Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

 

Wir schließen ein turbulentes Jahr ab, in dem die Menschheit schwierige Momente und dunkle Zeiten erlebt hat. Die Heilige Nacht ist die Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass Jesus kommt, um das Leben der Menschen zu erhellen. Gott kommt durch seinen Sohn in die Welt. Aber wann und wie wird dieser Moment offenbart?

Beim Lesen der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium fällt mir auf, dass die besonderen Überbringer der guten Nachricht die Hirten sind. Und die Botschaft kommt nicht direkt zum Kaiser oder zu den religiösen Autoritäten, sondern sie erreicht zuerst die Menschen, die am meisten durch die Strukturen der politischen Macht geschädigt sind. Die Geburt Jesu ist in einem politischen, sozialen und kulturellen Kontext gestellt, in dem die Menschen hoffnungslos, verängstigt, überfordert sind aufgrund der „PAX ROMANA“. In der Erzählung des Lukas repräsentieren die Hirten den Klassenkonflikt, einen Konflikt, der auch heute noch andauert, voller Stereotypen und Ungerechtigkeiten. Jesus wird an einem bescheidenen Ort geboren, umgeben von Tieren im Stall, von einfachen Leuten als Zeugen, den Hirten. Jesus ist derjenige, der allen Menschen nahe ist. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die sich in Jesu Geburt ausdrückt, ist der Gegenentwurf zu den oft abgehobenen und nicht selten auch gnadenlosen Mächtigen von damals und heute.

Lukas erzählt von der bescheidenen Umgebung, in der Jesus geboren wird. Genau da hinein kommt der Engel, der den Frieden im Namen Gottes verkündet. Das Kind wird vom Engel „Retter“ genannt, Christus, der Herr. Im Licht dieser Verkündigung beenden wir dieses düstere Jahr mit der Hoffnung auf eine helle Zukunft, indem wir auf Gott vertrauen und uns über jede Gelegenheit freuen, die er uns gibt, um unsere Herzen zu erneuern.

Wir beten: Gott, Vater, hilf uns, die Feier Deines Heilshandelns nicht auf eine private und familiäre geistliche Dimension zu reduzieren. Wir beten für Familien und Gesellschaften, die keinen Frieden haben, für Menschen, die immer noch unter Sklavenarbeitssystemen leben, für die Isolierten und Kranken in Krankenhäusern, für Migrant*innen wie Maria und Josef, für diejenigen, die Hunger, Arbeitslosigkeit und – wie Jesus – Verfolgung erleiden. Wir bitten Dich, dass Du unsere Kraft erneuerst, Gerechtigkeit im gesellschaftspolitischen Handeln umzusetzen. Deine Geburt zeigt uns an, dass ein neuer Tag anbricht, deshalb stärke unseren Glauben. Wir bitten Dich, dass Du weiterhin durch uns als Agent*innen des Wandels in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Raums und der Entscheidungsfindung wirkst. Hilf uns, nicht wegzuschauen, und hilf uns, uns denen zu helfen, die unsere Hilfe dringend brauchen. Hilf uns, dass unser Engagement das Ergebnis dessen ist, was Deine Gegenwart in der Welt darstellt.

Möge der Geist des Herrn mit Ihnen und Euch sein in der Heiligen Nacht. Frieden in unseren Herzen!

Amen.

 

Andacht: Sergio Ríos Carrillo, Ökumenischer Mitarbeiter für Menschenrechtsfragen im Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

We are closing a turbulent year in which humanity has experienced difficult moments and dark times. Christmas Eve is the occasion to remember that Jesus comes to brighten people’s lives. God comes into the world through his Son. But when and how is this moment revealed?

Reading the Christmas story in Luke’s Gospel, I am struck by the fact that the special bearers of the good news are the shepherds. And the message does not come directly to the emperor or to the religious authorities, but it reaches first the people most damaged by the structures of political power. The birth of Jesus is placed in a political, social and cultural context where people are hopeless, frightened, overwhelmed because of the „PAX ROMANA“. In Luke’s narrative, the shepherds represent the class conflict, a conflict that continues today, full of stereotypes and injustices. Jesus is born in a humble place, surrounded by animals in a stable, by ordinary people as witnesses, the shepherds. Jesus is the one who is close to all people. The love and mercy of God expressed in Jesus‘ birth is the antithesis of the often aloof and not infrequently merciless powerful of that time and today.

Luke tells of the humble environment in which Jesus is born. Exactly there comes the angel who announces peace in the name of God. The child is called by the angel „Savior,“ Christ the Lord. In light of this proclamation, we end this somber year with hope for a bright future, trusting in God and rejoicing in every opportunity He gives us to renew our hearts.

We pray: God, Father, help us not to reduce the celebration of Your saving action to a private and family spiritual dimension. We pray for families and societies that are not at peace, for people who still live under slave labor systems, for the isolated and sick in hospitals, for migrants like Mary and Joseph, for those who suffer hunger, unemployment and – like Jesus – persecution. We ask You to renew our strength to implement justice in socio-political action. Your birth indicates to us that a new day is dawning, so strengthen our faith. We ask that You continue to work through us as agents of change in the various spheres of public space and decision-making. Help us not to look away, and help us to reach out to those who desperately need our help. Help us to see that our involvement is the result of what Your presence represents in the world.

May the Spirit of the Lord be with you and yours this Holy Night. Peace in our hearts!

 

Amen.

 

Prayer: Sergio Ríos Carrillo

Illustration: Daniela Denk