Wie ist die aktuelle Situation in El Salvador bezüglich Corona?

Im Vergleich zu Deutschland, Italien, Spanien, den USA und anderen Ländern bewegen sich die Zahlen der infizierten Menschen und der Verstorbenen noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Schutzmaßnahmen der Regierung und des Parlaments sind sehr intensiv. Man versucht, eine große Ausbreitung zu verhindern, da das Gesundheitssystem diese nicht bewältigen könnte. Präsident Nayib Bukele hat erklärt, dass bei einem Ausbruch der Pandemie in El Salvador das Gesundheitssystem zusammenbrechen würde.

El Salvador ist ein armes Land und die medizinischen Möglichkeiten können nicht mit denen in Deutschland verglichen werden. Vor diesem Hintergrund muss man die Situation im Land und die Reaktionen der Regierung und des Parlaments beurteilen.

 

Wie viele dokumentierte Infektionen gibt es?

Es gibt (Stand: 20. Mai 2020) offiziell 1571 Infizierte, davon gelten 537 als genesen.

31 Menschen sind bisher an den Folgen des Coronavirus gestorben. Allerdings gibt es nur wenig Testmöglichkeiten. Darum gehe ich davon aus, dass die Zahl der infizierten Personen höher liegt.

Schwerpunkt der Infektion ist die Provinz San Salvador (1.8 Millionen Einwohner/innen) mit 764 infizierten Menschen. Es gibt aber auch Bezirke mit bedeutend weniger Infizierten.

 

Was geschieht zur Aufklärung der Bevölkerung?

Die Medien haben im Hinblick auf die Aufklärung eine wichtige Rolle – und sie nehmen sie sehr verantwortungsbewusst wahr. Die Regierung berichtet fast täglich über den Stand der Dinge. Der Präsident wendet sich regelmäßig in Fernsehansprachen an die Bevölkerung.

 

Gibt es schon Maßnahmen, die ergriffen werden?

Ich kann an dieser Stelle nur ein paar Beispiele nennen.

Bereits ein paar Tage vor Bayern wurden die öffentlichen und privaten Schulen in El Salvador geschlossen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten, wenn möglich, virtuellen Schulunterricht. Wenn das nicht möglich ist, bekommen sie schriftliche Arbeitsunterlagen.

Der Flughafen wurde sehr frühzeitig geschlossen.

Die Schutzmaßnahmen haben sich lange Zeit nicht von denen in Bayern unterschieden. In den vergangenen Wochen konnte nur jeweils ein Mitglied einer Familie einkaufen. Generell war beispielsweise nur eine Person pro Auto erlaubt.

Diese Maßnahmen wurden besonders im Ballungsraum San Salvador sehr streng und konsequent von Polizei und Militär überwacht. In El Salvador übernimmt das Militär schon seit längerem polizeiliche Aufgaben.

Seit 7. Mai gibt es eine zweiwöchige verstärkte Quarantäne. Jede Person hat die Möglichkeit, zwei Mal in der Woche einzukaufen und dazu das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Auch darf zum Beispiel das Auto nur an diesem Tag zu diesem Zweck verwendet werden. Die Schlussnummer der Personalausweisnummer legt die erlaubten Tage fest.

Zudem werden in dieser Zeit der öffentliche Nahverkehr und der Taxibetrieb eingestellt. Aus meiner Sicht eine schwierige Anordnung. In unserer Kirchengemeinde hat zum Beispiel niemand ein Auto. Wie transportiert man die Einkäufe? Dies betrifft sehr viele Menschen in El Salvador.

Der Präsident äußert sein Unverständnis und seinen Zorn im Hinblick auf Menschen, die gegen die Schutzmaßnahmen verstoßen mit großen Emotionen.

 

Wie bereitet sich das Gesundheitswesen vor?

Das Gesundheitssystem in El Salvador ist auf diese Krise nicht vorbereitet. Die Regierungen der Vergangenheit haben das öffentliche Gesundheitssystem nur schwach ausgebaut. Das hat in einem Fernsehinterview ein früherer Minister selbstkritisch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

Es gibt in El Salvador 30 staatliche Krankenhäuser, 159 Gesundheitszentren, in denen Untersuchungen und Behandlungen kostenlos vorgenommen werden. Dazu kommen noch weitere größere oder kleinere medizinische Einrichtungen. Allerdings ist die Kapazität beschränkt – besonders in ländlichen Regionen. Daneben gibt es private Krankenhäuser.

Die Ärzt/innen sind gut ausgebildet. Der Vergleich zu Deutschland macht allerdings auch einen Unterschied deutlich. In Deutschland gibt es pro 1000 Einwohner/innen statistisch gesehen 4,33 Ärzt/innen. In El Salvador sind es 1,57.

Die Regierung baut zur Zeit unter großem Druck Behelfskrankenhäuser an verschiedenen Orten des Landes. Manche sind bereits fertig, andere sind noch im Bau.

Es ist zu hoffen, dass diese Maßnahmen nachhaltig helfen, das Gesundheitssystem zu stärken.

Wie in Deutschland auch, ist der Ausbau eines guten Gesundheitssystems eine Sache des Geldes. Deutschland ist ein reiches Land, und es gibt das Bewusstsein, dass das Allgemeinwohl im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung der Gesamtbevölkerung wichtig ist.

 

Wie sind die Kliniken ausgestattet?

Ich habe ohne Erfolg versucht, herauszubekommen, wie viele Beatmungsgeräte es in El Salvador gibt. Aber mit Sicherheit sind es nicht viele. In den Medien kann man lesen, dass die Schutzbekleidung für das Krankenhauspersonal und für Ärzte oft mangelhaft ist. Mehr Informationen liegen mir jedoch nicht vor.

 

Wie wirkt sich Corona auf die Wirtschaft aus?

Man muss unterscheiden zwischen den Menschen, die ein festes Arbeitsverhältnis haben, und denen, die einer informellen Arbeit nachgehen, oder die selbständig sind. Arbeitnehmer/innen mit Arbeitsvertrag haben weiterhin regelmäßige Einnahmen.

Anders sieht es bei denen aus, die einer Arbeit ohne Arbeitsvertrag nachgehen. Das sind zum Beispiel die Straßenverkäufer/innen, die auf der Straße (oft vor den Ampeln) Bananen, Wasser, Nüsse und ähnliches verkaufen. Das sind die Geschäfte auf den Märkten. Das sind viele Arbeitende, die ohne Vertrag arbeiten.

Ein wichtiger finanzieller Faktor für die Menschen in El Salvador sind die „Remessas“. Das sind Geldüberweisungen von Salvadoreños, die im Ausland arbeiten. 2019 wurden etwa 5,6 Milliarden US-Dollar überwiesen.

Da viele dieser Menschen in den USA arbeiten, sind sie von der dortigen wirtschaftlichen Situation abhängig. Die Remessas sind um 10 Prozent zurückgegangen.

Wie in Deutschland auch, müssen in nächster Zeit die Wirtschaftsbetriebe und Fabriken ihre Arbeit wieder aufnehmen können, damit ein totaler wirtschaftlicher Zusammenbruch verhindert werden kann.

 

Wie sieht die innerpolitische Situation in El Salvador aus?

Es gibt von Seiten der Opposition starke Kritik an der Form des politischen Handelns von Präsident Bukele. Sie richtet sich gegen Entscheidungen, die autoritär und unter Vernachlässigung des Rechts getroffen wurden. Mehrere Entscheidungen werden zur Zeit juristisch überprüft.

