Wann immer ich im letzten Monat an diesem Report über den Corona-Virus geschrieben habe, so schien der Inhalt am nächsten Tag wieder überholt. Inzwischen sehen sich Menschen auch außerhalb Chinas und Asiens mit den Auswirkungen des neuartigen Virus konfrontiert. In vielen Ländern wiederholt sich eine Situation – ähnlich wie wir sie schon vor eineinhalb Monaten in China, Hongkong und anderen Regionen Asiens hatten.

 

Maßnahmen zur Eindämmung der Krise

In den betroffenen Ländern Asiens haben sich zwei Methoden als erfolgreich erwiesen, den Ausbruch und die rasante Verbreitung des Virus zu stoppen.

 

Isolationstrategie in China

In China, wo der Virus vermutlich bereits Ende November auf einem Markt in Wuhan ausbrach, ist die Bevölkerung seit Ende Januar mit einschneidenden Maßnahmen im Alltag konfrontiert. Nachdem einzelne Infektionscluster nicht mehr nachvollzogen werden konnten, hat sich das gesamte Land in kürzester Zeit in extremer Weise isoliert. Die Mobilität wurde weitestgehend eingestellt, Restaurants und Geschäfte wurden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Sehenswürdigkeiten geschlossen und soziale Kontakte der Menschen auf ein Minimum reduziert. Hochrisikogebiete wie die gesamte Provinz Hubei mit mehr als 50 Millionen Einwohner/innen wurden konsequent abgeriegelt. Außerdem wurden massiv medizinisches Personal und Hilfe in die besonders betroffenen Gebiete geschickt.

In China waren bereits Anfang Februar 2020 mehr als eine Milliarde Menschen von gravierenden Einschnitten im alltäglichen Leben betroffen. Selbst in kleinen Provinzstädten gab es strikte Auflagen, beispielsweise, dass nur eine Person pro Haushalt alle zwei Tage zum Lebensmitteleinkauf gehen darf. Fiebermessungen an Zugängen von Wohnvierteln, vor Supermärkten oder ganz allgemein auf der Straße wurden alltägliche Routine. Damit einher geht eine Öffentlichkeitskampagne, die den Menschen Verhaltensregeln vermittelt und über die getroffenen Maßnahmen und deren Notwendigkeit informiert.

Daneben gibt es eine inzwischen durchgängige und konsequente Isolierung und Behandlung von infizierten Personen. So konnten die Infektionsketten erfolgreich unterbrochen und die Anzahl der Neuinfektionen schnell gesenkt werden. Die meisten Neuinfektionen, die China verzeichnet, kommen inzwischen aus dem Ausland. In vielen Städten sind erste Anzeichen von Normalität zu erkennen. Die Zuversicht wächst, dass man die Ausbreitung des Virus im Griff hat. Geschäfte und Restaurants öffnen wieder, und auch die Produktion läuft wieder an. Es ist bemerkenswert, dass China mit fast einem Fünftel der Weltbevölkerung dies nach dem explosiven anfänglichen Ausbruch geschafft hat. Der Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung ist niedriger als in vielen europäischen Ländern. Das war nur durch extreme Kontrollmaßnahmen, wie auch durch Selbstdisziplin und monatelangem Verzicht seitens hunderter Millionen von Bürger/innen möglich.

 

Identifizierung der Infektionswege und Massentests in Südkorea

Im demokratischen Südkorea hingegen wurden konsequent die Infektionswege identifiziert und durch Massentests und frühzeitige Isolierung und Behandlung der Menschen, die ebenfalls anfangs rasante Ausbreitung der Krankheit inzwischen unter Kontrolle gebracht. Das wurde sicher auch erleichtert, dass ein Großteil der Infektionen auf eine Person zurückzuführen war. Infektionscluster müssen identifiziert, getestet und isoliert werden. Wenn das nicht möglich ist, dann müssen wie in China mit einschneidenden Isolationsmethoden sämtliche Infektionsketten unterbrochen werden.

