Grafik: UN

Grafik: UN

Der Weltfrauentag wird am 8. März gefeiert. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg als Initiative sozialistischer Organisationen im Kampf für Gleichberechtigung, für das Wahlrecht für Frauen und für die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden.

Zum internationalen Frauentag 2003 war ein von der UNICEF propagiertes Motto „Bessere Bildung für Mädchen“ mit dem Ziel, Mädchen besser vor ungleicher Behandlung und Ausbeutung zu schützen. Die Gleichstellungsbeauftrage des Deutschen Bundestages lud zu einem Leseabend mit der Schriftstellerin C. Anthony aus Sierra Leone ein. Viele Aufrufe wendeten sich gegen jede Diskriminierung von Frauen und Mädchen, unter anderem gegen die weibliche Genitalverstümmelung, gegen Kinderheirat und gegen die Verurteilung von nichtheterosexuellen Lebensweisen.

Heute geht es bei dem Weltfrauentag darum, neben dem Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen und für die Rechte von Frauen Freiräume für eine neue Selbstartikulation von Frauen zu schaffen. Wo Versöhnung stattfinden soll, muss der Schmerz, den die Frauen über Generationen hinweg ertragen haben, geteilt und gehört werden.

Bis heute zeigt sich ein gewisses Dilemma afrikanischer Frauen. Sie teilen mit den afrikanischen Männern den Wunsch, entgegen den aus der Kolonialzeit tradierten Bildern die eigene afrikanische Vergangenheit nicht als barbarisch, sondern als von einer sozialen Ordnung und auch mit einer Würde bestimmt zu rekonstruieren. In afrikanischer Literatur – etwa in Chinua Achebes Roman „Okonkwo oder das Alte stürzt“ – ist dies eindrucksvoll versucht worden. Zugleich aber weisen afrikanische Frauen auch auf die Brüche und Ungerechtigkeiten hin, die den traditionellen afrikanischen Gesellschaften inhärent waren. Die Unterdrückung und Diskriminierung der Frauen gehört zweifellos dazu, und dies ist auch ein Grund dafür, warum afrikanische Frauen, die sich mit ihrer Situation in der postkolonialen Gesellschaft auseinandersetzen von einer „ double colonisation“ sprechen. Dies will sagen, dass Frauen in den früher kolonisierten Gesellschaften doppelt kolonisiert waren: durch die imperialistischen Ideologien einerseits und die traditionellen patriarchalen Ideologien andererseits. Wenn sie heute darauf bestehen, dass es eine kulturelle Befreiung ohne Frauenbefreiung nicht geben wird – „No cultural liberation without women’s liberation“ – sind sie doch als afrikanische Frauen außerordentlich kritisch gegenüber Bevormundung von Seiten westlicher Frauen.

Die Kirche ist heute berufen, eine heilende und versöhnende Gemeinschaft zu sein und als heilende und versöhnende Gemeinschaft in die Welt auszustrahlen. Ob diese Gemeinschaft wirklich heilend ist, zeigt sich nicht zuletzt an der auf Respekt, Wertschätzung, Anerkennung von Verschiedenheit beruhenden Gemeinschaft von Männern und Frauen. Sie zu leben und diese Gemeinschaft zu verwirklichen ist die Berufung der Kirche.

Ulrike Hansen