Bukele wurde im vergangenen Jahr vom Volk direkt mit 53,8 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Die Umfragewerte, die bisher in diesem Jahr veröffentlicht wurden, bescheinigen ihm eine große Beliebtheit bei der Bevölkerung. Es ist abzuwarten, wie die neuesten Entscheidungen, die teilweise auch vom Parlament beschlossen wurden, sich auswirken.

Im kommenden Jahr findet die nächste Parlamentswahl statt. Diese Wahl wird wohl auch ein Zeichen dafür sein, wie das Krisenmanagement des Präsidenten, der Regierung und der Parteien von den Wählerinnen und Wählern beurteilt wird.

 

Hat sich der Alltag verändert?

Die Quarantäne bestimmt unser Leben. Wir leben in einem Haus in San Salvador, das ist eine große Hilfe. Die Menschen in unserer Gemeinde, einer Landgemeinde, leben in sehr einfachen und bescheidenen Häusern mit Grundstücken. Da sieht die Quarantäne anders aus als bei Menschen, die in kleinen Appartements leben (zum Beispiel im Ballungsgebiet San Salvador). Das ist hier nicht anders als in Deutschland.

Da ich altersbedingt zu einer der Risikogruppen gehöre, verlasse ich das Haus so gut wie nicht. Die Kinder haben täglich virtuellen Schulunterricht. Auf diese Weise hat der Alltag seine Struktur bekommen.

Im Supermarkt können wir keine Verteuerung oder gezielte Verknappung feststellen. Die meisten Menschen erleben die Lebenssituation ähnlich. Allerdings werden die Einschränkungen nicht von allen akzeptiert. Im Großraum von San Salvador gibt es deswegen eine hohe Polizei- und Militärpräsenz.

 

Wie ist die Situation in Ihrem Arbeitsfeld?

Ich bin schwerpunktmäßig für die Ausbildung von „Evangelistas y Catequistas“ zuständig. Normalerweise werden für diese Personengruppe monatliche Fortbildungen angeboten, die dezentral in den verschiedenen Regionen durchgeführt werden. Diese und andere kirchliche Veranstaltungen gibt es zur Zeit nicht.

Meine Frau und ich sind zudem für eine Kirchengemeinde im Osten des Landes zuständig. Die sonntäglichen Gottesdienste können ebenfalls nicht gefeiert werden. Wir schicken den Gemeindegliedern am Sonntag und am Mittwoch eine Predigt per WhatsApp – diese Technik haben die Leute. Die Rückmeldungen sind sehr positiv.

Zudem halten wir einen intensiven telefonischen Kontakt zu den Gemeindegliedern und zum Leitungsteam der Kirchengemeinde.

Die geistliche Arbeit in einem Haus für Obdachlose können wir zur Zeit nicht machen.

 

Wird es ihrer Einschätzung nach in El Salvador gelingen, das Virus unter Kontrolle zu halten?

Wenn ich das wüsste!

Ich hoffe natürlich, dass das Coronavirus sich nicht mit voller Wucht entwickelt und dass die Schutzmaßnahmen Erfolg haben. Und ich hoffe, dass sich die wirtschaftlichen und besonders auch die politischen Schäden in Grenzen halten.

 

Hans-Jürgen Johnke wurde von Mission EineWelt nach El Salvador ausgesendet. Dort ist der Theologe für die Ausbildung von Evangelist/innen zuständig und betreut zudem zusammen mit seiner Frau eine Kirchengemeinde und ein Obdachlosenhaus. Er lebt zusammen mit seiner Familie in San Salvador.

Bitte spenden Sie für die wichtige Arbeit von Mission EineWelt in unseren Partnerkirchen:

Corona-Hilfsfonds:

Hilfe für Menschen in den Partnerkirchen – Ein Zeichen der weltweiten Solidarität – seit das Corona-Virus auch in den Partnerkirchen grassiert, wird die ohnehin schon herausfordernde Lage im Gesundheits- und Sozialsystem dort auf eine harte Probe gestellt.
Durch die Krise hat sich vielerorts die soziale und wirtschaftliche Lage extrem verschärft und führt zu großer Not. Im Kampf gegen das Virus müssen wir zusammenhalten.

Es muss schnell gehandelt werden. Deshalb hat Mission EineWelt einen Nothilfefonds aufgelegt. Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende.
Jeder Euro Ihrer Gabe für diesen Aufruf wird von der bayerischen Landeskirche verdoppelt!

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Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Ich bin ein bekennender Fan des klassischen Sonntagmorgengottesdiensts. Für eine knapp 30 Jahre alte evangelische Christin aus dem Ballungsraum Nürnberg ist das ein doch eher ungewöhnliches Statement. Und auch wenn ich nicht jeden Sonntagmorgen in der Kirche zu finden bin, war ich am vergangenen Sonntag Rogate aus ganzem Herzen froh und auch erleichtert, wieder in den Gottesdienst, wieder „in die Kirche“, wie man bei mir daheim sagt, gehen zu dürfen. Zum zweiten Gottesdienst „während Corona“.

Und besonders am Schluss, am Ende des Gottesdienstes, habe ich gemerkt, wie sehr ich mich immer über den Schlusssegen freue und wie dankbar ich bin über diesen Zuspruch:

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Num 6,24-26

Diese Worte des „aaronitischen Segens“ wurden einst von Martin Luther als Schlusssegen an das Ende des Gottesdienstes gestellt und stellen seitdem ein bedeutendes Charakteristikum des evangelischen Gottesdienstes dar. Und bereits im Alten Testament fordert Gott selbst die Priester auf, das Volk Israel mit eben diesen Worten zu segnen!

Auffällig ist dabei die persönliche Anrede Gottes, der direkt und unmittelbar zu jedem einzelnen Menschen spricht. Gott wendet sich uns Menschen zu, er schützt und bewahrt uns; er zeigt uns seine Gnade und spricht uns andauernde Vergebung zu. Und Gott schenkt uns Frieden – könnte es ein schöneres Geschenk geben?

Mir schenkt der Segen am Ende des Gottesdienstes jedenfalls Kraft und Mut, in die neue Woche zu gehen, weil ich weiß, dass da einer ist, der mit mir geht und mich behütet.

 

Sara Dippold, Studierende Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit im Praktischen Studienjahr, Praktikantin im Referat EP bei Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

I am an avowed fan of the classic Sunday morning service. A rather unusual statement for a nearly 30-year-old Evangelical Christian from the Nuremberg metropolitan area. And even though I am not to be found in church every Sunday morning, last Sunday Rogate I was wholeheartedly happy and also relieved to be allowed to visit the service. The second service “during Corona“. And especially at the end of the service, I noticed how much I am always happy about the final blessing and how grateful I am about this encouragement:

The LORD bless you and keep you; the LORD make his face shine upon you and be gracious to you; the LORD turn his face toward you and give you peace.

Num 6,24-26

These words of the „Aaronic Blessing“ were once put by Martin Luther as a final blessing at the end of the service and have been an important characteristic of the Protestant service since then. And even in the Old Testament God himself asks the priests to bless the people of Israel with precisely these words!

The personal address of God who speaks directly and immediately to each individual person is striking. God turns to us, he protects and prevents us from the evil; he shows us his grace and gives us ongoing forgiveness. And God gives us peace – could there be a better gift?