 

Strategie-Mix in anderen asiatischen Ländern

In Hongkong, Macau, Singapur oder Taiwan hat man es geschafft, mit einer Mischung aus Isolierung und Tests, mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung, die Verbreitung des Virus gering zu halten und unter Kontrolle zu bringen. Durch die weltweite Verbreitung kehren viele Menschen nun in ihre Heimatländer zurück. Das führt dazu, dass fast alle Neuinfektionen „importierte“ Fälle von außen sind. Dadurch wächst in Asien die Angst vor einer zweiten Infektionswelle. Folgerichtig gilt für Einreisende eine zweiwöchige Quarantäne oder die Einreise wurde bereits ganz untersagt.

 

Die Arbeit der Amity Foundation

Die Amity Foundation hat am 24. Januar 2020 begonnen, Hilfsmaterialien in besonders betroffene Regionen in Hubei zu schicken. Bis heute hat Amity mehr als 74 Millionen RMB an Spenden erhalten und diese dafür verwendet, Hilfsgüter in mehr als 14 betroffene Städte und Regionen zu schicken. Die Spenden und Hilfsgüter wurden durch Online-Fundraising und vor allem in Partnerschaft mit einheimischen Unternehmen gesammelt. Zudem hat Amity starke Unterstützung von chinesischen Kirchen (CCC/TSPM) und auch von ausländischen Partner/innen erhalten. Während am Anfang der Krise noch versucht wurde, medizinische Waren aus dem Ausland zu importieren, bekommt Amity inzwischen mehr und mehr Anfragen aus dem Ausland mit der Bitte um Unterstützung.

Internationale Treffen, Trainings, Konferenzen und Austauschprogramme müssen derzeit leider abgesagt oder verschoben werden. Für Partnerschaftsbesuche und vor Allem für den Jugendaustausch ist das eine sehr bedauernswerte Entwicklung. Konferenzen finden zunehmend online und digital statt, was sie inklusiver macht und was meiner Meinung nach angesichts der globalen Erwärmung (ökologischer Fußabdruck) eine begrüßenswerte Entwicklung ist.

 

Die Situation in Hongkong

In vielen Regionen Asiens und vor allem auch in Hongkong ist man durch die SARS-Krise in 2003, bei der fast 800 Menschen starben, sehr sensibilisiert. Mit etwa 357 Infektionen mit Covid19 (was etwa 0,005 Prozent der Bevölkerung ausmacht) sind die Fallzahlen in Hongkong sehr niedrig. Dennoch sind die schmerzlichen Erfahrungen mit der SARS Krise im kollektiven Gedächtnis der Menschen. Die stark frequentierten Grenzübergänge nach China wurden nach großem öffentlichem Druck von der Regierung schnell geschlossen und bleiben dies bis heute. Auch die Schulen sind seit Anfang der Krise zu. Die angekündigte Wiederaufnahme des Schulbetriebs Mitte April wurde bis auf weiteres verschoben. Am Anfang der Krise haben fast alle Angestellten für einige Wochen von zu Hause aus gearbeitet. Nun arbeiten die meisten wieder in den Büros. Aber noch immer werden Veranstaltungen weitestgehend abgesagt und soziale Kontakte deutlich reduziert. Die Menschen gehen seit zwei Monaten fast ausschließlich mit Maske aus dem Haus.

Die Nutzung von Masken im Alltag ist umstritten. Bei Menschenansammlungen auf engem Raum haben sie jedoch ihre Berechtigung. Zum anderen verhindern sie die Gefahr einer Verbreitung des Virus durch unerkannt erkrankte Menschen. Masken erfüllen zudem auch eine soziale Funktion. Sie zeigen, dass Ihr/e Träger/in die Gefahr des Virus ernst nimmt. In der Wohnenklave Discovery Bay, die besonders bei Ausländer/innen beliebt ist, trägt kaum jemand eine Maske. Dies führt bisweilen zu Spannungen in der Bevölkerung. Während es Berichte gibt, dass asiatisch aussehende Menschen in anderen Ländern für das Tragen einer Maske kritisiert werden, wird hier Kritik an Menschen geübt, die keine Maske tragen.

