Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

 

Ein neues Jahr beginnt, und wir nehmen die Herausforderungen, vor die wir gestellt werden, wieder neu an. Ich wünsche Ihnen allen an dieser Stelle ein gesegnetes neues Jahr und einen guten Start in die kommenden Monate. Wir beginnen die Reihe der Andachten im Jahr 2021 wie immer mit der Jahreslosung:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Lukas 6,36

Man kennt es aus der Weltpolitik der letzten Jahre: Der US-Präsident erhebt Strafzölle auf Waren aus China, und Peking revanchiert sich umgehend. Und seit sich China für Afrika interessiert, eskaliert dort der Kampf um Einfluss, Bodenschätze und Land. Andere Staaten ahmen Chinas Verhalten nach. Wie wird das enden? Man ahnt es. Der eine ahmt den anderen nach und versucht, ihn dabei zu übertreffen, um die Oberhand zu gewinnen.

Der Religionswissenschaftler René Girard nennt diesen Kreislauf von Nachahmung einen „mimetischen Konflikt“. Der Mensch ist ein mimetisches Tier, dessen Wesen die Nachahmung ist. Sobald einer ein Objekt begehrt, weckt er das Begehren des anderen. So entsteht eine mimetische Rivalität zwischen den Menschen. Und wenn niemand diesen Kreislauf durchbricht, steigert er sich bis zum Äußersten. Girard zeigt, wie viele antike Mythen auf dieser Mechanik basieren. Sündenböcke müssen gefunden werden, und am Ende stirbt der opferbereite Held.

Das Judentum und das Christentum aber wurden sich bewusst, dass diese Form der Konfliktlösung unmenschlich ist und letztlich keinen Ausweg aus der Krise weist. Die Evangelien schließlich machen Schluss mit diesem Kreislauf der Gewalt bis zum Äußersten. Jesus kommt in die Welt, um ihr die Augen zu öffnen. Er weiß, dass man die mimetische Natur des Menschen nicht ändern kann. Aber man kann sie umlenken. Sie sollen ihm nacheifern, dem machtlosen Messias. Sie sollen nicht um das Böse und um Macht wetteifern, sondern um das Gute: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Die Jahreslosung für dieses Jahr ist unsere Aufgabe, um Wege aus dem Gewirr der Konflikte zu finden.

 

Andacht: Gabriele Hoerschelmann, Direktorin Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

Literaturhinweis: René Girard: Das Ende der Gewalt, Analysen des Menschheitsverhängnisses, 2009.

 

 

In the world politics of the past years it seems to be familiar to us: The US President implements punitive duties for imported goods from China. Immediately Beijing seeks revenge. And since China is interested in Africa, the struggle for influence, natural resources and land is escalating. Other countries imitate China. How will this end? We can only imagine. One will imitate the other and tries to beat him in order to win.

René Girard, a professor for Religious Studies, calls these circles of imitation “mimetic conflicts”. The human being is a mimetic creature and his nature is imitation. As soon as somebody desires an object, it stimulates the desire of somebody else. This way the mimetic rivalry among humans evolves. And if nobody stops this circle, it will be carried to the extremes. Girard shows how the mythologies of the antiques are based on this mechanism. Scapegoats must be found and in the end, the heroe willing to make sacrifices must die. However, Judaism and Christianity became aware that this way of conflict resolution is inhuman and does not show the way out of the crisis. The gospel finally ends this circle of violence. Jesus came into the world to open our eyes. He knew that one cannot change the mimetic nature of the people. But one can divert it. They shall imitate him, the powerless Messiah. They shall not compete for power and the evil but for the good: “Have mercy, as your father has mercy!” The watchword for this year is our task and shows us the way out of the many conflicts around us.

 

Prayer: Gabriele Hoerschelmann

Illustration: Daniela Denk