The blessing at the end of the service gives me strength and courage to go into the new week because I know that there is someone who walks with me and protects me.

 

Prayer: Sara Dippold

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.

Sprüche 29,7

In unserer Kultur nennen wir einen Menschen, dem wir höchste Anerkennung zollen, selten „einen Gerechten“ oder „eine Gerechte“. Wir sagen dann lieber „ein wundervoller Mensch“. Oder „eine herausragende Persönlichkeit“. Oder „ein Vorbild im Glauben“. Oder ganz schlicht „ein guter Mensch“.

All das, aber auch noch viel mehr, umfasst der Begriff des oder der „Gerechten“ im jüdischen Glauben. Wer je die Gelegenheit hatte, durch die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu wandeln, wird sich nie mehr der Tiefe, Ehrfurcht und Dankbarkeit entziehen können, die das jüdische Volk mit diesem Begriff verbindet.

In seiner gesungenen Hommage an den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas vereint der bayerische Liedermacher Werner Schmidbauer beide Traditionen: „Danke, Mandela! Du warst für uns einer der Guten, einer der Gerechten.“

Wir bei Mission EineWelt werden nicht Nelson Mandela sein können. Und wohl auch nicht unsere letzte Ruhestätte im Garten der Gerechten unter den Völkern von Yad Vashem finden.

Aber die Sache der Armen erkennen – das wollen wir in der Nachfolge Jesu auch.

Dafür segne uns Gott diesen Tag.

 

Andacht: Klaus Dotzer, Referat Afrika, Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

The righteous considereth the cause of the poor.

Proverbs 29,7 (King James Version)

In our culture, we rarely call a person whom we hold in highest esteem „a righteous man“ or „a righteous woman“. We prefer to say „a wonderful person“. Or „a great personality.“ Or „a model of faith“. Or quite simply „a good man/woman“.

All this, and much more, is covered by the word „righteous“ in the Jewish faith. Anyone who has ever had the opportunity to walk through the „Garden of the Righteous among the Nations“ at the Yad Vashem Holocaust Memorial in Jerusalem will never again be able to escape the depth, awe and gratitude that the Jewish people associate with this word.

In his sung homage to South Africa’s first black president, the Bavarian singer-songwriter Werner Schmidbauer combines both traditions: „Thank you, Mandela! You were one of the good men, one of the righteous.“

We at MEW will not be able to be Nelson Mandela. Nor will we find our final resting place in the Garden of the Righteous among the Nations in Yad Vashem.

But to consider the cause of the poor – that is what we want to do as well, as Jesus‘ followers.

For this we ask God to bless our day.

 

Prayer: Klaus Dotzer

Illustration: Daniela Denk

Seit den 1960er Jahren bedeutete in Tansania eine Schwangerschaft für junge Frauen das unwiderrufliche Ende ihrer Schulbildung. Gleichzeitig leiden junge Frauen in dem ostafrikanischen Land besonders häufig unter sexueller Gewalt. Die Quote von Teenager-Schwangerschaften eine ist der höchsten der Welt. Dennoch verteidigte der tansanische Präsident John Pombe Magufuli bis in jüngste Zeit das bestehende Gesetz und forderte noch im Jahr 2017 öffentlich dessen strikte Anwendung. Daraufhin hatten die Weltbank und andere Geber/innen ihre Zahlungen an das tansanische Bildungssystem über Jahre ausgesetzt.

Dennoch überraschend kam am 7. April 2020 die Meldung auf der News-Plattform allafrica.com, wonach die tansanische Bildungsministerin Joyce Ndalichako angekündigt hat, junge Frauen in Tansania, die während ihrer Schulzeit Mutter geworden sind, dürften jetzt nach der Entbindung ihre Schullaufbahn fortsetzen.

„Teenagerschwangerschaften sind in Tansania ein großes Problem. Wenn es zukünftig erlaubt wird, dass junge Mütter zurück in die Schule können, wäre das eine echte Verbesserung für Tausende junge Frauen in Tansania“, zeigt sich Claus Heim, Tansaniareferent bei Mission Eine Welt, vorsichtig optimistisch.

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.

5.Mose 26,7

In diesem alttestamentlichen Bibelvers erinnern sich die Israeliten an ihre Befreiung durch Gott aus der Sklaverei in Ägypten. Die Situation damals in Ägypten war für die Israeliten gekennzeichnet durch Ausbeutung, Unterdrückung, Angst und Not. Der Weg zur Befreiung, der Exodus, der Auszug aus Ägypten hin in das verheißene Land, war kein einfacher Weg: er war geprägt von einem kargen, beschwerlichen Leben in der Wüste, von Rückschlägen, Zweifeln, Irrwegen und Streit. Dennoch war die Erfahrung der Befreiung aus der Knechtschaft so einschneidend, dass sie noch heute als grundlegend für den jüdischen und christlichen Glauben gilt. Die Glaubenserfahrung sagt: Gott ist da, er begleitet uns, hilft uns und rettet uns aus Angst und Not.

Durch die Corona-Pandemie sind auch wir heute herausgerissen aus unserer vermeintlichen Situation der Sicherheit, aus dem Alltag. Viele Menschen befinden sich in Situationen der Angst und Not. Grundrechte und Menschenrechte werden vielerorts unterdrückt. Die heutige Losung kann uns Mut machen, dass auch wir auf Gottes Hilfe und Liebe vertrauen können, dass er unser Schreien und unsere Gebete erhört. Der Weg aus der Krise wird nicht einfach sein, sondern beschwerlich. Aber Gott ist da und für uns da. Und wenn auch wir füreinander da sind und uns umeinander sorgen, können wir Zeichen für Gottes Gegenwart setzen.

Amen.

 

Andacht: Gisela Voltz, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

The LORD heard our cry, and saw our misery, our fear and distress.

Deuteronomy 26.7

In this Old Testament Bible verse, the Israelites remember their liberation by God from slavery in Egypt. The situation in Egypt at that time was marked for the Israelites by exploitation, oppression, fear and distress. The road to liberation, the exodus, the exodus from Egypt to the promised land, was not an easy one: it was marked by a meager, arduous life in the desert, by setbacks, doubts, misguidedness and disputes. Nevertheless, the experience of liberation from bondage was so profound that it is still considered to be fundamental to the Jewish and Christian faith. The experience of faith says: God is there, he accompanies us, helps us and saves us from fear and distress.

The Corona pandemic has also torn us out of our supposed situation of security, from everyday life, many people in many places find themselves in situations of fear and distress, fundamental rights and human rights are suppressed in many places. Today’s watchword can give us courage that we can trust in God’s help and love, that he hears our cry and our prayers. The way out of the crisis will not be easy, but difficult. But God is here and for us. And if we are there for each other and care for each other, we can set signs for God’s presence.

Amen.

 

Prayer: Gisela Voltz

Illustration: Daniela Denk

Wie ist die aktuelle Situation in Kenia bezüglich Corona?

Der erste Covid-19-Fall in Kenia wurde am 12. März entdeckt. Es war ein Flugpassagier aus den USA. Seitdem gab es immer mehr Infektionen. Nachdem zunächst nur Menschen, die von Europa und den USA einreisten, infiziert waren, verbreitet sich das Virus inzwischen auch in der kenianischen Bevölkerung.

