Die evangelisch-lutherischen Bischöfe Tansanias haben gemeinsam ein siebenseitiges Osterschreiben veröffentlicht. Darin werden zentrale politische Herausforderungen in Tansania benannt: unter anderem Jugendarbeitslosigkeit, Steuerungerechtigkeit, die schwindende Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie unaufgeklärte Entführungen, Tötungen und Angriffe auf PolitikerInnen und BürgerInnen. Zudem wird die Wiederaufnahme des gestoppten Prozesses zur Entwicklung einer neuen Verfassung gefordert. Mission EineWelt wird bis Mitte April eine deutsche Übersetzung des bischöflichen Schreibens veröffentlichen.

 

Gab es einen konkreten Anlass für dieses Osterschreiben der ELCT-Bischöfe?

Shoo: Nein. Die aktuelle Situation hat uns zu diesem Wort der Kirche gezwungen. Wir wollten den Menschen sagen, dass wir mit den jüngsten Ereignissen in unserer Gesellschaft nicht einverstanden sind. Außerdem rufen wir damit alle Christinnen und Christen in Tansania auf, für unser Land zu beten. Schließlich gibt es aus unserer Sicht konkrete politische Herausforderungen.

 

Die ELCT gibt ja eher selten politische Verlautbarungen heraus. In Erinnerung ist Vielen noch das Bagamoyo Statement der ELCT aus dem Jahr 1994, kurz nach der Einführung des Mehrparteiensystems in Tansania. Steht der Osterbrief 2018 in dieser Tradition?

Shoo: Ja, durchaus. Diese Art von Verlautbarungen sind in unserer Geschichte selten. Allerdings gilt, dass wir als Kirche unsere prophetische Stimme erheben, wenn es notwendig ist.

 

Gab es denn bereits eine offizielle Reaktion der Regierung auf das Schreiben?

Shoo: Nein, bisher nicht.

 

Der Osterbrief thematisiert auch unaufgeklärte Anschläge und das Verschwinden von AktivistInnen in Tansania. Haben Sie persönlich keine Angst?

Shoo: Nein, ich habe keine Angst, auch wenn es sein kann, dass es eine negative Reaktion des Staatsapparats geben wird. Es muss aber Menschen geben, die für die Wahrheit einstehen. Die Kirche darf sich nicht stummschalten lassen. Die Wahrheit auszusprechen, ist ein klarer Auftrag von Kirche.

 

Der Brief der ELCT-Bischöfe wurde bei den Ostergottesdiensten in vielen Diözesen der ELCT verlesen. Wie waren die Reaktionen?

Shoo: Nach meinem Eindruck haben viele Christinnen und Christen in unserer Kirche dieses klare Wort zustimmend aufgenommen. Natürlich gab es auch Gegenstimmen und Versuche, das Schreiben zu kritisieren, vor allem von Anhängerinnen und Anhängern der Regierungspartei CCM. Leider wurde der Brief übrigens nicht in allen Gottesdiensten der ELCT verlesen. Einzelne Bischöfe haben sogar den Pfarrern in ihren Diözesen verboten, es verlesen zu lassen. Vielleicht aus Angst oder weil Manche politisch dem Staatsapparat nahestehen. Hier haben aber die sozialen Medien sehr geholfen, das Schreiben dennoch zu verbreiten.

 

Mission EineWelt plant, das Osterschreiben ins Deutsche zu übersetzten, um auch die Öffentlichkeit in Deutschland zu informieren. Findet diese Idee Ihre Zustimmung?

Shoo: Absolut. Die Partnerschaft zwischen der Kirche in Bayern und der Kirche in Tansania ist uns sehr wichtig. Meiner Meinung nach ist diese Beziehung beispielhaft für die Eine Kirche in der Einen Welt. Diese Vernetzung muss weltweit weitergehen. Da ist es natürlich, dass man auch die Themen und Anliegen der Partnerkirchen aufnimmt. Wir leben in der gemeinsamen Hoffnung, dass uns die Kraft des auferstandenen Herrn vor allen bösen Mächten schützen wird. Martin Luther hat gedichtet: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Grüße an alle Freundinnen und Freunde in Bayern. Wir brauchen Eure Gebete!

 

Interview: Claus Heim, Fachreferent Tansania und Kenia bei Mission EineWelt

 

Die Osterbotschaft der ELCT – Bischöfe als PDF in deutscher Übersetzung.