Das noch bis Mai 2019 laufende Jahresthema von Mission EineWelt, „Der Mensch – not for sale“, bildete den inhaltlichen Mittelpunkt der Tagung der Dekanatsmissionsbeauftragten und DekanatsmissionspfarrerInnen von 9. bis 11. November 2018 bei Mission EineWelt. Nach einer allgemeinen Einführung am Freitagabend standen am Samstag „Beispiele aus der weltweiten Kirche“ auf dem Programm.

Valinirina Nomenjanahary, ökumenische Mitarbeiterin bei Mission EineWelt, informierte über die Situation der Hausmädchen in Madagaskar. Junge Frauen im Teenageralter werden dort aus möglichst weit entfernten Dörfern in die großen Städte geholt, wo sie sechs Tage pro Woche von früh morgens bis spät abends mit Haushaltsführung, Kinderbetreuung und Versorgung der Tiere beschäftigt sind. Die Mädchen haben meist keinen Vertrag und sind der Willkür ihrer Arbeitgeber weitestgehend schutzlos ausgeliefert. Sexueller Missbrauch ist nicht selten. Und ob der vereinbarte Lohn tatsächlich bezahlt wird, ist ungewiss.

Die Situation der Beschäftigten in den Textilfabriken und Call Centers in Nicaragua schilderte Sergio Rios Carrillo, ökumenischer Mitarbeiter und Menschenrechtsbeauftragter bei Mission EineWelt. Während die Bezahlung in den Textilfabriken nicht zum Leben reicht, werden die Call Center-Mitarbeitenden vergleichsweise gut bezahlt. Die Arbeitsbedingungen sind jedoch in beiden Situationen unmenschlich und von Rechtlosigkeit der Angestellten geprägt. Dazu kommt noch ein gravierendes Grundproblem: „Die Unterentwicklungssituation wird von international agierenden Unternehmen ausgenutzt, um maximalen Profit zu erzielen. Für die Entwicklung der Binnenwirtschaft Nicaraguas bringen solche Investitionen nichts“, bilanzierte Sergio Rios Carillo.

Demgegenüber wirkt die Situation von Menschen, die in Deutschland im Niedriglohnsektor beschäftigt sind oder von Hartz IV leben müssen, nur auf den ersten Blick komfortabel. Christoph von Seggern; Leiter der Regionalstelle Nord von Mission EineWelt schilderte, dass in einem Land, in dem gesellschaftliche Teilhabe derart an finanziellen Wohlstand gekoppelt ist wie in Deutschland, solche Lebensbedingungen unzumutbar sind.

Eine mögliche Lösung für diese und ähnliche Probleme könnte ein UN-Menschenrechtsabkommen sein, dass derzeit von über 100 Staaten verhandelt wird. Vorgesehen ist die Schaffung eines rechtsverbindlichen, in allen Ländern gesetzlich verankerten Katalogs von Menschen- und Arbeitsrechten, die Vorrang vor Investitionsschutz haben. Leider blockiert Deutschland die Verhandlungen und verhindert damit auch eine Positionierung der EU. Die Treaty Alliance, ein weltweites Bündnis von zivilgesellschaftlichen Gruppen, setzt sich dafür ein, dass das Abkommen zustande kommt und dass die Verhandlungen von den nördlichen Industriestaaten aktiv und konstruktiv unterstützt werden. Mission EineWelt ist Mitglied der Treaty Alliance Deutschland: https://www.cora-netz.de/treaty/