Die kenianische Regierung hat konsequente Maßnahmen ergriffen und Richtlinien veröffentlicht, mit denen die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle gehalten werden soll. Auch jede der “Counties” genannten 47 Gebietskörperschaften hat Vorbereitungen im sozialen und ökonomischen Sektor sowie im Gesundheitswesen getroffen. Beispiele sind die Schließung der Flughäfen und der Landesgrenzen, eingeschränkte Mobilität zwischen den Counties, die Schließung von Schulen, Colleges und Universitäten sowie Ausgangsbeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und Lockdowns in Hochrisikogebieten. Beispielsweise gilt seit 6. Mai ein zweiwöchiger Lockdown im Eastleigh-Viertel in Nairobi und im Old Town-Viertel im Mombasa, die als Corona-Hotspots eingestuft wurden. Einge meiner Kolleg/innen leben im Eastleigh-Viertel.

Kenias Wirtschaft ist in eine Krise geraten. Dadurch haben in den letzten zwei Monaten viele Menschen ihre Jobs verloren: Tausende mit regulären Arbeitsverhältnissen wurden entlassen, im sogenannten informellen Sektor haben Hunderttausende ihre (Gelegenheits-)Jobs verloren. Am härtesten trifft es die Armen in den Slums und in den urbanen Zentren sowie die Landbevölkerung. Die Regierung versucht, diesen Menschen zu helfen. Aber der Stillstand der Wirtschaft wirkt sich auch in diesem Bereich negativ auf die Handlungsfähigkeit der Regierung aus, so dass diese nicht wirklich substantielle Hilfe leisten kann.

 

Wie viele dokumentierte Infektionen gibt es?

Bis 6. Mai waren es 582 Corona-Infektionen, 26 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona und 190 von Corona Genesene.

 

Was geschieht zur Aufklärung der Bevölkerung?

Die behördenübergreifende nationale Covid-19-Task Force untersucht die Auswirkungen des Virus unter gesundheitlichen, sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Aspekten und entwickelt daraus Informationen und Verhaltensempfehlungen für die Öffentlichkeit.

Die Medien werben auf allen Kanälen für verantwortungsbewusstes Handeln im Umgang mit der Gefahr durch das Coronavirus.

Das Gesundheitsministerium gibt Empfehlungen und Anordnungen und informiert täglich über die aktuellen Entwicklungen. Zusätzlich bietet es Schulungen zu Prävention und Therapie. Da die Mehrheit der Kenianer/innen – auch in den ländlichen Regionen – inzwischen Handys besitzt, nutzt das Ministerium auch diesen Kanal und schickt unter Mitarbeit der Mobilfunk-Provider nahezu täglich Informationen per SMS an die Bevölkerung.

Zwei Beispiele dafür:

„Bleiben Sie zu Hause und halten Sie mindestens einen Meter zu anderen Menschen. Tragen Sie eine Maske, wenn Sie sich zu Orten begeben, wo auch andere Menschen sind.”

„Behandeln Sie Menschen, die aus den Krankenhäusern oder aus der Quarantäne kommen behutsam und liebevoll. Schützen Sie gefährdete Personen und helfen Sie, wo es nötig ist.”

Ein populäres Bonmot des kenianischen Gesundheitsministers Mutahi Kagwe, das ständig in Rundfunk und Fernsehen gesendet wird, lautet: Wenn wir uns weiterhin normal verhalten, wird uns diese Krankheit abnorm schwer treffen.”

 

Gibt es schon Maßnahmen, die ergriffen werden?

Die Massentestungen von 1.500 bis 2.000 Leuten pro Tag laufen weiter. Bis jetzt wurden fast 20.000 Leute getestet, die via Kontaktnachverfolgung ausgewählt wurden. Für einen weiteren Ausbau des Testprogramms sind derzeit nicht genügend Testkits vorhanden.

Bei jedem Gang zum Amt oder in den Supermarkt wird vor dem Betreten die Temperatur gemessen. An allen Eingängen zu Geschäften und Büros sowie auf öffentlichen Plätzen muss es Stationen zum Händewaschen oder zum Desinfizieren geben. Zudem wird dazu aufgefordert, regelmäßiges Händewaschen und –desinfizieren auch zu Hause und in den Gemeinschaften zu praktizeiren. Das Tragen von Masken im öffentlichen Raum ist ebenfalls Pflicht. Wer ohne Maske erwischt wird, rsikiert, verhaftet und in eine Quarantänestation gebracht zu werden.

Isolation und Quarantäne gehören zu den zentralen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19. Seit 6. Mai sind die staatlichen Quarantäne-Einrichtungen entgeltfrei nutzbar. Diese Zentren sind wichtig, weil der größte Teil der kenianischen Bevölkerung in Gemeinschaften lebt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann sich in private häusliche Quarantäne begeben.

 

Wie bereitet sich das Gesundheitswesen vor?

Covid-19 ist eine große Herausforderung für das kenianische Gesundheitssystem. Während sich die Situation allmählich verschlechtert steigt die ohnehin große Wahrscheinlichkeit, dass das System unter Überlastung kollabieren könnte. In Kenia werden weder Schutzkleidung und medizinische Schutzmasken noch Tests hergestellt. Das Land ist von kostspieligen Importen abhängig. Gleichzeitig sind diese Dinge aufgrund der internationalen Ausbreitung des Virus knapp und entsprechend schwer zu bekommen. Dieser Umstand hat hat in Kenias Universitäten und technischen Hochschulen verstärkte Bemühungen ausgelöst, in Kooperation mit medizinischen Expert/innen und Forschungszentren eigene Lösungen zu entwickeln.

 

Wie sind die Kliniken ausgestattet?

Die Regierung hat die Einrichtung von Isolationsstationen zur Behandlung von Covid-19-Patient/innen in Krankenhäusern überall in Kenia vorangebracht. Jedes größere staatliche Krankenhaus hat inzwischen eine spezielle Corona-Station eingerichtet. Bei der Ausrüstung herrscht allerdings Mangel. Die Klinken und Krankenhäuser sind nicht so gut ausgestattet, wie es die Regierung gerne hätte. Das liegt auch daran, dass selbst in den reichen Ländern die Ausrüstung knapp ist. Das hat unter anderem zu der Überlegung geführt, dass zuviel Importabhängigkeit im medizinischen Sektor nicht gut ist.

 

Was tut die lutherische Kirche?

Die Kenianische Evangelisch-Lutherische Kirche (KELC) engagiert sich bei der Versorgung der Bedürftigen in Stadt und Land mit Nahrungsmitteln. Zuden Folgen der Pandemie gehört ja, wie schon gesagt, auch, dass Geschäfte pleite gehen und Menschen ihre Jobs verlieren. Am härtesten trifft es die Menschen, die im informellen Sektor arbeiten. Und das ist die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung. Viele von ihnen sind auch Mitglieder der KELC.

Die Kirche hat inzwischen digitale Angebote für Spiritualität und Seelsorge aufgelegt und hält so Kontakt zu ihren Mitgliedern. Unter anderem gibt es Gottesdienste und Andachten im digitalen Raum. Zudem lehrt sie auf diesem Weg ihre Mitglieder, die Richtlinien zum Social Distancing, zum Händewaschen mit Seife und zum Tragen von Masken im öffentlichen Raum zu befolgen.

 

Hat Corona den Alltag verändert?

