Während sich die internationale und die deutsche Spielzeugbranche über kräftige Umsatzanstiege in der Corona-Pandemie freuen, hat sich der Druck auf die Arbeiter*innen in den Spielwarenfabriken Chinas erhöht. Im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR) untersuchten verdeckte Ermittler*innen der Organisation China Labor Watch zwei Spielzeugfabriken in Dongguan City, in denen unter anderem Spielzeug für die Branchengrößen Mattel, Chicco und Fisher-price hergestellt wird. Im Untersuchungszeitraum 2020, in der Produktion für das hiesige Weihnachtsgeschäft, fielen bis zu 112 Überstunden im Monat an. Zudem erhöhen psychische Gewalt durch Vorarbeiter*innen und Fälle sexueller Belästigung die Belastung am Arbeitsplatz. Unzureichender Arbeitsschutz und mangelhafte Maßnahmen zur Pandemieeindämmung gefährden die Gesundheit der Arbeiter*innen.

Die Ermittlerin, die in der Mattel-eigenen Fabrik Dongguan Changan Mattel arbeitete, musste direkt zu Beginn die Quote von 1.300 Produkten pro Tag erfüllen: „Ich war am Anfang nicht in der Lage, so viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Mein Arm schmerzte, wenn ich ihn berührte. Vor lauter Erschöpfung musste ich weinen.“

„Die beschämenden Arbeitsbedingungen sind den Unternehmen seit Jahren bekannt. Geändert hat sich jedoch kaum etwas. Bereits letztes Jahr wurde Mattel auf psychische Gewalt und sexuelle Belästigung in Lieferbetrieben hingewiesen. Brancheneigene Zertifizierungsmaßnahmen bleiben weitgehend wirkungslos, wie auch die diesjährigen Untersuchungen zeigen: Beide Fabriken sind über das Programm des Weltspielwarenverbands (ICTI Ethical Toy Program, IETP) zertifiziert“, kritisiert Jürgen Bergmann, Leiter des Referats Entwicklung und Politik von Mission EineWelt.

Das Nürnberger Bündnis Fair Toys (NBFT) hat vor zwei Jahren die Gründung einer glaubwürdigen Kontrollinstanz für soziale und ökologische Standards in der Spielwarenproduktion angestoßen. Ein erster Erfolg: Im Juli dieses Jahres gründete sich in der Spielzeugstadt Nürnberg die Fair Toys Organisation.

„Diese einzigartige Partnerschaft gleichberechtigter Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Handel und Industrie setzt neue Standards in Bezug auf Glaubwürdigkeit und Transparenz. Immer mehr Menschen sind nicht länger bereit, Produkte aus ausbeuterischen Verhältnissen zu kaufen. Die Fair Toys Organisation liefert hier eine wichtige Orientierung“, sagt Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero.

„Die Stadt Nürnberg, in der jährlich die größte Spielzeugmesse der Welt stattfindet, hat die Gründung der Fair Toys Organisation mit vorangetrieben und wurde Mitglied. Damit kommt sie ihrer Verantwortung als Stadt des Friedens und der Menschenrechte nach. Wir hoffen, künftig weitere Kommunen in der Organisation begrüßen zu dürfen“, erklärt Helga Riedl vom Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg.

Mehr Informationen: www.fair-toys.org

Fabrikfotos sowie deutscher und englischer Toys Report 2020: www.ci-romero.de/presse-toys-report-2020