Nach anfänglichem Maskenmangel gibt es inzwischen wieder überall Masken zu kaufen. Diese sind zwar noch immer sechs Mal teurer als vor der Krise, aber immerhin verfügbar und nicht mehr so teuer wie zu Beginn der Krise. In vielen Gebäuden wie auch an öffentlichen Orten liegen Hand Sanitzer aus. Aufzugschalter und Bankautomaten werden abgeklebt und mehrmals täglich gereinigt. Bei einigen Restaurants, Postämtern oder Geschäften wird am Eingang die Temperatur an der Stirn gemessen. Die Selbstquarantäne von Menschen, die von außerhalb nach Hongkong kommen, wird von Mitarbeitenden der Einwanderungsbehörde durch regelmäßige Videoanrufe überwacht. In der Öffentlichkeit wie in den Zeitungen sind große Anzeigen geschaltet, die über Hygiene- und Isolationsmaßnahmen informieren. Mit Durchsagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird an die Menschen appelliert, Masken zu tragen und andere Hygienestandards zu befolgen. Wichtige Ankündigungen wie Quarantäneanordnungen werden von der Regierung auch über SMS an alle Bürger verschickt. Zudem wird die Öffentlichkeit penibel und detailliert über die Hintergründe eines jeden neuen Falles informiert. Es gab und gibt Berichte über Verfehlungen und Fehlverhalten. Den einen gehen die Maßnahmen nicht weit genug, den anderen ist es zu viel. Aber im Großen und Ganzen werden die Maßnahmen als notwendig erachtet und akzeptiert.

Das Jahr 2019 war für Hongkong ein schweres Krisenjahr. Zuerst die Proteste und nun das Virus haben Bevölkerung und Wirtschaft schwer getroffen. Die Stadt lebt vor allem von Tourismus und Einzelhandel. Die Zahl der Besucher/Innen und Tourist/innen ist drastisch eingebrochen. Die Corona-Pandemie sorgte für einen Rückgang um bis zu 96 Prozent. In der Bevölkerung gibt es die Befürchtung, dass die Arbeitslosenquote weiter ansteigt.

Und dennoch geht das Leben weiter. Die Menschen gehen viel nach draußen an die frische Luft. Wandern oder Fahrradfahren hat Hochkonjunktur. Auch wenn große Veranstaltungen weiterhin abgesagt und soziale Kontakte eingeschränkt werden, isoliert man sich nicht vollständig. Einkaufszentren sind weiterhin gut besucht. Es gibt inzwischen auch wieder kleinere Proteste der Bevölkerung gegen die Regierung, nachdem die Protestbewegung seit Monaten in der Öffentlichkeit nicht mehr sichtbar war. Restaurants bleiben seit jeher geöffnet, und es machen auch wieder begrenzt Museen und anderen Einrichtungen auf, mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Das obligatorische Tragen einer Maske wie auch das Desinfizieren der Hände ist seit fast zwei Monaten zur Regel geworden.

 

Die deutschsprachige evangelische Gemeinde in Hongkong (EGDSHK)

Die andauernde Schulschließung trifft auch die evangelische deutschsprachige Gemeinde. Seit zwei Monaten können wir die deutschsprachige Schule nicht wie gewöhnlich für Gottesdienste nutzen. Daher müssen wir uns jeden Sonntag neue Räumlichkeiten suchen. Die Gemeinde trifft sich im kleinen Kreis, auch mal am Strand in Discovery Bay (DB). Wir halten Gottesdienste privat ab und versuchen uns weiterhin zu treffen, und ebenfalls auch unsere katholischen Geschwister einzuladen. Die deutschsprachige katholische Gemeinde wird aus Peking mitbetreut. Aufgrund der Einreisesperre kann der katholische Pfarrer derzeit nicht mehr nach Hongkong kommen. Schön ist ebenfalls, dass wir von einem deutschen Unternehmer eine größere Anzahl Masken gespendet bekommen haben, die wir an Flüchtlinge und Obdachlose in Hongkong verteilen konnten. So können wir als Gemeinde auch die Menschen in Hongkong unterstützen, die dem Virus besonders schutzlos ausgeliefert sind.

