Fluchtursachen bekämpfen – Herausforderungen für den interreligiösen Dialog

Studientag

Etwa 35 Interessierte kamen am 18. November 2017  zum Studientag „Fluchtursachen bekämpfen- Herausforderungen für den interreligiösen Dialog“ in den Gemeindesaal der Nürnberger Christuskirche. Referenten waren der Heidelberger Sozialethiker und Befreiungstheologe Professor Ulrich Duchrow und der syrische Youtuber Firas Alshater. Duchrow machte deutlich, dass die heutigen Ursachen von Flucht und Vertreibung im ausbeuterischen und zerstörerischen System des Kapitalismus zu suchen seien. Dessen hervorstechende Symptome: Umweltzerstörung, Klimawandel, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Rüstungsexporte. Laut Duchrow stehen alle großen Religionen in ihren Urtexten gegen die Vorherrschaft und Macht des Geldes. Zudem sei allen Religionen die Frage immanent, wo man sich als Religionsgemeinschaft verorte, auf der Seite der Reichen und Mächtigen oder der Seite der Opfer und Armen. Duchrow verwies in diesem Zusammenhang auch auf die reformatorische Kraft des Evangeliums.

Der syrische Geflüchtete und Youtuber Firas Alshater berichtete über seine Erfahrungen im syrischen Bürgerkrieg und seine Erlebnisse als Geflüchteter in Deutschland. Anschließend diskutierten Pfarrer Thomas Amberg von der muslimisch-christlichen Begegnungsstätte Die Brücke-Köprü und Salih Spiewok vom Nürnberger Islamforum die Frage, wo im interreligiösen Dialog Ansatzpunkte für ein gemeinsames Vorgehen gegen Fluchtursachen liegen könnten. Danach wurden diese Fragen in Gesprächsgruppen vertieft.

 

Friedensweg

Nach dem Studientag versammelten sich rund 30 Menschen unter dem Motto „Streit um Fluchtursachen/Fluchtursachen bekämpfen“ zum Ökumenischen Friedensweg 2017 und zogen von der Christuskirche zum Denkmal für die Opfer der NSU-Morde und von dort aus über die Straße der Menschenrechte zum Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung des 2. Weltkriegs am Hallplatz. Unterwegs sprachen zwei Geflüchtete aus Eritrea/Äthiopien und Syrien über die Verstrickung der deutschen und europäischen Wirtschafts- und Handelspolitik in die heutigen Ursachen von Flucht. Gisela Voltz von Mission EineWelt bezog sich ihrem Redebeitrag auf die Erklärung der leitenden Geistlichen der EKD von 2015 (Nr.5): „Mit Sorge sehen wir die Hintergründe und Ursachen der Flüchtlingsbewegungen: Klimaveränderungen, Kriege, Verfolgung, Zusammenbruch staatlicher Gewalt, extreme Armut. In diese Fluchtursachen ist auch unsere Gesellschaft vielfältig durch globale Handelsbeziehungen, Waffenlieferungen und nicht zuletzt durch einen Lebensstil, der die Ressourcen der Erde verbraucht, zutiefst verwickelt. Eine Umkehr von diesen ungerechten Verhältnissen ist an der Zeit.“

www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/20150910_gemeinsame_erklaerung_fluechtlinge.pdf  oder  www.ekd.de/Zehn-Ueberzeugungen-Flucht-und-Integration-14970.htm

Voltz forderte eine Umkehr hin zu einer an den Menschenrechten orientierten Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa.

Abschließend wurde das Denkmal am Hallplatz in einer Art Performance von den Teilnehmenden des Ökumenischen Friedenswegs zum Denkmal für alle Opfer von Flucht und Vertreibung weltweit erweitert. Mit Kerzen und in einer Schweigeminute wurde auch besonders der auf dem Fluchtweg in der Sahara, im Mittelmeer, auf dem Landweg und in den Flüchtlingslagern gestorbenen Menschen gedacht.

Gisela Voltz