Foto: Tiago Trindade

Rund 226000 Corona-bedingte Todesfälle in Brasilien haben die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) veranlasst, einen Protestbrief gegen den Umgang der brasilianischen Regierung mit der Pandemie zu veröffentlichen. Die Leitung der IECLB kritisiert Verantwortungslosigkeit „angesichts des Wütens des Virus“ und fragt: „Wie viele Todesfälle braucht es, um eine Person zu beunruhigen, um eine Nation zu mobilisieren?“ Zudem fordert die lutherische Kirche „garantierten kostenlosen Zugang zum Impfstoff gegen COVID-19 für die gesamte brasilianische Bevölkerung“.

Mission EineWelt, das Partnerschaftszentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), unterstützt diese Forderung. „Seit Beginn der Corona-Pandemie erreichen uns besorgniserregende Nachrichten aus Brasilien. Das unermessliche Leid in der Bevölkerung wird im Wesentlichen mitverursacht durch das fahrlässige, skrupellose Verhalten der Regierung Bolsonaro. Insbesondere die indigene Bevölkerung, aber auch die Armen und Landlosen sind der Pandemie schutzlos ausgeliefert“, kritisiert Hanns Hoerschelmann, Direktor von Mission EineWelt. „Deshalb stehen wir hinter der Position unserer brasilianischen Partnerkirche und versuchen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.“

Doch die Hilferufe kommen nicht nur aus Brasilien, einem Land, das eigenständig die Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen finanzieren könnte. Nahezu alle Länder, in denen Mission EineWelt mit Partnerkirchen der ELKB zusammenarbeitet, sind weiteren Wellen der Corona-Pandemie nahezu schutzlos ausgeliefert. Denn während die reichen Länder immerhin mittelfristig mit genügend Impfstoff für flächendeckende Impfungen rechnen können, haben viele Länder des globalen Südens bislang kaum Zugang zu Impfstoffen gegen Covid-19. Der seit Beginn der Pandemie eingerichtete Corona-Hilfsfonds der ELKB unterstützt zwar die Partnerkirchen in ihrer Gesundheits- und Aufklärungsarbeit, sein Volumen reicht aber nicht aus, um beispielsweise den Kauf von Impfdosen in notwendiger Menge zu finanzieren.

Zur adäquaten Versorgung der Länder des globalen Südens mit Corona-Impfstoffen müssen andere Wege beschritten werden. „Wir schließen uns deshalb der Forderung nach kostenlosen Impfstoff für Länder an, die sich diesen nicht in ausreichendem Maß kaufen können“, erklärt der Mission EineWelt-Direktor. „Wenn Solidarität und Nächstenliebe“ keine ausreichenden Argumente seien, müsse doch „wenigstens die Erkenntnis, dass nur eine globale Impfkampagne die Pandemie stoppen kann“ zu einer gerechten Verteilung der Impfstoffe führen.

 

Der Protestbrief der IECLB

in Englisch: 200 thousand deaths by Covid-19

in Spanisch: 2021.01.08-200 mil mortes por Covid-19