 

Was bringt die Zukunft?

Die Unsicherheiten, die mit dem Virus einhergehen, sowie die weltweite Ausbreitung des Virus stellen die Weltgemeinschaft vor eine große Herausforderung. Das Primat des wirtschaftlichen Wachstums, profitgesteuerte Privatisierungen und neoliberale Reformen im Gesundheitswesen über die letzten Jahrzehnte verschärfen die Krise. Auch der weltweit zunehmende Populismus und nationalistische Tendenzen stehen einer hinreichenden Eindämmung der Pandemie entgegen. Meine Befürchtung ist, dass die Krise die seit Jahren zunehmenden nationalen und internationalen Polarisierungstendenzen in Politik und Gesellschaft verstärken wird und sich Vorurteile und Rassismus verfestigen.

Andererseits ist die Zahl der Infizierten weltweit noch sehr niedrig im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Zudem ist zu hoffen, dass der kommende Sommer die Verbreitung des Virus zusätzlich behindern wird. Die Beispiele in Asien zeigen, dass die Pandemie durch die jetzt getroffenen Maßnahmen eingedämmt werden kann und dass das alltägliche Leben weitergehen wird. Dafür müssen die reichen Länder aber vor allem auch an die ärmeren Menschen in n den Ländern des globalen Südens denken, und diesen notfalls die entsprechende Unterstützung zukommen lassen. Denn in dieser globalen und existentiellen Pandemie zeigt sich auch, dass diese nur durch Solidarität, Mitgefühl und Rücksichtnahme gelöst werden kann.

Es ist zu hoffen, dass wir letztendlich, wenn die Krise vorbei ist, daraus lernen und uns in Zukunft mit gleichem Engagement auch auf andere globale Herausforderungen wie die Klimaerwärmung oder die weltweit grassierende Ungleichheit konzentrieren werden.

 

Martin Lachmann, Hongkong, 23. März 2020

(Martin Lachmann wurde von Mission EineWelt nach Hongkong ausgesendet)

 

Informationen zur Arbeit der Amity Foundation:

https://www.amityfoundation.org/eng/

https://www.amityfoundation.org/eng/social-media

 

Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Arbeit von Mission EineWelt, damit auch weiterhin wichtige, nachhaltige Projekte umgesetzt werden können. Tragen Sie dazu bei, dass Menschen eine Chance erhalten:

https://mission-einewelt.de/spenden/

Aufgrund der Corona-Krise kann der Zentralamerikatag leider nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden,. Aber inzwischen wurde ein spannendes Programm für den virtuellen Raum  erarbeitet.

Die genauen Login-Informationen für das Webinar zum Zentralamerikatag werden allen Angemeldeten demnächst per Mail zugesendet und für alle weiteren Interessierten hier veröffentlicht:

https://mission-einewelt.de/events/zentralamerikatag-2020/

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen.
Psalm 84,4-7

Bleiben Sie zu Hause!
So lautet eine der wichtigsten Verhaltensregeln in Corona-Zeiten. „Zu Hause“ ist für viele ein Ort, an dem sie sich wohl und sicher fühlen, der Schutz und Geborgenheit bedeutet. Wo sie ihre Liebsten treffen, wo sie gerne sind. Da kann man sich schon mal einschränken und ein paar Wochen daheim bleiben. Was aber ist mit den Menschen, die sich daheim nicht wohlfühlen, weil sie einsam oder psychisch angeschlagen sind? Oder weil ihr Daheim von Gewalt und Streit geprägt ist. Oder mit denen, die kein richtiges Zuhause haben: Obdachlose, Menschen auf der Flucht . Viele Hilfsangebote für diese Menschen fallen plötzlich weg.
Als Christinnen und Christen haben wir immer ein zu Hause bei Gott, dürfen wir uns trotz aller Unsicherheiten und Bedrohungen in der Welt stets bei ihm daheim und geborgen fühlen. Dieses Vertrauen auf Gott kann uns dazu anregen, auch in Krisenzeiten nicht nur auf uns selbst zu schauen, sondern die Menschen ohne Zuhause zu unterstützen und ihnen zu helfen. Durch Gespräche am Telefon, online, indem wir sie beim Einkaufen unterstützen. Indem uns ihr Schicksal nicht gleichgültig bleibt, sondern wir uns für sie einsetzen und dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden. Gerade die Geflüchteten, die in Lagern vor den Toren Europas oder auf den griechischen Inseln meist auf engstem Raum unter katastrophalen hygienischen und medizinischen Verhältnissen festsitzen, brauchen dringend Unterstützung und Solidarität.
Sich für andere einzusetzen, nicht nur um sich selbst zu kreisen, mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden zu sein in Solidarität, im Handeln und auch im Gebet, kann heilsam und segensreich sein. Und uns so auch eine geistige Heimat geben.
Bleiben Sie zu Hause und bleiben Sie auch bei Gott zu Hause!
Amen.


