Die Zahlen, die das Joint United Nations Programme on HIV/AIDS, UNAIDS, für das Jahr 2018 ermittelt hat, sprechen eine deutliche Sprache: Frauen und Mädchen sind weltweit in besonderer Weise von HIV/AIDS bedroht, da sie häufig Opfer von sexueller Gewalt werden. Noch immer erleben etwa 35 Prozent aller Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrem Leben. Und jede Woche infizieren sich rund 6000 junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren mit HIV. Im südlichen Afrika treffen vier von fünf Neuinfektionen bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren Mädchen. Junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren leben im Vergleich zu gleichaltrigen Männern doppelt so häufig mit HIV.

Pfarrerin Margaret Obaga aus Kenia, ökumenische Mitarbeiterin bei Mission EineWelt, beschreibt die Situation in ihrer Heimat so: „Mädchen und Frauen sind besonders von HIV/AIDS betroffen, weil ihnen in der kenianischen Gesellschaft vielerorts noch immer nicht die sexuelle Selbstbestimmung über den eigenen Körper zugestanden wird. Sexuelle Belästigungen, Missbrauch und Vergewaltigungen sind leider im weiblichen Alltag in Kenia keine Seltenheit. Ein großes Problem ist auch die hohe Arbeitslosigkeit, die die Männer vom Land in die Städte treibt und Familien zerreißt. Männer stecken sich in der Stadt mit HIV an und infizieren dann ihre Frauen. Da HIV/AIDS sowie sexuelle Gewalt gegen Frauen immer noch gesellschaftliche Tabuthemen sind, trauen sich viele Betroffene nicht, dies öffentlich zu machen, aus Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung. Hier setzt auch die Arbeit der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (KELC) an. Sie bietet seelsorgerliche Hilfe an und versucht durch Aufklärungsarbeit, die Menschen in ihren Gemeinden für Frauenrechte und das Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren. Wichtig ist auch, den Betroffenen und ihren Familien Schutz und Sicherheit zu geben.“

Dafür will sich die Theologin auch einsetzen, wenn sie im Dezember wieder zurück nach Kenia geht.

Zwar ist seit Jahren die Zahl der HIV-Neuinfektionen weltweit rückläufig, derzeit leben rund 37,9 Millionen Menschen mit HIV/AIDS. Aber immer noch wissen ungefähr 20 Prozent der Betroffenen nichts von ihrer Infektion und knapp 40 Prozent der Infizierten haben keinen Zugang zu einer HIV-Behandlung. Damit sich das ändert, ist es wichtig, die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken sowie weitere Risiko-Gruppen wie Schwule und LGBTI aus ihrem diskriminierten Status herauszuholen.

 

Weitere Informationen:

Gisela Voltz, Mission EineWelt, Referat Entwicklung und Politik

gisela.voltz@mission-einewelt.de