Das Coronavirus hat in verschiedener Hinsicht normative kulturelle Praktiken in Kenia verändert. Persönlicher Kontakt und Begegnung auf Tuchfühlung sind in den afrikanischen Kulturen maßgeblich für den Aufbau, das Aufrechterhalten und die Weiterentwicklung von Beziehungen. Letztere gehören sozusagen zur DNA des gemeinschaftlichen Lebens auf jeder Ebene.

Verschiedene Arten von Händeschütteln und Umarmungen gehören dazu, wenn Grüße unter den verschiedenen Gemeinschaften in Kenia ausgetauscht werden. Enger Kontakt gehört auch zu den gängigen Trauer- und Beerdigungsritualen, und überhaupt zu Versammlungen. Durch Covid-19 und die damit verbundenen Beschränkungen hat sich das alltägliche Miteinander in Kenia dramatisch verändert.

Der Zwang zum kulturellen Umschalten führt dann auch immer wieder zu Konflikten zwischen den Menschen und den staatlichen Anordnungen. Obwohl sie sich der Notwendigkeit und Wichtigkeit der Einschränkungen bewusst sind, begreifen die Leute Isolation und Quarantäne manchmal eben doch als Bestrafung. Die Herausforderung für Regierung und Bevölkerung ist da am größten, wo viele Menschen zusammenleben: in den Slums und den Stadtzentren.

 

Wie ist die Situation in Deinem Arbeitsfeld?
Die Diakonie innerhalb der KELC ist als Organisation neu, aber die Bedürfnisse, denen die Diakonie dient, sind es beileibe nicht. Das Bedürfnis nach Mitgefühl und Barmherzigkeit ist in allen gesellschaftlichen Klassen und auf allen gesellschaftlichen Ebenen evident. Besonders groß ist der Bedarf bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen, also zum Beispiel bei den Kranken, den Älteren, den Waisen, den Witwen und den Menschen mit Handicaps. Gerade weil es sich noch im Aufbau befindet, hat Covid-19 das Diakonische Werk der KELC in eine schwierige Situation gebracht. Wir werden überschüttet mit Anfragen, ob wir Lebensmittel und Hygieneartikel besorgen und verteilen können.

Die Situation hat sich durch beispiellose Schlammlawinen und Überschwemmungen nach ungewöhnlich starken Regenfällen im ganzen Land noch verschlechtert. Die Pegel von Lake Victoria und Indischem Ozean sind gestiegen und haben große Siedlungen überflutet. Hunderte von Menschen starben in den Fluten. Viele Gemeinden der KELC sind betroffen, vor allem in Tana River, Kajiado und Pokot. Das Diakonische Werk hat inzwischen erste finanzielle Unterstützung von der ELKB bekommen, damit die Not ein wenig gelindert werden kann.

 

Wie ist Deine Einschätzung der Lage? – Wird es in Kenia gelingen, das Virus unter Kontrolle zu halten?

Die Regierung und die Bevölkerung in Kenia sind sich der verheerenden Gefahr durch Covid-19 bewusst. Alle wissen: Die Einschränkungen in vielen Lebensbereichen sind wichtig für die Bekämpfung des Virus. Von dem Moment an, als der erste Corona-Fall entdeckt wurde, hat die kenianische Regierung alles unternommen, um das Virus unter Kontrolle zu halten und die Bevölkerung zu schützen. Dazu gehören unter anderem die Unterstützung der laufenden Arbeit an der Entwicklung eines Impfstoffs am Kenya Medical Research Institute, das Anstoßen der Produktion von Masken in Kenia und deren Verteilung im Land, Mobilitätsbeschränkungen und lokale oder regionale Lockdowns, Verbot von Versammlungen, nächtliche Ausgangssperren, Quarantänemaßnahmen, die bestmögliche Vorbereitung medizinischer Einrichtungen für die Behandlung von Covid-19-Patient/innen und für die Nachverfolgung von deren Kontakten, Beerdigungen von Corona-Toten mit der Unterstützung von speziell dafür weitergebildetem medizinischen Personal, soweit wie möglich flächendeckende Tests und vieles mehr.

Bis dato haben diese Maßnahmen die Verbreitung der Krankheit verlangsamt. Höchst dramatisch könnte die Situation werden, wenn die Vorräte an Testkits und medizinischer Schutzausrüstung nicht mehr in ausreichendem Maß ergänzt werden können und zur Neige gehen.

In diesen Tagen sind immer wieder einmal Fragen gestellt worden wie: Ist das Coronavirus ein Zeichen Gottes? Wenn ja: Was ist die Botschaft? Hat es etwas mit dem Ende aller Zeiten zu tun?

Beim Nachdenken über diese Fragen wird wohl kaum jemals ein Konsens erzielt werden, was die richtige Antwort sein könnte. Ich glaube, dass diese Fragen nicht neu sind. Vielleicht wurden sie nur den neuen Umständen entsprechend neu formuliert. Da ist einerseits die Fraktion derer, die glauben, das Virus sei ein Zeichen, dass das Ende der Welt nah ist, oder eine Strafe Gottes, weil die Menschheit sich von ihm abgewandt hat. Dann gibt es Menschen, die meinen, das Virus hänge mit dem Klimawandel zusammen und sei ein Resultat grundlegender Fehler der Menschen im Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Wir werden als Christinnen und Christen weiter über diese Fragen nachdenken und – ganz wichtig – versuchen, konstruktive Antworten zu entwickeln, in Kenia und überall in der Welt.

 

Margaret Obaga war von 2014 bis Ende 2019 ökumenische Mitarbeiterin bei Mission EineWelt in Neuendettelsau. Jetzt arbeitet die promovierte Theologin in der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche  (KELC) federführend am Aufbau der Diakonie.

 

 

What is the current Corona-situation in Kenya?

The first case of Covid-19 was first identified in Kenya on March 12, 2020 from a passenger arriving from the USA. Since then, infections have increased, first from people arriving in Kenya from Europe and the USA and now though community spread.

The national government has taken strong measures and given guidelines to control the spread of Covid-19, and each of the 47 Counties has also taken social, economic and health preparedness steps in their regions. Examples of these measures include: closure of airports and the national border, inter-county restrictions of movement, closure of learning institutions, like schools, colleges and universities, enforcement of curfews, quarantine, and lockdown in high risk areas. For example, since May 6, Nairobi, the Eastleigh district of Nairobi and Old Town district of Mombasa, which are now hotspots, were put under total lockdown for the next two weeks. Some of my colleagues live in this region of Nairobi.

During the last two months, Kenya’s economy has been severely affected as thousands of people have lost jobs in formal employments and hundreds of thousands in the informal economic sector. The poor people in the slums (informal settlements) in urban centers and those in the rural areas are the most affected. While the government has tried to help these populations, the poor economic activities have affected its ability to provide sufficient help.

 

How many infections are documented by now?

By May 6, 2020, there were 582 cases of infections, 26 deaths, and 190 recoveries.

 

What is done to inform the population?

Public education is being promoted by various agencies:

One, the multi-agency national Covid-19 Taskforce is studying the effects of virus on health, security and the economy and provides information for the public or public participation. Two, all the streams of public media are promoting public awareness and, three, the ministry of health gives guidelines, daily briefings, and directives as the situation develops. It is also offering education on preventive and curative aspects of the virus. Since the majority of Kenyans (even in rural areas) own mobile phones, the ministry of health, in collaborations with mobile phone providers, sends short messages (SMS) to our mobile phones and other platforms on a daily basis.

