Nancy Ernst/Missionswerk Leipzig

Nancy Ernst/Missionswerk Leipzig

Am Abend des 17. März 2021 ging eine Schockwelle durch Tansania. Die Vizepräsidentin der Vereinigten Republik Tansania, Samia Suluhu Hassan, gab im Fernsehen den Tod des tansanischen Staatspräsidenten John Pombe Magufuli bekannt. Als Todesursache nannte sie eine Herzerkrankung.

Magufuli wurde 61 Jahre alt. Seit knapp drei Wochen vor seinem Tod war er nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. In den sozialen Medien, aber auch in der internationalen Presse wurden zuletzt zahlreiche Spekulationen zu seinem Gesundheitszustand und seinem Aufenthaltsort laut. Die häufigste Vermutung: Magufuli sei infiziert mit Covid-19. Der verstorbene Präsident hatte für Tansania einen sehr speziellen Kurs in der Corona-Bekämpfung propagiert. Impfungen und Einschränkungen wurden weitgehend abgelehnt, stattdessen lokale Lebensmittel und Dampfbäder zur Corona-Prophylaxe empfohlen.

Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Fredrick Shoo, zeigte sich am 18. März betroffen über den Tod des Präsidenten: „Wir sind schockiert über den Tod des Präsidenten der Vereinigten Republik Tansania, Dr. John Pombe Magufuli, und ich möchte Vizepräsidentin Samia Suluhu, der Familie von Präsident Magufuli, und allen Tansanierinnen und Tansaniern mein Beileid aussprechen.“ Weiter rief Bischof Shoo alle Menschen in Tansania dazu auf, zusammenzustehen. Er bat die Menschen, weiterhin zu Gott zu beten: für Trost in der schwierigen Situation und für eine positive Entwicklung des Landes.

Nach der geltenden Verfassung würde Vizepräsidentin Samia Suluhu neue Präsidentin für die verbleibende Wahlperiode werden, die turnusgemäß bis Herbst 2025 dauert. Sie hatte bereits in der vorausgehenden Legislaturperiode die Position der Vizepräsidentin inne, ist aber bis dato in der Öffentlichkeit und in der Partei wenig in Erscheinung getreten.

Samia Suluhu Hassan stammt aus Sansibar. Sie ist wie Magufuli 61 Jahre alt und würde als Muslima auf den Katholiken Magufuli folgen. Sie wäre die zweite Frau nach Joyce Banda, die in Ostafrika als Präsidentin ein Land führt. Außerdem wäre sie das erste Mitglied aus der Volksgruppe der Sansibari an der Spitze der tansanischen Regierung. Das Präsidentenamt in Tansania hat laut geltender Verfassung eine sehr starke Position im politischen System des Landes.

„Dies ist eine herausfordernde Entwicklung“, meint Claus Heim, Tansaniareferent bei Mission EineWelt. „Zur bestehenden Corona-Krise, in deren Kontext uns nach wie vor fast täglich Todesmeldungen aus unserer Partnerkirche in Tansania erreichen, könnte nun, auch wegen diverser anderer Todesfälle in tansanischen Regierungskreisen, ein politisches Machtvakuum kommen.“ Zu hoffen sei zunächst, dass der „Machtübergang tatsächlich verfassungskonform und geordnet“ stattfinde. „Wir warten mit großer Spannung, wie es nach dem sehr personenzentrierten Führungsstil des verstorbenen Präsidenten Magufuli nun in Tansania weitergeht. Nicht nur in der Corona-Politik könnte es zu einem Paradigmenwechsel kommen. Ich kann mich Bischof Shoo nur anschließen: Betet für alle, die Menschen verloren haben, und betet für Tansania.“

Die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern (ELKB) und Tansania (ELCT) verbindet eine Jahrzehntelange Partnerschaft. Dies gilt sowohl auf der Ebene der Kirchenleitenden als auch für die Basis. Mehr als dreißig Dekanate, Kirchengemeinden und kirchliche Gruppierungen in Bayern sind mit Partner*innen in Tansania in engem Austausch.