Emmanuel Kileo

Emmanuel Kileo

Corona-bedingt hat Mission EineWelt, das internationale Partnerschaftszentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, sein jährliches Sommer-Event „Fest der weltweiten Kirche“ ins Internet verlegt. Auf dem Youtube-Kanal des Zentrums und in verschiedenen virtuellen Meeting-Räumen ging am 19. Juli 2020 ein interessantes Programm über die Bühne. Die Nachfrage, teilzunehmen, war so groß, dass der Webserver von Mission EineWelt zeitweise zusammenbrach.

Einen großen Vorteil hat die Online-Variante des Sommerfestes: „Das Fest ist noch viel internationaler als sonst. Viel mehr Menschen aus unseren Partnerkirchen und aus der ganzen Welt konnten teilnehmen als das normalerweise im analogen Raum möglich ist“, bilanziert Mission EineWelt-Direktorin Gabriele Hoerschelmann. „Auch ein derart hochkarätig besetztes Podiumsgespräch wie bei der Online-Ausgabe hätten wir bei einer ortsgebundenen Veranstaltung schon aus Termingründen nicht möglich machen können. Bei allem Bedauern darüber, dass das Fest der weltweiten Kirche diesmal nicht im Garten von Mission EineWelt stattfinden kann, sind das Aspekte, die wir in zukünftige, dann hoffentlich wieder analoge Ausgaben unseres Festes einbauen und integrieren möchten.“

Den Auftakt machte um 11 Uhr ein internationaler Gottesdienst auf dem Youtube-Kanal von Mission EineWelt mit Musik von Judy Bailey. Die Predigt kam in diesem Jahr von Emmanuel Kileo. Der Theologe hat an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau zum Thema „Weißsein als ideologisches Konstrukt in kirchlichen Süd-Nord-Partnerschaften“ promoviert und als Pfarrer in Kaufbeuren gearbeitet. Bekannt wurde er auch durch sein 2012 erschienenes Buch „Grüß Gott aus Afrika!“, in dem er humorvoll die Perspektive eines tansanischen Missionars in Deutschland einnimmt.

In seiner Predigt zu Psalm 86 betonte Kileo, dass Wanderungsbewegungen der „Normalfall“ in der Menschheitsgeschichte sind. „Wir sind alle unterwegs, wir kommen und gehen. Sesshaftigkeit ist Luxus.“ Selbst Jesus habe diesen Luxus nicht erfahren dürfen. Der tansanische Theologe erinnerte an die verschiedenen biblischen Wanderungsbewegungen von Adam und Eva über Abraham, Josef und Moses bis hin zu Petrus und Paulus und spannte den Bogen in die jüngere Vergangenheit Deutschlands: die von den Weltkriegen ausgelösten Fluchtbewegungen, die Massenfluchten aus der damaligen DDR kurz vor dem Mauerfall und an die sogenannten Gastarbeiter. Nicht vergessen dürfe man dabei neben diesen horizontalen Bewegungen eine „vertikale Bewegung“, denn: „Alle Menschen werden sich auf den Weg zu Gott machen.“ Für Christ/innen erwachse daraus die „Verpflichtung“, allen Menschen zu ermöglichen, „die Blickrichtung zu wechseln“ und neue Perspektiven aus der „Tiefe des Glaubens“ heraus zu entwickeln. Dabei sei es wichtig, „die Teilhabe aller zu sichern“ – was derzeit leider „nicht garantiert“ sei. Auch bei der Integration gehe es um Erweiterung von Sichtweisen und die Überwindung von Grenzen. Kileo zitierte die Aussage eines Geflüchteten: „Familie sind die Menschen in deinem Leben, die dich in ihr Leben lassen und die alles tun, um dich lächeln zu sehen.“

Nach einem umfangreichen Aktivprogramm mit Einblicken in die vielfältige internationale und politische Arbeit von Mission EineWelt kamen beim Online-Podiumsgespräch zum Thema „Seite an Seite durch die Krise“ Silvia Genz, Präsidentin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der ELKB und Ratsvorsitzender der EKD, Jack Urame, Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea, Fredrick Onael Shoo, Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Tansania und Gabriele Hoerschelmann, Direktorin von Mission EineWelt, zusammen. Moderiert wurde die Diskussion von Julia Ratzmann, Leiterin der Pazifik-Infostelle bei Mission EineWelt.

Die Kirchenvertreter/innen zeigten sich einhellig begeistert von der in Krisenzeiten mehr denn je gelebten Solidarität in der weltweiten Kirche. „Es ist schön zu spüren, dass es nicht nur schöne Worte sind, wenn wir von Schwestern und Brüdern sprechen. Sondern man spürt diese Verbundenheit“, freute sich Heinrich Bedford-Strohm über die weltweit gelebte kirchliche Solidarität. Weil die Coronakrise in Europa etwas früher losgegangen sei als in manchen Partnerkirchen, „haben wir bei Mission EineWelt plötzlich Botschaften aus aller Welt bekommen“, berichtete Gabriele Hoerschelmann. Zudem habe man von den Partnerkirchen mit mehr einschlägiger Erfahrung „gelernt, uns auf die Krise einzustellen.“ Auch Genz betonte, es sei eine „Freude, dass wir uns gemeinsam Kraft geben.“ Fredrick Shoo bilanzierte: „Die Verbundenheit in Christus hat uns sehr gestärkt.“ Und auch Jack Urame betonte: Es gibt überall Menschen, die an Jesus glauben. Der Zusammenhalt der Kirche in der ganzen Welt ist wichtig.“

Angesichts massiver Probleme mit Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut und Umweltzerstörung müsse diese Verbundenheit auch in starkes Engagement der Kirchen überall auf der Welt münden, forderte Silvia Genz: „Wir müssen uns zusammen stark machen gegen Regierungen wie die unsrige in Brasilien, die nicht in der Lage sind, ihr Land sicher zu führen.“ Fredrick Shoo pflichtete ihr bei: „Wenn Menschenleben bedroht sind, müsste uns das allen immer Sorgen machen.“ Einvernehmlich forderten die Diskutierenden, wie Gabriele Hoerschelmann es formulierte, der Haltung des „Ich zuerst“ entschieden entgegenzutreten, denn diese funktionierte „überhaupt nicht“. Die Kirchen hätten die „enorm wichtige Aufgabe, Einfluss zu nehmen.“

Wer das Online-Fest der weltweiten Kirche verpasst hat, kann den Gottesdienst auf Youtube noch einmal ansehen: https://youtu.be/aLQzOWWd8-Q.