Gisela Volz, Mission EineWelt, Referat Entwicklung und Politik
Illustration: Daniela Denk, Mission EineWelt, Öffentlichkeitsarbeit

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,

der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9,62

 

Nur zu gerne sehen wir und sehnen wir uns zurück, aber meistens mit einer Spezialbrille, die das Gelungene überbetont und das Missratene ausblendet.

Doch hier geht es nicht um mich und meine Lieben, sondern um das Reich Gottes. Nicht zurückschauen, sondern vorausschauen, schauen auf den, der gesagt hat: Ich bin der Weg. Das macht uns frei und hilft uns zur Wahrheit, die uns auch wieder auf Jesus hinweist. Wir müssen nichts beschönigen, ausblenden oder unter den Teppich kehren. Gott gibt uns eine Aufgabe und ein Ziel: die Nachfolge.

Heute ist Frühlingsanfang. Das soll nicht nur im Garten so sein, sondern auch in unserem Herzen. Wir dürfen auf Jesus schauen, nicht in den Spiegel, in dem wir uns ja eigentlich seitenverkehrt sehen. ER ist das Licht der Welt, unser Licht, damit auch wir nicht verbissen uns mit unserem „Pflug“ abmühen und davonlaufen, wenn die „Lebens-Furche“ zu missraten droht.

Was wir tun, ist „Handarbeit“, auch wenn es mit unserem Kopf geschieht. Das Wachsen und Gedeihen können und brauchen wir nicht vollbringen. Jesus, der das Leben ist, kann auch aus unseren krummen Furchen eine gute und reiche Ernte geraten lassen.

Um seinen Segen wollen wir bitten. Amen

 

Das Lied: (EG 391) Jesu, geh voran… ist auch unser Gebet.

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir

getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen

niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

Ordne unseren Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib

uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

 

Andacht: Karl Lippmann, ehemaliger Mitarbeiter des Bayerischen Missionswerks in Papua-Neuguinea

Illustration: Daniela Denk

Die Welt-Uni 2020 zum Thema „Künstliche Intelligenz – Herausforderungen für die globale Gesellschaft 4.0“ fand wegen der Corona-Pandemie leider nicht wie geplant als Präsenzveranstaltung statt, sondern als Online-Veranstaltung. Da sich die Ereignisse in Sachen Corona kurz vor der Weltuni überschlugen, fiel die Entscheidung contra Präsenz und pro virtuell erst einen Tag vor dem Start. Doch dank des Einsatzes und der Expertise des E-Learning Spezialisten bei Mission EineWelt, Christian Pfliegel, konnten die technischen Voraussetzungen für ein virtuelles Event fast schon spontan bewältigt werden. Gut, wenn mwd jemanden hat, der sich mit sowas auskennt. Dazu noch die Bereitschaft der Referent/innen, sich auf das flugs geänderte Setting einzulassen, und schon konnte es losgehen. Allerdings war da noch eine Unbekannte: Wie würden die Teilnehmenden reagieren? – Die anfänglich bange Erwartung im Organisationsteam wich schnell euphorischer Zuversicht. Auf die Ankündigung hin, dass die Welt-Uni diesmal virtuell stattfinden würde, gingen sogar noch neue Anmeldungen ein. Vor allem an der Auftaktveranstaltung nahmen mit 80 Personen mehr teil, als sich vorher zur Präsenzveranstaltung angemeldet hatten. Laut Rückmeldung einzelner Teilnehmender lag der Grund auch darin, dass angesichts ansonsten ersatzlos gestrichener Termine manche erst jetzt die Zeit hatten, an der Welt-Uni teilzunehmen.

