Als Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern schließen wir als Mission EineWelt uns der Stellungnahme der Nürnberger Dekan*innen in allen Punkten an. Wir unterstreichen die aus einer christlichen Weltverantwortung heraus gewonnene Einsicht, dass man Menschen in einer lebensbedrohlichen Notsituation helfen muss. Punkt!

Auf dem Hintergrund der christlichen internationalen Verbundenheit mit unseren Partnerkirchen in Afrika, Lateinamerika sowie in Papua-Neuguinea, dem Pazifik und in Ostasien möchten wir dem Beitrag von Pfr. Dr. Dreher in Ausgabe 10/2020 des Korrespondenzblatts des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern folgende Thesen entgegenstellen:

 

  1. Als Teil der weltweiten christlichen Gemeinschaft sind wir als Kirche aufgefordert, gerade den Schwächsten unter uns zur Hilfe zu kommen. Diese Hilfe kann in konkreten Taten bestehen oder darin, dass wir unsere Stimme für sie erheben. „Tu deinen Mund auf für die Stummen und die Sache aller, die verlassen sind“ (Sprüche 31,8): Ein Schiff zur Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge ins Mittelmeer zu schicken, ist eine symbolhafte Handlung, die beides tut. Es wird einerseits aktive Hilfe für Notleidende angeboten. Gleichzeitig wird damit symbolhaft die Stimme für Menschen erhoben, die keine Stimme haben. Das Schiff allein löst die Flüchtlingsfrage nicht, aber es mahnt an, dass wir in Europa gemeinsam nach tragfähigen menschenwürdigen Lösungen suchen.

 

  1. Christliche Kirchen haben sich seit jeher aufgefordert gesehen, Menschen in Notlagen zur Seite zu stehen. Biblisch leitend ist hierfür das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das die Frage beantwortet, ob es dafür eine Grenze gäbe. „Wer ist denn mein Nächster?“, fragten damals schon die Jünger Jesu (Lukas 10,29), und Jesus lässt sie mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter die Antwort selbst erkennen: „Der, der Barmherzigkeit an ihm getan hat“, der war dem notleidenden Mann der Nächste. Und weil Jesus dieses Gespräch mit dem Satz beschließt „So geh hin und tu desgleichen!“, wird deutlich: Wir können uns nicht vor der Not des Anderen verschließen. Die Nächstenliebe kennt keine Grenze.

 

  1. Mission EineWelt ist im Rahmen kirchlicher Partnerschafts- und Entwicklungs-zusammenarbeit weltweit und insbesondere auch in mehreren afrikanischen Ländern aktiv. Dabei betrachten wir die Menschen in unseren Partnerkirchen als unsere Geschwister im Glauben. Sie sind gleichberechtigte Partner*innen, die ihre Konzepte und Ideen in die Zusammenarbeit einbringen. Sie pauschal als berechnende Individuen zu bezeichnen, die sich bewusst in Lebensgefahr begeben, empfinden wir als zutiefst entwürdigend. Vielmehr sind wir von den vielfältigen Aktivitäten der Mitchrist*innen in unseren Partnerkirchen beeindruckt, die ihrerseits Flüchtlingen zur Seite stehen.

 

Als Christinnen und Christen in allen Teilen der Welt haben wir eine gegenseitige Verantwortung füreinander. Diese nehmen wir zusammen mit staatlichen und kirchlichen Organisationen in partnerschaftlichen Beziehungen und in der Entwicklungszusammenarbeit wahr. Getragen wird dieses Miteinander von der biblischen Verheißung an uns alle „damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ (Johannes 10,10).