Zum Thema Sozial- und Umweltstandards in der Spielzeugindustrie kamen Bundestagspolitiker zu einer Diskussionsrunde im Caritas-Pirckheimer-Haus zusammen. Im Vorfeld der internationalen Spielwarenmesse begrüßte Dr. Jürgen Bergmann (Mission EineWelt) im Namen des Nürnberger Bündnisses Fair Toys die Politikerrunde.

„Ich schäme mich für diese Messe vor den Spielwarenproduzenten in Schwellen- und Entwicklungsländern!“ Mit dieser provokanten Aussage holte Moderator Prof. Dr. Harald Bolsinger (Hochschule für angewandte Wissenschaften, Würzburg-Schweinfurt) die Gäste in die Diskussion. Er spielte darauf an, dass bei der Vergabe des Toy-Awards 2014 durch die Spielwarenmesse soziale und ökologische Kriterien bei der Herstellung des Spielzeugs keine Rolle spielen.

Gegen eine derartige Verurteilung der Messe sprach sich MdB Michael Frieser (CSU) aus. Er verwies darauf, dass der mündige Konsument beim Kauf zwischen fairem und unfairem Spielzeug selbst entscheiden könne. Für eine klare Regulierung durch internationale Rechtsnormen mit der Möglichkeit zur Klageführung Betroffener sprach sich dagegen MdB Harald Weinberg (Linke) aus. Nur so käme es zu relevanten Verbesserungen bei den Menschen in den Produktionsstätten.

In der Diskussion wurden Vergleiche gezogen mit Menschenrechtsverletzungen in anderen Branchen wie Fisch- oder Textilindustrie. Ganz dezidiert sprach sich MdB Uwe Kekeritz (Grüne) gegen die Idee aus dem Publikum aus, ein Nürnberger Fair Toys-Siegel zu schaffen. Die große Zahl der Siegel in Deutschland stifte bereits jetzt Verwirrung, so Kekeritz. Außerdem war ihm wichtig, in Analogie zur Textilindustrie herauszustellen, dass der Endverbraucher mit seiner Kaufentscheidung das schwächste Glied in der Kette sei, Dinge zu verändern. An erster Stelle stehe die Politik in den Produktionsländern, dann der Einkäufer, an dritter Stelle die deutsche Politik und dann erst der Endverbraucher.

Ebenfalls skeptisch gegenüber einem Nürnberger Fair Toys-Siegel war MdB Gabriela Heinrich (SPD): Zwar sei es gegenwärtig nicht möglich, die Produktionsbedingungen von Spielzeug beim Einkaufen zu erfahren, einen Zertifizierungsprozess könne allerdings auch die Stadt Nürnberg nicht stemmen.

Das Publikum setzte weitere Impulse. Nürnberg solle als Stadt der Spielwarenmesse mit seiner chinesischen Partnerstadt und wichtigem Produktionsstandort Shenzhen konstruktive Gespräche zu Fragen verbindlicher Sozial- und Umweltstandards führen und so gute Beispiele öffentlich machen. Alle Diskutanten waren sich einig, dass ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft erforderlich ist, um Sozial- und Umweltverantwortung entlang der Lieferkette in der Spielzeugproduktion zu verwirklichen. Entscheidend sei es, Transparenz herzustellen. Hier wurde auch auf den Koalitionsvertrag verwiesen, in dem es heißt: „Unser Ziel ist ein verbraucherfreundlicher, transparenter Markt, auf dem sichere und gute Produkte unter fairen und nachhaltigen Bedingungen hergestellt und angeboten werden.“ Über die verbindliche Durchsetzung dieser Forderung wurde allerdings kontrovers diskutiert.

Eine Woche Musik, Diskussionen und Informationen in der Villa Leon
Die diesjährige Lateinamerikawoche findet vom 25. Januar bis zum 2. Februar 2014 in der Nürnberger Villa Leon mit Kultur-Veranstaltungen, Informationen und Diskussionen zu aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen in Lateinamerika statt.