Die Referent/innen Birte Platow (TU Dresden), Bramwel Omondi (Nuermberg Campus of Technology) und Werner Rätz (attac Deutschland) reisten nach Nürnberg und hielten ihre Inputs vor laufender Kamera, die jeweils live über den Mission EineWelt-Youtube-Kanal gestreamt wurden. Lena Luig (Inkota) schaltete sich live über die Videokonferenz-Plattform Go To Meeting zu und hielt dort ihren Vortrag.

Auch die Abschluss-Diskussion ging virtuell über die Bühne. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass klare ethische Richtlinien für die Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) auf internationaler Ebene dringend notwendig sind. Eigentlich, so der Tenor der Diskutierenden, bräuchten wir derzeit erstmal eine Entschleunigung und Bedenkzeit hinsichtlich unseres Umgangs mit KI, damit sich nicht Strukturen etablieren und verfestigen, die nur schwer wieder veränderbar sind. Denn Künstliche Intelligenz birgt zahlreiche Chancen für eine nachhaltigere Entwicklung aber auch enorme Risiken. Demokratische Mitbestimmung, adäquate Bildung und Medienkompetenz, Datenschutz und öffentliche Kontrolle/Transparenz, Energie-/Rohstoffverbrauch, Verhinderung von Machtkonzentration/Monopolbildung – diese und weitere Themen müssen auch im Zusammenhang mit KI dringend fundiert bearbeitet werden.

Wer es nicht geschafft hat, an der virtuellen Welt-Uni teilzunehmen, kann sich ab Samstag, 21. März 2020, Zusammenfassungen und Ausschnitte einzelner Beiträge hier anhören und –sehen:

www.mission-learning.org/weltuni2020

Besonders für die, die jetzt noch irgendwo auf der Welt unterwegs sind, für die, die vielleicht festsitzen und nicht mehr weiter und nach Hause kommen. Und für uns alle, die wir derzeit nicht so recht wissen, wo die sprichwörtliche Reise hingeht, ist dieser Reisesegen Verheißung von Aufgehobensein bei Gott. Egal, wo wir uns befinden und wie unübersichtlich und verfahren die Situation auch sein mag: Wir dürfen von Gott begleitet und bei ihm geborgen fühlen. Das glauben wir.

Die heutige neutestamentliche Tageslosung aus dem 1. Petrusbrief 2,3 erinnert uns:

„Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist!“

Ich finde, dass dieser Vers ein guter Mutmacher in Zeiten wie dieser ist, in der wir unser privates, soziales und berufliches Leben völlig umstellen und uns laufend auf neue Herausforderungen einstellen!

Wir tun dies in der begründeten Hoffnung, dass unser Gott uns auch jetzt nicht allein lässt.

Wie er es immer schon getan hat, wird er uns auch diesmal neue Türen auftun und uns die Kraft, Liebe und Besonnenheit schenken, um diese Türen auch zu finden!

Ich wünsche uns allen dafür eine kräftige Portion von „Gottes Freundlichkeit“ – und über allem seinen Segen für diesen Tag!

Klaus Dotzer, Leiter des Referats Afrika bei Mission EineWelt

Auch die für 22. bis 28. März 2020 geplante Aktion „Eine Woche ohne Plastik“ muss wegen der Corona-Pandemie leider verschoben werden. Sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Wegen des Corona-Virus und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr werden alle Veranstaltungen von Mission EineWelt leider entfallen. Diese Entscheidung des Kollegiums von Mission EineWelt gilt vorerst bis einschließlich 11. Mai 2020. Wo es möglich und machbar ist, werden Veranstaltungen mit Hilfe digitaler Technik ganz oder teilweise virtuell durchgeführt. Wer sich bereits zu einer Veranstaltung angemeldet hat, wird per E-Mail informiert, wenn diese virtuell stattfindet.