Two examples of the many daily phone messages from the ministry of health:

  1. Stay at home and continue to observe one meter distancing. Wear a mask whenever you go to places where there are other people.”
  2. “Treat all those who got out of hospital or quarantine with love and care. Protect those who are vulnerable and provide support when required.”

Also, a popular quote from the Minister of Health, Mr. Mutahi Kagwe, is aired all the time on radio and TV. It says: “If we continue to behave normally, this disease will treat us abnormally.” Hon. Mutahi Kagwe, Minister for Health, Kenya.

 

Which measures are taken?

Mass testing of 1,500-2,000 people daily is going on. To-date, nearly 20,000 people have been tested in a targeted way, e.g., through contact tracing. The limited number of testing kits makes it difficult to do more currently.

Whenever I go to the supermarket or any public office, it is mandatory that my temperature must be checked first before entering. Every business or office entrance and communal spaces must have sanitizers or soap with running water. The frequent washing of hands with soap and the use of sanitizers is also encouraged in homes and communities. Wearing of masks n public places is mandatory. Without a mask a person risks being arrested and taken to a quarantine center.

Isolation and quarantine has been one of the important measures against the spread and for the containment of Covid-19. These have been costly for the public, but from 6th May 2020, government quarantine facilities will be free of charge. The quarantine centers are necessary because most of the Kenyan population lives in communities. Only a smaller population can afford self-quarantine.

 

How does the health care system prepare itself?

Covid-19 has greatly challenged the health care system in Kenya. As the situation gets worse gradually, there is a high likelihood that the system might be overwhelmed. Kenya does not manufacture Personal Protective Equipments (PPEs), Surgical Masks, Testing Kits and Ventilators. The country relies on imports which are very costly for the Kenyan economy. At the same time, these equipments are scarce because of the overall situation in other countries worldwide. This has motivated local innovation efforts which are going on in various universities and technical colleges in collaboration with medical experts and research institutions.

 

How good or bad are the hospitals equipped?

The government has prepared isolation and treatment centers in hospitals throughout the country. Every major public hospital has prepared special wards for Covid-19 cases in their particular region. When it comes to equipment itself, there are shortages. In a country like Kenya, three types of equipment are crucial to clinically fight this disease, namely, personal protective equipment (PPEs), ventilators and testing kits. These are not manufactured in Kenya; they have to be imported from developed countries.

At this time, all countries are trying to protect mainly their own citizens, and it is now known that even in many developed economies such equipment has been in short supply. Kenya’s clinics and hospitals are therefore not as fully equipped as authorities want them to be. This has made Kenyans to start reflecting on the wisdom of relying entirely on imported equipment for medical purposes rather than begin to innovate the solutions locally for the long term.

 

Which measures is the KELC taking?

The Kenya Evangelical Lutheran Church is committed to helping the vulnerable and needy people in cities and rural places by proving food relief during this pandemic. The consequences of Covid-19 include loss of employment and business. The hardest hit are those in self-employment in the informal sector among the majority of the Kenyan population. Many KELC members are affected in this way.

The church is, therefore, offering spiritual guidance and hope to its membership though the use of digital tools. The church is trying to adapt to technology, especially in order to offer worship services and prayers and to reach its members individually. In this way, the church is teaching its members to follow the medical guidelines of social distancing, handwashing with soap, and wearing masks in public spaces.

 

Has Corona changed every day life?

Coronavirus has in various ways changed the normative Kenyan cultural practices. Personal contact and encounter at zero distance is central to affirming, building and maintaining relationships in African cultures. Relationships are therefore assumed to be part of the DNA of community life in any given space.

Various types of handshakes and hugs are part of the exchange of greetings among people of various communities in Kenya. Close encounters are also found in the communal ways of mourning and burial rituals, communal gatherings and food sharing, etc. Due to Covid-19, these have changed dramatically with the requirement for social distancing, wearing masks and restrictions to movement and gathering.

This cultural shift has become a source of conflict between the people and the government’s directives. While people are aware of the importance of the measures and requirements being implemented, people sometimes see islation and quarantine as a punishment.  The government and individuals face a bigger challenge where large numbers of people stay together in the communities, especially the large populations in the slums in or near the urban centers.

 

Has Corona changed Your field of work?
KELC’s Department of Diakonia is new, but the needs that it serves are not new. The need for compassion cuts across all societal classes and levels, especially among people in vulnerable situations, such as the sick, the elderly, orphans, widows, and the disabled. Considering that the department is still in its formative situation, the Covid-19 outbreak has put KELC’s diakonia work in a difficult situation. It is overwhelmed with the real need to provide food relief and basic hygiene items.

The situation has been worsened by unprecedented mudslides and flooding due to excessive rain all over the country and the rise of Lake Victoria and the Indian Ocean whi has put large settlements under water and killed hundres of people. This has been experienced in many areas where KELC’s congregations are located, particularly in the Tana River, Kajiado and Pokot counties. The Diakonia Department has already received some financial support from ELKB to help the church workers to mitigate this situation.

 

How do you see the chances that the virus can be kept under control in Kenya?

The government and people of Kenya are aware of the catastrophic nature of Coronavirus. Everyone is aware of the clinical and social limitations which pose a challenge in combating it. Because of this, right from the day the first case was reported, the Kenya government has been doing the utmost to protection the population by keeping this virus under control. This has included support for ongoing research for a vaccine at the Kenya Medical Research Institute, inovation in the ongoing production and distribution of masks around the country, restrictions of people movement between and within the counties, partial lockdown of targeted areas of the cities (especially in Nairobi and Mombasa), prohibition of gatherings, e.g., churches, mosques, bars, weddings, funerals, etc, the enforcement of the night curfew (19.00 hrs to 05.00 hrs), the quarantine of individuals, groups and communities, setting up of medical facilities to the best of available resources, medical care for Covid-19 victims and active contact tracing, burial of Covid-19 victims by trained medical health workers, mass testing despite the challenge of inadequacy of Testing Kits, etc.

Up until now, these measures have slowed down the spread of the disease, but the challenge lies ahead if the government might get overwhelmed due to any limitations of stockpiling specialized equipment for testing and treatments and for protecting frontline workers like doctors, nurses, and other first responders.

Deeper questions have sometimes arisen in recent days, that is, is Coronavirus a sign from God? What is the message? Does it have anything to do with End Times?

Although there can be no consensus as to what the right answer might be, I believe that these questions are not new; they are spoken in a new way under the present circumstances. There are those that see it as a sign of End Times or a statement from God that humanity has turned away from him. There are also those that view this situation as a result from broader human mistakes related to climate change. We continue to reflect on these questions and, most importantly, to find relevant responses to conversations among the Christian faithful in Kenya and elsewhere in the world.

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Durch die Krise hat sich vielerorts die soziale und wirtschaftliche Lage extrem verschärft und führt zu großer Not. Im Kampf gegen das Virus müssen wir zusammenhalten.

Es muss schnell gehandelt werden. Deshalb hat Mission EineWelt einen Nothilfefonds aufgelegt. Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende.
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Illustration: Daniela Denk

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Und ich frag dich: „Ich habe so oft alles gegeben, aber war das am Ende genug?“

Und du sagst: „Ja! Das ist doch dein erstes Mal Leben und deshalb dein bester Versuch!“

Julia Engelmann

 

Dieses Zitat der deutschen Dichterin, Musikerin und Schauspielerin Julia Engelmann möchte ich Ihnen und Euch heute mit auf den Weg geben!

