischen theologischen Hochschule im brasilianischen Sao Bento, war zu einem Kurzbesuch bei Mission EineWelt. Lateinamerikareferent Hans Zeller hat mit ihm gesprochen.

In der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien gibt es drei Hochschulen, an denen Interessierte Theologie studieren können. Aus dem konservativen pietistischen Lager entstand die lutherische theologische Hochschule in Sao Bento. Ursprünglich ein biblisches Seminar ist es inzwischen eine staatlich anerkannte Hochschule. Deren Direktor Dr. Claus Schwambach ist überzeugt, dass eine gute Ausbildung zukünftiger Pfarrerinnen und Pfarrer ein wichtiger Baustein für das Wachstum der lutherischen Kirche in Brasilien ist. Deshalb ist der Hochschule wichtig, dass die Studierenden während des viereinhalbjährigen Studiums nicht nebenbei eine Arbeit zur Finanzierung des Studiums aufnehmen müssen, wie es anderswo in Brasilien ist. Deshalb gibt die Hochschule Studienbeihilfen, damit auch diejenigen studieren können, die es sich finanziell nicht leisten können.

Die Hochschule hat ihren Bildungsschwerpunkt in den Sprachen und der lutherischen Theologie. Schwambach beklagte, dass die Studenten in Brasilien eine sehr schwache Grundschulausbildung haben. Dies müsse in den ersten Studienjahren nachgeholt werden. Wichtig ist ihm in der Pfarrerausbildung ein Zukunftskonzept, das die künftigen Pastoren befähigt, im brasilianischen Kontext lutherische Gemeinden zu führen. Religion ist in Brasilien „in“. Doch tue sich die lutherische Kirche schwer, sich in dem Kontext, der stark von Emotionen bestimmt ist, zu behaupten. So sei die Konkurrenz zu den Pfingstkirchen enorm, die mit einfachen Antworten auf einer fundamentalistischen Basis auf die religiösen Fragen antworten.

Das brasilianische Gesetz erlaubt es, relativ einfach eine Kirche zu gründen. Deshalb gibt es häufig Kirchenspaltungen, wenn eine Gruppe von Gemeindegliedern mit einem Gemeindeleiter nicht zufrieden ist. Nach den Worten Schwambachs ist aber sichtbar, dass nur dort Kirche Bestand hat, wo es nicht zu Kirchenspaltungen kommt. Deshalb bekennt sich die Hochschule eindeutig zur Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien.

Die lutherischen Gemeindeglieder fragen sich aber auch, warum die Pfingstkirchen so viele Gemeindeglieder um sich scharen können. Deshalb wird im Studium immer gefragt, was theologische Aussagen für die Praxis bedeuten. Neben einer guten humanistischen Grundausbildung suche Schwambach deshalb Anregungen in den Glaubenskursen, die auf dem Markt sind. Die theologische Praxis werde zunehmend von erfolgreichen Initiativen aus der USA geprägt. Aufgrund der Konkurrenz sei es wichtig, so der Hochschuldirektor, dass eine Kirche auf die Menschen zugeht und Konzepte entwickelt, die den Menschen auch zeitgemäß erscheinen.

Momentan hat die kirchliche Hochschule in Sao Bento 70 Studierende. Da es eine große Nachfrage gibt. möchte die Hochschule die Zahl auf 110 Studierende erhöhen.