Am Samstag, 25. Januar, um 20 Uhr, startet die Themenwoche mit Sub-Urban Brazilian Music der Gruppe Da Cruz mit Samba, Afrobeat und Indie-Funk, wildem Dancehall und saftigen Breakbeats. Inhaltlich im Mittelpunkt stehen dieses Jahr unter anderem die politischen und sozialen Entwicklungen in Brasilien vor der Fußballweltmeisterschaft, auch im Vergleich mit Südafrika – dazu wird auch Leandro Anton, brasilianischer Geograph und Aktivist in der Protestbewegung, sprechen. Weitere Themen sind die Rolle der Staaten Lateinamerikas bei der Entwicklung der Menschenrechte, der Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen auf dem Weg in den Norden, die Rohstoffpolitik der lateinamerikanischen Linksregierungen sowie einen vergleichenden Blick auf soziale Proteste in Brasilien, Deutschland und in der Türkei.

Im Programm sind auch zwei sehenswerte Ausstellungen: „Unsichtbare Opfer – Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko“ und die beeindruckende Fotoausstellung „Hier sind wir gestorben und wurden neu geboren” mit Dokumentarphotographien von David von Blohn – eine Spurensuche, 40 Jahre nach dem Putsch in Chile.

Zur Sonntagsmatinée ist Zé do Rock eingeladen, der mit seinem Buch „Per Anhalter durch die brasilianische Galaxis“ in seiner ganz eigenen Sprache die Erlebnisse seiner ungewöhnlichen Reise per Anhalter von Boa Vista an der brasilianisch-venezolanischen Grenze nach Chuí an der Grenze zu Uruguay zeigt.

Traditionsgemäß gehört ein Gottesdienst im lateinamerikanischen Stil zur Lateinamerikawoche. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Menschenrecht Fußball“. Am Sonntag, 2. Februar, wird die Lateinamerikawoche mit dem bunten Kinder- und Familienfest „Fiesta Latina“ unter anderem mit einem mexikanischen Puppentheater abgerundet.

Die Lateinamerikawoche bietet mit ihren Veranstaltungen wie jedes Jahr ein vielschichtiges Informations- und Diskussionsforum zu aktuellen Entwicklungen in Lateinamerika und ihren globalen Bezügen. Weitere Infos unter www.lateinamerikawoche.de

Ansprechpartnerin zur Lateinamerikawoche:
Gisela Voltz
Telefon: 0911 36672-15
E-Mail:

Veranstalter und weitere Informationen
Ermöglicht wird dieses mittlerweile bundesweit einmalige Projekt vom „Trägerkreis Lateinamerikawoche“, in dem Mission EineWelt mit der Evangelischen Studierendengemeinde, engagierten Nürnberger Vereinen und Initiativen sowie verschiedenen städtische Institutionen zusammenarbeitet. Die Lateinamerikawoche wird gefördert aus den Mitteln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern über das Centrum Mission EineWelt, der Petra Kelly Stiftung und des Kurt-Eisner-Vereins.

Im Anschluss an die Lateinamerikawoche findet vom 6. bis 13. Februar 2014 die „Lateinamerika Filmwoche“ im Filmhauskino/ Künstlerhaus statt.

Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten in Nürnberg zum Thema Spielzeugindustrie

Verbindliche Sozial- und Umweltstandards in der Spielzeugproduktion sollen zu anständigen Arbeitsbedingungen weltweit führen und unser Spielzeug insgesamt sicherer machen.  Was sind dazu die relevanten Schlüsselfaktoren im Spielzeugsektor? Welche konkreten Verabredungen sollten in der bundesdeutschen Politik jetzt getroffen werden, um verbindliche Messgrößen zu definieren? Wie kann die erforderliche Transparenz in der Lieferkette hergestellt werden? Welche besonderen Rahmenbedingungen müssen beachtet werden? Kann die Spielzeugstadt Nürnberg hier eine besondere Rolle spielen?

Dazu veranstalten das Nürnberger Bündnis Fair Toys, das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg, Mission EineWelt und die Akademie CPH am Donnerstag, 23. Januar 2014, 19.30 Uhr im Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH – Königstraße 64, Nürnberg) eine Podiumsdiskussion mit lokalen Bundestagsabgeordneten.

Auf dem Podium diskutieren: Michael Frieser (CSU), Gabriela Heinrich (SPD), Harald Weinberg (Linke) und Uwe Kekeritz (Grüne). In das Thema führt Prof. Dr. Harald Bolsinger (Hochschule für angewandte Wissenschaften, Würzburg-Schweinfurt) ein und moderiert die Diskussion.

Eingeladen sind Fachleute aus Unternehmen und Verbänden, aus Politik und Zivilgesellschaft, den Medien sowie die interessierte Öffentlichkeit. Der Eintritt ist frei.