Denn bestimmt hat sich jede und jeder von uns schon mehr als einmal gefragt, ob sie oder er denn „genug“ ist oder „genug“ geleistet hat. Oder ob da noch mehr „geht“, „Luft nach oben“ ist, „Optimierungspotential“ drinsteckt. Nicht wenige werden dann unzufrieden mit sich und der Welt, schließlich gibt es immer jemanden, die oder der (vermeintlich) besser ist, höher springen kann und weiter laufen. Und auch die Leistungsgesellschaft, in der wir leben, vermittelt ja bereits den Kleinsten, wie essenziell Erfolg ist, und dass man um jeden Preis etwas „erreichen“ muss im Leben.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich viele insgeheim wünschen, einfach mal „genug“ zu sein, „genug“ getan zu haben und anerkannt zu werden, so wie sie sind. Auch mir geht es oft so! Ich versuche mich dann zu erinnern, dass ich zumindest für einen immer „genug“ sein werde – denn Gott nimmt mich an und liebt mich, auch wenn ich mir mal selbst nicht „genug“ bin. Und so stelle ich mir den obigen Dialog auch immer ein wenig wie ein Zwiegespräch zwischen mir und Gott vor!

 

Andacht: Sara Dippold, Studierende Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit im Praktischen Studienjahr, Praktikantin im Referat EP von Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

And I ask you: „I often gave everything but was that enough in the end?“

And you say: „Yes! This is your first time to live and therefore your best attempt!“

Julia Engelmann

 

I would like to share this quote from the German poet, musician and actress Julia Engelmann with you today!

Certainly everyone of us has asked himself or herself more than once whether he or she is „enough“ or achieved „enough“. Or whether there is still more he or she is able to do or „room for improvement“ or „optimization potential“ in there. A lot of people then become dissatisfied with themselves and the world because there is always someone who is (supposedly) better, can jump higher and run faster. And even the achievement-oriented society in which we live already teaches the little ones how essential success is and that you have to “achieve” something in life at all costs.

It is therefore not surprising that a lot of people secretly wish to be “enough”, to have done “enough” and to be recognized as they are. I often feel the same way! Then I try to remember that I will always be „enough“ for at least one – because God accepts me and loves me even if I’m not „enough“ to myself. And so I always imagine the dialogue mentioned above being a dialogue between me and God!

 

Prayer: Sara Dippold

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Corona! Corona!! CORONA!!!

Wirtschaftskrise! Wirtschaftskrise!! WIRTSCHAFTSKRISE!!!

Die Ohren klingen. Mir wird schon fast schwindelig. Und: Ich kann es einfach nicht mehr hören.

Dieselskandal! Dieselskandal!! DIESELSKANDAL!!!

Wieder so eine Wortwolke – immer dasselbe! Je öfter ich das im Radio oder sonstwo immer wieder höre, um so bedrückender wird es für mich. Diese Wortwolken verdüstern den Alltagshimmel. Und es ist Alles nur noch schlimm. Die Welt ist schlecht …

Können wir nicht auch hellere Wortwolken an den Alltagshimmel zeichnen? – Welches Wort würden Sie gerne öfter hören? – Was würde Sie aufbauen und was würde Ihnen guttun?

Ein großes und gutes Wort in all den Wortwolken unserer Gegenwart lautet:

H O F F N U N G

„Seid fröhlich in Hoffnung“, schreibt Paulus im Römerbrief 12,12.

Hoffnung macht stark und stirbt bekanntlich zuletzt. Hoffnung macht mich gelassen. Wenn ich hoffe, schaue ich nach vorne. Wenn ich hoffe, dass etwas besser wird, dann gebe ich nicht auf. Und ich hoffe dabei auf die Kraft Gottes, die mich trägt. Hoffnung gibt Schwung und lässt mich handeln.

Und die Wolken am Himmel werden hell. Amen.

 

Andacht: Ulrike Bracks

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petrus 4,10

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, so beten wir. Der Monatsspruch für Mai erinnert uns an eine besondere „Brotsorte“, nämlich das, was wir mit unseren Mitmenschen teilen können und sollen. Gott gibt jedem Menschen etwas Besonderes, eine wichtige Gabe. Nicht damit wir dieses Geschenk für uns aufheben oder sammeln wie eine seltene Münze oder ein einmaliges Gemälde, sondern damit wir es mit anderen teilen. In diesen Wochen schauen wir mit Dankbarkeit auf all die Ärzte und Krankenschwestern, die sich selbst der Gefahr der Ansteckung aussetzen, um zu helfen. Nicht Leichtsinn, sondern Nächtenliebe bringt sie in die Nähe der Menschen, die Hilfe brauchen.

Das Wort „Dient einander“ gilt nicht nur für Ausnahmesituationen. Jeden Tag neu sollen wir die Augen und Ohren aufmachen, um die Not und den Mangel der anderen zu sehen und zu lindern. Jesus hat den Jüngern die Füße gewaschen, wir brauchen uns oft nicht mal zu bücken, um für andere da zu sein.

Andacht: Karl Lippmann

Illustration: Daniela Denk

 

As each has received a gift, use it to serve one another, as good stewards of Gods varied grace. 1.Petrus 4,10

 We pray for our daily bread. The Bible vers for May reminds us that God, our heavenly father, gives all of us not only our daily bread, but many special gifts. We must not proudly collect these gifts and lock them away, but share these presents with others who are short of so many things. In these weeks we thank all the sisters and doctors who expose themselves to help and cure their patients. But as Jesus washed the feet of his disciples to serve them, so can we open our eyes and ears to see where our help is required.

Prayer: Karl Lippmann

Illustration: Daniela Denk

Wie ist die aktuelle Situation in Brasilien bezüglich Corona? Wie viele dokumentierte Infektionen gibt es?

Brasilien ist ja ein riesiges Land und die Situation ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Zentren mit vielen Infizierten waren von Anfang an São Paulo und Rio de Janeiro. Sehr schwierig, scheint es in Manaus und in der Region Amazonas zu sein. Da ist die Rede von einem Kollaps des Gesundheitswesens. Auch in den Bundesstaaten des Nordostens, die schon vorher mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten, breitet sich das Virus stark aus. Und auch da gibt es wohl kaum mehr Kapazitäten in den Krankenhäusern. Aber selbst in Rio scheinen etliche hundert Menschen auf einen Krankenhausplatz zu warten. Wir leben im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul. Hier ist die Situation vergleichsweise ruhig. Die Zahl der Infizierten, die heute (am 7. Mai 2020/d. Red.) für das ganze Land veröffentlich wurde, beträgt 135.106, 9. 146 Menschen sind bisher durch den Virus verstorben, allein in den vergangenen 48 Stunden waren es um die 1200, so viele wie noch nie zuvor. Allerdings gehen viele davon aus, dass die Dunkelziffern viel höher liegen, da nur getestet wird, wer mit Symptomen ins Krankenhaus geht.

