Bischof Fredrick Shoo (ELCT)

 

Während die Tansanische Regierung die Corona-Pandemie weitgehend ignoriert, warnen jetzt der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT), Fredrick Shoo, und der katholische Erzbischof Gervas Nyaisonga in unterschiedlichen, aber im Tenor gleichgerichteten Erklärungen vor einer starken Verbreitung des Corona-Virus in Tansania. Nyaisonga spricht von „vermehrten Todesfällen“ und erinnert an das Offensichtliche: „Unser Land ist keine Insel.“ Fredrick Shoo fordert in einem Brief alle Kirchenleitenden der ELCT auf, die Kirchenmitglieder „zu ermutigen, nicht lediglich zu beten und sich auf Gott zu verlassen, sondern auch nicht damit aufzuhören, alle von Gesundheitsexperten verkündeten Vorsichtmaßnahmen zu beachten.“ Die ELCT stehe in der Pflicht, allen Menschen genaues Wissen zu vermitteln, damit niemand aus Unwissenheit Opfer von Covid-19 oder anderen Krankheiten werden müsse.

Expert*innen der Weltgesundheitsorganisation WHO vermuten, dass sich in den letzten Wochen die Covid-19-Mutation aus Südafrika bis Ostafrika verbreitet hat. Andere Theorien sprechen von neuen Infektionsketten die durch große russische und ukrainische Touristengruppen auf Sansibar verbreitet sein könnten, die neuerdings die Mehrzahl der Touristen dort stellen.

Ganz anders als die großen Kirchen verhält sich die tansanische Regierung. Seit Juli 2020 gilt Tansania offiziell als Corona-frei. Ab April letzten Jahres wurden von Regierungsseite keine Infektions- und Todeszahlen mehr veröffentlicht. Verschiedene Vertreter der Oppositionsparteien haben diese Politik in der vergangenen Woche erneut scharf kritisiert. Aber Staatspräsident John Pombe Magufuli bleibt bei seiner Haltung. Bei einer Veranstaltung am 27. Januar 2021 in seinem Heimatort Chato empfahl er unter anderem, Weihrauch zu inhalieren und warnte: „Impfstoffe sind gefährlich.“

Eine öffentliche Diskussion über die Corona-Pandemie ist in Tansania nicht erlaubt. Regierungsstellen haben wiederholt darauf verwiesen, dass sich in Tansania lediglich vier Personen öffentlich zu Corona äußern sollen: der Staatspräsident, der Premierminister, der Gesundheitsminister und der Regierungssprecher. Jetzt wird vermehrt von Patienten mit „Lungenschwierigkeiten“ berichtet.

Die Entwicklung in Tansania löst auch bei Mission EineWelt Alarmstimmung aus. „Wir sind aktuell wirklich besorgt“, sagt Claus Heim, Tansaniareferent des Partnerschaftszentrums. „Im Frühjahr 2020 waren wir alle erleichtert, dass Tansania vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Aus verschiedenen Quellen hören wir jetzt aber, dass es in der Kilimandscharo-Region und in Dar es Salaam vermehrt zu Krankheits- und leider auch Todesfällen kommt. Auch von Mission EineWelt entsandte Mitarbeitende waren schon an Covid19 erkrankt.“

Mission EineWelt hatte im Frühjahr einen speziellen Corona-Hilfsfond für alle weltweiten Partnerkirchen eingerichtet. Die Kirche in Tansania hatte daraus Hilfsprojekte im Volumen von über 100.000 Euro finanziert. „Hier werden wir noch einmal nachlegen müssen“, meint Claus Heim. „Unsere Partnerkirche in Tansania braucht weiterhin unsere Solidarität und unser Gebet.“