„Es tut uns sehr leid, dass Veranstaltungen von Mission EineWelt ausfallen müssen. Aber aus Gründen der Solidarität und Fürsorgepflicht halten wir diese Maßnahmen in der momentanen Situation für angemessen und notwendig. Sie stehen im Einklang mit den Beschlüssen und Empfehlungen vom Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und von anderen internationalen kirchlichen Organisationen“, begründen die MEW-Direktor/innen Gabriele und Hanns Hoerschelmann diese Entscheidung.

Eigentlich wollten die Bundesminister Gerd Müller (CSU) und Hubertus Heil (SPD) am 10. März 2020 erste Eckpunkte für das von ihnen angekündigte Lieferkettengesetz vorlegen. Doch kurz vorher wurden sie laut Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Bundeskanzleramt zurückgepfiffen. Mission EineWelt kritisiert mit anderen Mitgliedern der bundesweiten Initiative Lieferkettengesetz dieses Vorgehen. „Damit stellt sich die Bundesregierung ein Armutszeugnis in Sachen konsequenter Politik für die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten aus“, moniert Jürgen Bergmann, Leiter des Referats Entwicklung und Politik von Mission EineWelt.

Im Dezember 2019 schien es so, als würden sich Vernunft, Weitsicht und Humanität durchsetzen. Das Ergebnis der ersten Umfragerunde zur freiwilligen Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten deutscher Unternehmen entlang ihrer Lieferketten im Rahmen des bereits 2011 aufgelegten Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) war desolat ausgefallen. Gerade einmal 464 von rund 7100 Unternehmen mit über 500 Beschäftigten und Hauptsitz in Deutschland hatten sich überhaupt beteiligt. Von diesen wenigen konnten nur 20 Prozent überzeugend darlegen, dass sie entlang ihrer Lieferketten auf die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten achten.

Daraufhin hatten die Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die jahrelange Hängepartie beendet. Sie verzichteten darauf, das Ergebnis einer weiteren Umfragerunde abzuwarten, legten das im NAP verankerte Freiwilligkeitsprinzip ad acta und kündigten ein Lieferkettengesetz an. Müllers Fazit: „Freiwilligkeit führt nicht zum Ziel.“

Zuletzt war angekündigt, dass die Minister am 10. März 2020 erste Eckpunkte des Lieferkettengesetzes vorlegen würden. Doch laut Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland hat das Bundeskanzleramt im Verein mit dem Bundeswirtschaftsministerium die Veröffentlichung verhindert.

Als Mitglied der bundesweiten Initiative für ein Lieferkettengesetz kritisiert Mission EineWelt dieses Vorgehen. „Unter moralischen Aspekten ist die fortgesetzte Verweigerung einer handfesten Politik für die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten durch die Bundesregierung ein Offenbarungseid“, kritisiert Jürgen Bergmann. „Dieses nationale Gesetz wäre wenigstens ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen. Denn noch immer blockiert die Bundesregierung die internationalen Verhandlungen für eine verbindliche gesetzliche Regelung zur Unternehmensverantwortung, das so genannte ‚UN Binding Treaty‘. So verspielt die Bundesregierung ein letztes Quäntchen Glaubwürdigkeit, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht.“

Verbindliche, national und international einklagbare Rechte für Arbeitnehmer/innen würden zu mehr globaler Fairness führen und Bemühungen um demokratische und gemeinwesenorientierte Entwicklungen wesentlich stärken. Umweltkatastrophen, Diktaturen, Bürgerkriege und daraus resultierende massenhafte Fluchtbewegungen sind auch Resultat einer internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik der Industrienationen, die auf maximale Profite durch Ausbeutung der Menschen in den Ländern des globalen Südens ausgelegt ist.

„Wir fordern, dass die Bundesregierung sich schnellstens um die Umsetzung eines nationalen Lieferkettengesetzes bemüht und sich konstruktiv an den Verhandlungen für ein international gültiges Regelwerk beteiligt“, sagt Bergmann.