Zu der schwierigen Situation in Zeiten von Corona kommt, dass Brasilien sich schon vorher in einer wirtschaftlichen Krise befand. Und seit ein paar Wochen spitzt sich auch die politische Situation immer mehr zu. Der brasilianische Präsident schafft es ja auch regelmäßig in die deutschen Medien. Er scheint die Pandemie nicht besonders ernst zu nehmen, hat den Virus als „gripezinha“, als kleine Grippe, bezeichnet, präsentiert sich immer wieder in den Medien in Menschengruppen ohne Schutzmaßnahmen. Der Gesundheitsminister kritisierte dieses Verhalten, plädierte für die von der WHO empfohlenen Einschränkungen und Schutzmaßnahmen und wurde daraufhin vom Präsidenten Mitte April entlassen. Die Menschen waren mit der Arbeit des Ministers zufrieden, schon vom Anfang der Corona-Krise an gab es immer wieder Proteste gegen den Präsidenten. Auch wir hören in unserer Nachbarschaft abends immer wieder Menschen an den offenen Fenstern auf Töpfe schlagen. Diese „panelaços“ sind die Demonstrationen in Zeiten des Corona-Virus. Zwei Wochen nach der Entlassung des Gesundheitsministers trat dann der Justizminister zurück mit der Begründung, der Präsident mische sich in die Ermittlungsarbeit der Polizei ein und er könne sein Ministeramt unter diesen Umständen nicht mit Verantwortung ausführen.

 

Was geschieht zur Aufklärung der Bevölkerung?

Ich habe den Eindruck, dass in den einzelnen Bundesstaaten einiges zur Aufklärung der Bevölkerung getan wird, wobei es anscheinend oft nicht gelingt, die benachteiligten Bevölkerungsschichten zu erreichen. Eine nationale Aufklärungskampagne gab es bisher noch nicht. Nun meinte allerdings der neue Gesundheitsminister, dass es nach den Entwicklungen der letzten Tage nun doch an der Zeit wäre, eine solche zu starten. Und dass auch der Präsident dieser Meinung sei.

 

Gibt es schon Maßnahmen, die ergriffen werden?

Ein gemeinsames Vorgehen auf nationaler Ebene gibt es nicht, wohl haben aber die Gouverneure der einzelnen Bundesstaaten Maßnahmen ergriffen. Seit Mitte März sind zum Beispiel die Schulen geschlossen. Kurz danach dann auch alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte, Kinos oder Restaurants. Seit ein paar Wochen darf nun jeder Landkreis abhängig von seiner Corona-Situation und der Zahl der verfügbaren Intensivbetten entscheiden und Maßnahmen erlassen. Es scheint Landkreise zu geben, in denen das Leben fast normal funktioniert. Bei uns sind seit dieser Woche kleinere Läden wieder geöffnet. Aber es gibt eine Maskenpflicht. Und sollte es notwendig sein, kann die Lockerung auch wieder rückgängig gemacht werden. Im Nordosten wiederum gibt es Städte, in denen es verboten ist, das Haus zu verlassen, außer für notwendige Arztbesuche und Einkäufe.

 

Wie bereitet sich das Gesundheitswesen vor?

Einen nationalen Plan scheint es nicht zu geben. Die Bundesstaaten handeln für sich und bauen zum Beispiel Zeltkrankenhäuser, oder Fußballstadien werden zu Krankenhäusern umfunktioniert.

 

Hat sich die Alltagssituation für Sie und für die Bevölkerung verändert und, wenn ja, wie?

Wir sind seit Anfang März in São Leopoldo und hatten gerade mal Zeit, uns einigermaßen einzurichten. Unser Sohn ist in die erste Klasse gekommen, nach gut eineinhalb Wochen war dann plötzlich alles geschlossen. Einen wirklichen Alltag hatten wir hier also noch gar nicht. Wir leben wie auf einer Insel. Die Stadt, unser neues Umfeld, auch Menschen kennen wir noch kaum. Das fühlt sich etwas komisch an. Für mich ist es eine Herausforderung, unseren Sohn beim Home Schooling und Internet-Unterricht zu begleiten, besonders bei der Alphabetisierung auf Portugiesisch. Oft fehlt mir die Geduld, da geht es mir wohl wie vielen Eltern in Deutschland auch.

Trotz unserer Herausforderungen leben wir hier sehr privilegiert, haben genug Platz im Haus, einen Garten und den Campus, wo es einen Sportplatz gibt. So haben die Kinder genug Möglichkeiten, sich auszutoben. Wir gehören nicht zur Corona-Risikogruppe und wir müssen uns um unseren Lebensunterhalt keine Sorgen machen.

Das ist bei vielen Brasilianer/innen ganz anders. Da bricht von heute auf morgen das Einkommen weg, Rücklagen sind oft nicht vorhanden. Da ist die Notwendigkeit, irgendwoher Geld oder etwas Essen zu bekommen. Es gibt eine staatliche Hilfe von 600 Reais (etwa 100 Euro). Damit kommt eine Familie auch nicht gerade weit. Wir wohnen in einem Mittelklasseviertel. Mir fällt auf, dass in den letzten Wochen mehr Menschen als sonst Recycling-Müll abgeholt haben. Wenn sie den abgeben, bekommen sie ein bisschen Geld dafür. Auch klingeln immer wieder Menschen und bitten um Essen oder warme Kleidung. Jetzt beginnt ja bei uns der Winter. Es scheint aber auch viele Menschen zu geben, die helfen wollen. Unsere Nachbarin hat Kontakt zu einer katholischen Kirchengemeinde, die Lebensmittel sammelt, um sie an Bedürftige zu geben. Auch in den Medien gibt es immer wieder Initiativen und Aufrufe, etwas zu spenden. Und da ist auch die andere Seite: Eine unserer Nachbarinnen, die einen Schönheitssalon hat, erzählte mir, dass sie nicht mehr alle ihre Angestellten bezahlen kann und nun mit ihnen nach Lösungen suchen muss. Ich habe gemerkt wie schwer ihr das fällt, welche Verantwortung sie da trägt und im Moment doch nicht erfüllen kann. Für viele Menschen ist das im Moment eine sehr schwierige Situation.

 

Wie ist die Situation in Ihrem Arbeitsfeld?

Mein Mann arbeitet seit März als Dozent an der lutherischen Fakultät in São Leopoldo. Auch hier wurde der Unterricht in die digitale Welt verlegt. Das wurde sehr schnell organisiert, wie ich finde. Vorher waren wir als Pfarrerin und Pfarrer in einer Gemeinde in Curitiba tätig. Was ich so mitbekomme, scheint die Situation für viele Gemeinden eine Herausforderung zu sein. Es finden keine Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Und die Pfarrer werden direkt von den Gemeinden bezahlt. Da vielen Menschen das Geld für das tägliche Leben fehlt, können sie schwer ihren Beitrag zahlen.

Aber auch die Lutherische Kirche in Brasilien war schnell und kreativ, was das kirchliche Angebot im Internet angeht.

 

Wie ist Ihre Einschätzung der Lage? – Wird es in Brasilien gelingen, das Virus unter Kontrolle zu halten?

Im Moment finde ich es sehr schwer zu sagen, wie sich die Situation im Land entwickeln wird. Sowohl was das Virus angeht als auch die politische Situation. In den Medien lese ich immer wieder, dass das Land sich im Moment auf dem Corona-Höhepunkt befindet und die Zahlen in ein paar Tagen sinken werden. Für das Land und besonders die Menschen hoffe ich das sehr.

 

Agnes Müller Grünwedel wurde zusammen mit ihrem Mann Heiko von Mission EineWelt nach Brasilien ausgesendet. Derzeit leben und arbeiten sie in São Leopoldo

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